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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Zwischen Partystimmung und Tradition

07.06.2014

Wildeshausen Der Countdown für Pfingsten läuft: Bei Hartings wird gerade die Bodenhülse für den neuen Fahnenmast gelegt, und das Wohnzimmer steht voll mit Gilde-Inventar. Nicht viel anders sieht es bei Schillings aus. Die sind gerade mit dem Bau eines großen Gartenhauses beschäftigt. Beide Familien genießen den Trubel, der sie das ganze vergangene Jahr begleitet hat: Christian Harting als Schaffer der Wildeshauser Schützengilde von 1403 und Jörg Schilling als König.

Als Team funktionieren sie super, sind sich beide einig. Dabei hat Harting das Königsschießen im vergangenen Jahr kaum verfolgt, zu groß war die Aufregung des angehenden Schaffers vor der Proklamation um Mitternacht. „Das war schlimmer als bei der Meisterprüfung“, schmunzelt Ehefrau Nina.

Eine Woche Dauergrinsen

Als die Hartings sich für das Schafferamt entschieden, wussten sie, was sie taten. „Wir haben uns das genau überlegt, und wurden sorgfältig darüber aufgeklärt, was auf uns zukommt“, sagen sie. Die Realität hat sie trotzdem überrascht. „Wir sind durch die ganze Schafferwoche mit einem Dauergrinsen im Gesicht geschwebt“, erinnert sich der 36-jährige Hörgeräteakustiker. Danach ging es erst einmal für eine Woche in den Urlaub nach Dänemark. „Da war gar nichts, und das war gut so“, ergänzt Ehefrau Nina.

Anschließend galt es dann wieder, allerhand Trubel zu meistern: Ausschusssitzungen, Offiziersgeburtstage, Fähnrichstreffen, Ausflüge, Wacheball und und und. Da musste der Freundeskreis schon mal zurückstecken und die Familie als Babysitter einspringen. „Wir hatten und haben wirklich viel Rückhalt“, freut sich Nina Harting. Dieses engagierte Team wird dem jungen Ehepaar auch bei den Kompaniebewirtungen helfen, die in den nächsten Jahren anstehen. Start ist diesmal – im relativ kleinen Rahmen – im Rathaus.

Auch für die beiden Kinder Carlotta (6) und Ole (3) bedeutete das vergangene Jahr viel Aufregung. Als dann noch bei Ole einige Monate nach Pfingsten Diabetes diagnostiziert wurde, lernten die aufgewühlten Eltern die wahre Stärke der Gilde kennen. „Uns schlug unheimlich viel Verständnis und Unterstützung entgegen in dieser schwierigen Zeit“, betonen sie.

Generell haben die Hartings ihre Entscheidung für das Schafferamt nie bereut. Viele neue Kontakte, tolle Erlebnisse und ein Plus an Selbstbewusstsein stehen auf der Habenseite. „Und außerdem ist es ein tolles Gefühl, jetzt ein ganz kleiner Teil dieser jahrhundertelangen Geschichte zu sein“, meint Nina Harting. Seinen Nachfolgern rät das Ehepaare: einfach nur genießen und keinen Kopf machen. „Der Ernst kommt schließlich früh genug“, schmunzelt der angehende Fähnrich Christian Harting.

Das sieht bei König Jörg Schilling etwas anders aus: „Das einzige Manko am Amt des Königs ist, dass es keine Anschlussfunktion gibt und man nach dem Königsjahr zum Beispiel nicht automatisch General wird“, meint er augenzwinkernd.

Wie im Rausch

In vollen Zügen genossen hat Schilling das vergangene Jahr, das nach dem Königsschuss wie im Rausch begann. Die Familie mit Ehefrau Anika sowie den vier Kindern Ewa (14), Lotta (12), Max (10) und Mia (7) wusste der 46-Jährige dabei stets auf seiner Seite.

„Wer mit Lust und Freude bei der Sache ist, macht das wirklich gerne“, meint Anika Schilling im Rückblick. Und weiter: „Das mit den angeblich so vielen Terminen wird etwas hochgepusht und ist auf jeden Fall zu schaffen.“

Auch finanziell ist den Schillings das Königsjahr jeden Euro wert gewesen: Es gebe einfach Dinge, die man mit Geld nicht aufwiegen könne.

Vor ein paar Jahren hatte der in Wildeshausen aufgewachsene Schilling schon mal auf den Papagoy geschossen, „einfach um die Atmosphäre zu spüren“, wie er sagt. Es dauerte allerdings ein paar Jahre, bis wirklich alles rund war. 2013 passte es dann: Einige Freunde vom Pfingstclub Schwarz-Grün (SG 92 hinten links) schossen mit – und es regnete, was der Brillenträger als Vorteil sieht („Die anderen mussten dauernd beim Schießen die Augen zusammenkneifen“). „Als ich im ersten Durchgang das Stechen gewonnen habe, wusste ich: Hier geht was“, blickt Schilling zurück. Was er da wirklich tat, wurde ihm allerdings erst im Moment des Treffens klar. „Ich war auf einmal umgeben von Offizieren und Königen, bekam eine Fliege um und saß auf einer Sänfte“, erinnert sich der Geschäftsführer einer Tiefkühlfirma an diesen „coolen Moment, diese Riesenwelle“. Da habe er ebenso „Gilde gespürt“ wie in dem Moment, als seine Frau den Mooskranz aufgesetzt bekam.

Und das ist es auch, was dem scheidenden König denn doch bleibt: das Ankommen in der Gilde als Traditionsverein, nachdem die Jugend eher von Partystimmung im Gildefestzelt geprägt war. „Jeder der das nicht versucht, verpasst was“, ist Schilling überzeugt.

Uta-Maria Kramer
Wildeshausen
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2703

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