Sandhatten - Es ist ruhig geworden im Landhaus Heuermann. Auf dem Parkplatz des privaten Pflegeheimes am Rande des Dorfes Sandhatten stehen nur wenige Fahrzeuge, im Innern brennt kein Licht. Die 25 Bewohner sind im Laufe des Novembers in andere Pflegeheime untergebracht worden. Der Grund: Die Landhaus Heuermann Betriebsgesellschaft mbH ist insolvent. Nach fast einem Jahr ist das Ziel der Verwaltung, das Heim dauerhaft zu retten, gescheitert.
Im Dezember 2022 stellten die beiden geschäftsführenden Gesellschafter, Marcus und Katja Schneider, einen Insolvenzantrag. Das vorläufige Verfahren begann einen Tag vor Heiligabend am 23. Dezember. „Das war damals ein schwerer Moment, aber die Mitarbeiter haben toll mitgezogen“, erinnert sich Insolvenzverwalterin und Rechtsanwältin Birte Seydlitz (Dr. Sundermeier & Seydlitz; Varel).
Ziel: Heimerhalt
Am 1. April 2023 wurde dann das Insolvenzverfahren eröffnet. Ziel sei es gewesen, die Voraussetzungen für einen dauerhaften, kostendeckenden Weiterbetrieb des Pflegeheimes durch einen Insolvenzplan zu ermöglichen, so Seydlitz. In den folgenden Monaten hätten die Zahlen durchaus optimistisch gestimmt. Erst eine schwere Erkrankung des Geschäftsführers im September und Oktober hätte die Pläne grundsätzlich infrage gestellt. Im Oktober, so Seydlitz, seien alle Mitarbeiter auf einer Versammlung über die erzwungene Schließung des Heimes informiert worden. Je nach Dauer des Arbeitsverhältnisses wurde ihnen zum 30. November 2023 oder später gekündigt.
Im Oktober sei sie noch davon ausgegangen, dass genügend Geld für die Gehaltszahlungen Ende November vorhanden sei, so die Insolvenzverwalterin. Ausbleibende Zahlungseingänge hätten sie dann allerdings gezwungen, eine sogenannte Massenunzulänglichkeit beim Amtsgericht Oldenburg anzuzeigen.
Das bedeutet, dass vom verbliebenen Vermögen der GmbH erst nach Begleichen der Gerichtskosten und der Kosten der Insolvenzverwaltung alle anderen Ansprüche der Gläubiger bedient werden. Wie viel das sein wird: unklar. Gläubiger sind nun auch die etwa 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Ausbleiben einer Gehaltszahlung für die von ihnen geleistete Arbeit im November, aber auch von Zuschlägen für Feiertagsdienste im Oktober sowie Überstunden und Urlaubstage, ist für sie ein harter Schlag, mit dem sie nicht gerechnet haben.
Seit November kein Geld
Mit einem Drittel der Frauen hat die NWZ sprechen können. Sie machen deutlich, dass sie sich im Stich gelassen fühlen. „Keiner ist vorzeitig gegangen. Wir haben alle mitgezogen, damit die Bewohner bis zum Schluss gut versorgt werden“, so eine der Frauen. Immer wieder sei ihnen von der Heimaufsicht und der Insolvenzverwalterin signalisiert worden: Bitte bleibt! „Wir fühlen uns ausgenutzt – so wie vor Jahren die Schlecker-Frauen.“ Die Mitarbeiterinnen leben verteilt über verschiedene Landkreise im Nordwesten. Ihre Erfahrungen auf den zuständigen Ämtern hören sich allerdings gleich an. Die Chancen, kurzfristig Bürgergeld oder Arbeitslosengeld noch in diesem Jahr zu erhalten, scheinen gegen null zu gehen.
Marcus Schneider ist anzumerken, dass ihn die gesamte Situation sehr belastet. Es gebe Mitarbeiterinnen, die seit dem ersten Tag im Juni 2008 hier beschäftigt gewesen waren. „Wie es gekommen ist, das ist sehr bitter.“ Seine Gesundheit habe alle Pläne über den Haufen geworfen. Was aus dem nun leerstehenden Heim an der Feldtorstraße wird, kann er noch nicht sagen. Ein Verkauf an Investoren, die Interesse an dem Standort haben, scheint wahrscheinlich.
