Wildeshausen - Ein aufgelöstes Kleingartengelände und ein fünfköpfiges Lehrerkollegium: Das fand Dr. Gerhart Mayer vor, als er 1971 aus Göttingen an die Hunte kam, um als neuer Schulleiter das Gymnasium Wildeshausen mit aus der Taufe zu heben. Es gab noch gar kein Schulgebäude und es waren lediglich zwei fünfte und zwei siebte Klassen, mit denen in jenem Sommer der Schulbetrtieb aufgenommen wurde – der sechste Jahrgang fehlte wegen des Kurzschuljahres 1966/67. Der Unterricht fand im ersten Jahr in Räumen der Realschule und der Berufsschule statt, die zunächst auch mit Lehrkräften aushalfen.
Dr. Gerhart Mayer war von 1971 bis 1999 Direktor des Gymnasiums Wildeshausen
Gerhart Mayer, damals gerade mal 34 Jahre alt, begriff die Aufbruchsituation als Chance: So konnte er von Anfang an mitreden und nicht nur in pädagogischer Hinsicht, sondern auch strukturell und baulich Einfluss nehmen beim Aufbau der Schule, die nun – mit einem Jahr Corona-Verspätung – ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Architektonisch allerdings waren seinerzeit die Würfel schon gefallen. Mayer macht ein halbes Jahrhundert später keinen Hehl daraus, dass der Entwurf des Bremer Architekten Harm Haslob bei ihm wenig Begeisterung auslöste. „Daneben war gerade die Realschule gebaut worden, so ein schöner roter Backsteinbau – das hätte ich mir auch für uns vorstellen können.“ Stattdessen entstand ab 1971 in mehreren Bauabschnitten ein recht kühl wirkender massiver Betonbau – jedoch mit großen, breiten Fensterfronten sowie verschiebbaren Innenwänden und weiten Fluren, die nicht nur räumlich Offenheit symbolisieren sollten.
Dr. Gerhart Mayer (85) war von 1971 bis 1999 Direktor des Gymnasiums Wildeshausen. Der gebürtige Berliner hatte nach dem Studium in München zunächst in Göttingen als Lehrer gearbeitet. Mit 34 Jahren übernahm er die Leitung des gerade gegründeten Gymnasiums in der Wittekindstadt und unterrichtete unter anderem Deutsch. Mayer blieb der Stadt auch im Ruhestand verbunden und lebt bis heute mit seiner Frau Dorothea in Wildeshausen.
Zumindest drinnen aber konnte der Schulleiter selber mitgestalten, nachdem der erste Trakt 1972 bezugsfertig war. Die Ausstattung des Gymnasiums sei immer tipp-topp gewesen, sagt Mayer: „Einen Schulträger wie den Landkreis Oldenburg, so fürsorglich und qualitätsbewusst, wünscht sich jeder Schulleiter.“ Das galt auch für die Technik: „Von Anfang an hatte jeder Raum einen Tageslichtprojektor und war komplett verdunkelbar.“ Auch wenn sich das heutige Schülergenerationen nicht mehr vorstellen können – damals war das High-End-Qualität. Auch später war das Gymnasium Wildeshausen führend bei der Integration technischer Entwicklungen – etwa in der Informatik oder beim Einsatz von EDV in der Schulverwaltung.
Permanenter Mangel indes herrschte an der Humboldtstraße – zumindest in den Anfangsjahren – beim pädagogischen Personal: „Die Lehrerversorgung war ein großes Problem“, erinnert sich Gerhart Mayer. Er schrieb Jahr für Jahr die Schulseminare in ganz Deutschland an, um für sein Gymnasium zu werben. „So bekamen wir eine bunte Mischung aus allen Bundesländern“. Selbst Lehrkräfte aus den USA fanden in Wildeshausen eine neue Heimat. Die personelle Lage verbesserte sich aber vor allem, als 1975 das kirchliche Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Ahlhorn schließen musste und viele der dortigen Pädagogen ins Wildeshauser Kollegium wechselten.
Mitte der 70er Jahre hatte das neue Gymnasium sich in mehrfacher Hinsicht konsolidiert. Das Gebäude genügte zunächst den räumlichen Ansprüchen (was sich später wieder änderte, so dass noch ein ganzes Stockwerk obendrauf kam), die Lehrerinnen und Lehrer waren nicht nur zahlenmäßig ein starkes Team und die Schülerzahlen stiegen kontinuierlich. Auch in diesem Punkt war der Schuldirektor lange besorgt: Insbesondere die Oberstufe mit dem Ende der 70er Jahre eingeführten Kurssystem brauchte eine ausreichend große Menge an Absolventen.
„Aber Wildeshausen hat sich gut berappelt“, findet Mayer. Die Aufwertung zur Kreisstadt mit der Ansiedlung weiterer Behörden steigerte Einwohner- und Schülerzahlen. Die zeitweise Auflösung des Gymnasiums in Ahlhorn tat ein Übriges und erst recht die Kreisreform, mit der die Samtgemeinde Harpstedt in den Einzugsbereich des Gymnasiums Wildeshausen fiel. Als Dr. Gerhard Mayer 1999 in den Ruhestand ging, hatte das Gymnasium Wildeshausen rund 900 Schülerinnen und Schüler und aus den fünf Lehrkräften vom Anfang waren fast 100 geworden.
