Landkreis - Es war 18.57 Uhr, 48 von 119 Stimmbezirken im Landtags-Wahlkreis 64 Oldenburg-Land waren ausgezählt, als erstmals der rote Balken bei den Erststimmen höher stieg als der schwarze: Je mehr große Wahllokale mit ihren Zahlen zum Gesamtergebnis beitrugen, desto stärker wuchs der Vorsprung von SPD-Kandidat Thore Güldner (Dötlingen) gegenüber seiner CDU-Kontrahentin Nadja Lampe aus Ganderkesee. Am Ende erreichte Güldner 33,05 Prozent der Erststimmen und sicherte damit der SPD in der Nachfolge seines nicht wieder angetretenen Parteifreundes Axel Brammer (Hatten) erneut das Direktmandat im Wahlkreis.
Mit 3,23 Prozentpunkten Vorsprung gewann Thore Güldner das Direktmandat.
„Der Wahlkreis war rot und er bleibt rot“, rief der Wahlsieger, als bei der SPD-Wahlparty im Vereinsheim des Schützenvereins Urneburg das Endergebnis feststand. Da war Mitbewerberin Nadja Lampe schon zum Gratulieren vorbeigekommen – ein Zeichen für den fairen und wertschätzenden Umgang der Kandidaten miteinander.
Bei den Zweitstimmen war der Abstand zwischen SPD und CDU noch deutlich größer.
Lampe kam am Ende auf 29,82 Prozent. Für die Grünen erreichte Dr. Anika Hoffmann aus Bookholzberg mit 17,32 Prozent ein respektables Erststimmenergebnis. AfD-Kandidat Harm Rykena (Ahlhorn) hätte fast zweistellig abgeschnitten, er lag schließlich bei 9,49 Prozent. FDP-Kandidatin Lara-Christin Groen aus Harpstedt blieb mit 4,46 Prozent hinter den Erwartungen – wie ihre Partei insgesamt. Hilke Hochheiden aus Hude (Die Linke) kam auf 2,55 Prozent, der Ganderkeseer Arnold Hansen (Freie Wähler) brachte es auf ordentliche 3,3 Prozent.
Bei den Zweitstimmen war der Abstand zwischen SPD und CDU noch größer. Während die Grünen hier hinter dem Erststimmen-Ergebnis blieben, schnitt die FDP besser ab (siehe Grafik).
Der SPD-Unterbezirksvorsitzende Stephan Bosak bescheinigte Güldner einen „tollen Wahlkampf“, in dem sich besonders die Jusos stark engagiert hätten. Nicht zuletzt deshalb habe die SPD Oldenburg-Land nun einen sehr jungen Abgeordneten in Hannover – Thore Güldner ist gerade mal 26. Seine Kandidatur sei kein Selbstzweck gewesen, sagte Güldner, „ich will etwas bewegen“. Er dankte insbesondere seiner Freundin Anna sowie seinen Eltern und Geschwistern für die Unterstützung.
Güldner und Bosak zollten aber auch Nadja Lampe und der CDU Anerkennung für einen fairen Wahlkampf. Mit dem CDU-Kreisvorsitzenden und Ganderkesees Bürgermeister Ralf Wessel war die unterlegene Kandidatin nach Urneburg gekommen, um Güldner zu gratulieren.
„Für mich geht die Welt nicht unter“, kommentierte Nadja Lampe das Wahlergebnis. Gleichwohl habe sie sich natürlich einen anderen Ausgang gewünscht. CDU-Kreisverbandsvorsitzender Philipp Albrecht sprach bei Lampes Helferparty auf dem Hof Tapken in Almsloh von einem „Abend, an dem die Enttäuschung überwiegt“. Das gelte auch für das landesweite Wahlergebnis der Christdemokraten. Dass Lampes Abstand zu Güldner knapper ausgefallen ist als die Differenz zwischen den Parteien bei den Zweitstimmen, sei ihr Verdienst.
Hochzufrieden war auch Dr. Anika Hoffmann, die für die Grünen antrat. 17,32 Prozent der Erststimmen für eine Grüne hat es im Landkreis zuvor noch nicht gegeben. Die Bookholzbergerin übertraf damit noch den Stimmenanteil ihrer Partei. Als „leicht euphorisch“ bezeichnete AfD-Kandidat Harm Rykena seine Stimmung am Wahlabend. Dass es für ihn so deutlich für den Wiedereinzug in den Landtag reichen würde, hatte der Ahlhorner, der auf Platz neun der AfD-Landesliste platziert war, nach eigenen Angaben nicht erwartet.

