Landkreis Oldenburg - Mit dem Rad unterwegs und nichts zu trinken dabei? Dann schnell einkehren in eines der acht Melkhüser im Bereich der Wildeshauser Geest. „Wir waren mal elf“, sagt die Sprecherin Gunda Döbken mit einem Schulterzucken, „aber es hat sich viel verändert“.
Das erste Melkhus wurde bereits im Jahr 2001 im Rheiderland eröffnet. Insgesamt bieten in Niedersachsen inzwischen 57 Betreiber in den kleinen grünen Häuschen neben Milchspezialitäten auch touristische Tipps und Infos zur Landwirtschaft für Besucher an.
Zwar hat ein „Melkhus“ mit Milch zu tun, nicht jedoch mit Melken. Genießen können Besucher in den meisten Hütten Milch-Spezialitäten wie Milchshakes, Milchreis, selbst gemachte Eissorten, Kuchen, heiße Schokolade und Kaffee, aber zum Teil auch deftige Speisen wie Kartoffelsalat oder Spargelcremesuppe.
Es ist ziemlich genau 17 Jahre her, da wurde ihre grüne Holzhütte mit den Maßen vier mal fünf Meter neben dem Haus an der Litteler Straße errichtet – da, wo eigentlich einst mal die Garage stehen sollte. Gunda Döbken war die erste Melkhus-Betreiberin im Landkreis Oldenburg, zuvor hatte es im Bereich Leer schon 2001 eines gegeben. „Der Genehmigungsprozess dauerte lange“, kann sich die Rentnerin noch erinnern. Geschlechtergetrennte Toiletten? Eine Gastro-Küche? Ausschankzeiten? Da gab es einiges zu klären.
Förderung von Leader+
Unterstützt wurde das Projekt letztendlich von der Europäischen Union im Rahmen des Programms „Leader +“. Als alles in trockenen Tüchern war, legte Familie Döbken sofort los. Nebenan betreibt der Sohn den landwirtschaftlichen Betrieb weiter – jedoch ohne Vieh. „Eigene Kühe zu halten, ist zum Glück keine Voraussetzung“, beschreibt Döbken, während sie behände ein „Liv und Seel“ zusammenmixt. „Gutes für Leib und Seele“, bestehend aus Granatapfel-Sirup, Buttermilch und Pfirsichnektar. Verschönert wird das rosa-marmorierte Getränk mit bunten Streuseln. Ja, Gunda Döbken liebt es, ihre Gäste zu verwöhnen.
Alles rund um die Milch
Radler und Wanderer bekommen in den Melkhüsern – die übrigens überall ein bisschen anders heißen, je nach Platt-Art, die gesnackt wird – alles, was im weitesten Sinne mit Milch zu tun hat: eine gute Tasse Kaffee, Torten und Kuchen, Quark- und Sahnespeisen, Eis oder Milchshakes. Alles natürlich selbst gemacht.
Und genau darin sieht Gunda Döbken auch den Grund, weshalb nicht alle Milchraststätten durchgehalten haben. „In unserer Generation haben die Landwirtsfrauen häufig noch Zuhause auf dem Hof mitgeholfen, waren nicht außerhäusig arbeiten. Das hat sich einfach geändert.“ Sie weiß, dass bei jungen Landwirtsfamilien zumeist auch die Frauen andere Berufe ausüben, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Reich werden kann man mit einem Melkhus nämlich nicht. „Es ist ein nettes Zubrot“, sagt Gunda Döbken. „Mehr aber auch nicht.“
Corona-Krise wirkt sich aus
Erschwert hat sich die Situation derzeit durch die Corona-Krise. Erst seit einigen Wochen dürfen die kleinen Milchraststätten wieder öffnen, „und die Menschen sind verhalten, das merke ich eindeutig“, sagt Döbken. Die Einkehrer sollten sich vorher anmelden.
Noch vergleichsweise frisch dabei ist Selma Gramberg aus Hude Neuenwege. Seit Juli 2017 betreibt sie in der Nähe des Tweelbäker Sees ihr Melkhus, gemeinsam mit Mann Thorsten bewirtschaftet sie einen Milchviehbetrieb mit 75 Kühen. „Es macht mir nach wie vor wirklich viel Spaß. Es ist auch ganz gut angenommen worden“, freut sich die gelernte Hotelfachfrau. Auch in Zeiten von Corona haben weiterhin einige Personen den Weg in ihre Milchraststätte gefunden. „Wir sind seit ein paar Wochen wieder am Start und die meisten Menschen schätzen es einfach, dass es an der frischen Luft und der Abstand sowieso vorhanden ist“, sagt Gramberg aus Erfahrung.
