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Lesung im Rathaus Wildeshausen Was Reinhard Tschapke mit den großen Schriftstellern erlebt hat

Reinhard Tschapke las im Wildeshauser Rathaus aus seinem Buch „Oldenburger Begegnungen“.

Reinhard Tschapke las im Wildeshauser Rathaus aus seinem Buch „Oldenburger Begegnungen“.

Hergen Schelling

Wildeshausen - So kann man sich irren: „Zum Kaffee bei Siegfried Lenz“ war am Sonnabend die erste diesjährige Veranstaltung des Kulturkreises Wildeshausen im alten Rathaus überschrieben. Und genau das (mehr nicht) hatte der Gast des Abends, der Autor und Journalist Dr. Reinhard Tschapke, selber auch erwartet, damals in Hamburg, als er den großen Schriftsteller, den Verfasser der „Deutschstunde“, zu Hause abholen wollte, um ihn zur Lesung nach Oldenburg zu chauffieren: nur einen Kaffee. An Kuchen hatte er nicht gedacht und sich vor der Ankunft im Hause Lenz vorsichtshalber noch mit Pizza gestärkt. Großer Fehler.

Aber auch große Unterhaltung: Rund 60 Gäste der Lesung amüsierten sich im Trauzimmer des Rathauses köstlich, als Tschapke, langjähriger Leiter der Kulturredaktion der Nordwest-Zeitung, in satter Ausführlichkeit beschrieb, wie sich die Abfahrt nach Oldenburg um Stunden verzögerte, weil er sich im Hamburger Wohnzimmer des überaus gastfreundlichen Ehepaares Lenz erstmal durchs üppige Tortenbuffet futtern und danach noch diverse Keksteller verköstigen musste.

Liebenswerte Leute

Mit Episoden wie dieser macht Tschapke in seinem Buch „Oldenburger Begegnungen“, aus dem er am Sonnabend 90 Minuten lang sehr unterhaltsam vortrug, die Menschen hinter der Schreibmaschine erkennbar, lässt Leserschaft und Publikum teilhaben an den sehr persönlichen Eigenarten der großen Autoren, denen er im Laufe seines Berufslebens begegnet ist, an ihren Schrullen und Macken sowie auch den liebenswerten Charaktereigenschaften, von denen Siegfried Lenz und seine Frau Lieselotte laut Tschapke besonders viele hatten. So erfuhren die Zuhörerinnen und Zuhörer zum Beispiel, dass der mal rüpelhafte und dann wieder charmante Schriftsteller Wolf Wondratschek Geschlechterbeziehungen nicht nur als literarisches Thema favorisiert, sondern diese ungeniert auch an Oldenburger Hotel-Rezeptionen einfordert. Oder dass Johannes Mario Simmel von der gealterten Schauspielerin Marlene Dietrich jahrelang Liebesbriefe erhielt.

Persönliche Erlebnisse

Aber auch höchst Persönliches aus der eigenen Vita hat der gebürtige Oldenburger, der seit 20 Jahren in der ländlichen Wesermarsch lebt, in seinem Buch beschrieben und am Sonnabend in Wildeshausen eindringlich geschildert: seine Kindheit in einer kargen Kellerwohnung an der Oldenburger Kastanienallee, wo die aus dem Osten vertriebene Familie bis Mitte der 60er-Jahre lebte. Seine belebende Nachbarschaft mit der Rockmusikerin Inga Rumpf. Und vor allem die ebenso auf- wie anregenden Studenten-Jahre in Tübingen beim Rhetorik-Professor Walter Jens, den Tschapke als literarische Respektsperson, aber auch als „selbstverliebten Selbstdarsteller“ erlebt hat. Dass der bei öffentlichen Auftritten so wortgewandte Sprachwissenschaftler im privaten Rahmen ziemlich schüchtern war und dem Gegenüber kaum in die Augen schauen konnte, war eine weitere interessante Randnotiz, mit der Reinhard Tschapke – im Buch wie bei der Lesung – aus den Helden des Literaturbetriebs Menschen mit Stärken und Schwächen machte.

Im Ergebnis ein Kulturabend, der zum Kaffee bei Siegfried Lenz eine Menge schöner Sahnestücke bot.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)
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