Westerholt - Von weniger Geld auf dem Konto kann jeder Verbraucher und jede Verbraucherin ein Lied singen. Sei es das Brot, der Liter Benzin oder die Monatsmiete: Überall ziehen die Preise an. Die Konsequenzen bekommt auch der landwirtschaftliche Familienbetrieb Oltmann aus Westerholt zu spüren. Rund 140 Milchkühe werden hier versorgt, zusätzlich Jungvieh und Mastbullen, 160 Hektar Land bewirtschaftet Nils Oltmann mit seinen Eltern und Großeltern. Er berichtet davon, was die Preisspirale bedeutet.
Die Futterpreise
„Am meisten trifft es uns beim Futter“, erzählt der 24-Jährige. Konnte man noch vor etwa einem Jahr von 7,5 Cent Kraftfutterkosten pro erzeugtem Kilogramm Milch ausgehen, so sei das heute mit rund 16 Cent mehr als das Doppelte. Habe Roggen vor einigen Jahren mal rund 16 Euro pro 100 Kilo gekostet, so liege der Preis derzeit bei rund 40 Euro für dieselbe Menge. „Im Moment kann man immer nur von Tag zu Tag gucken.“ Planungssicherheit? Fehlanzeige. Und das Kraftfutter ist in diesem Jahr sowieso schon ein Problem. „Wir hatten im vergangenen Jahr keine hohen Qualitäten beim Grundfutter. Die Grassilage, die wir jetzt verfüttern, hatte wenig Protein. Umso mehr Kraftfutter benötigen wir, um die Tiere weiterhin bestmöglich zu versorgen“, geht Oltmann ins Detail.
Er rechnet vor: „Bei jährlich rund 1,4 Millionen Litern erzeugter Milch geben wir mit den momentanen Preisen etwa 120 000 Euro mehr aus – nur für die Fütterung. Das sind 10 000 Euro jeden Monat.“
Dünger und Sprit
Aber damit nicht genug. „Um gutes Grundfutter zu produzieren, müssen die Flächen gedüngt werden.“ Der klassische Grünland-Dünger habe einen „abnormalen Preisanstieg“ hinter sich: Haben 100 Kilogramm davon im Jahr 2021 noch 26 Euro gekostet, so liegen sie jetzt bei 70, zwischenzeitlich bei mehr als 100 Euro. „Einsetzen müssen wir ihn trotzdem, weil wir sonst im kommenden Jahr nicht genug Futter für das Vieh haben“, begründet der Landwirt die Mehrausgaben.
Explodiert sind auch die Preise für Diesel für die Maschinen. Etwa das Doppelte kalkuliert der Betrieb derzeit – für jährlich benötigte 30 000 Liter. „Das ist nur für unsere eigenen Maschinen. Engagieren wir Lohnunternehmen, kommt das noch obendrauf.“
Die Baukosten
„Investitionen werden im Moment gar nicht getätigt, aus Angst, die Kredite mal nicht bedienen zu können. Baukosten sind so immens, dass es keinen Sinn macht.“ Es sei nun mal nicht das Ziel eines Unternehmers, nur so gerade über die Runden zu kommen. Gern würden die Oltmanns neue Ställe bauen und aus den Altgebäuden raus – „aber keine Chance, das ist ein zu hohes Risiko“. Vor rund zehn Jahren habe man bei einem Stallneubau mit etwa 6000 Euro pro Stallplatz kalkuliert – „inzwischen sind das eher 17 000 Euro“, geht Oltmann auf die Fakten ein. Das Problem in seinen Augen: „Wir können die Preise nicht direkt weitergeben. Andere Selbstständige können dem Endkunden die gestiegenen Lohn- und Materialkosten in Rechnung stellen. Wir können aber nicht bei der Molkerei anklopfen und höhere Preise verlangen, weil unser neuer Trecker so teuer war.“
Der Milchpreis
Apropos Milchpreis. Das Wichtigste sei, dass er nicht falle. Bei rund 50 Cent pro Liter liegt der gerade – verglichen mit den Vorjahren nicht schlecht, in Anbetracht der Preissteigerungen aber längst nicht genug. 5 bis 10 Cent mehr würde sich Oltmann wünschen.
Ob er noch Hoffnung auf sinkende Preise hat? Oltmann zuckt mit den Schultern: „Mineralöl ist endlich, die Verfügbarkeit von Kraftfutter wird schlecht bleiben. Ich glaube leider nicht, dass es auf das vorige Niveau zurückgeht. Aber ich lasse mich gern vom Gegenteil überraschen.“
