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Laurentius-Hospiz in Falkenburg Wenn der Beruf auch eine Berufung ist

Falkenburg - Warmes Licht, brennende Kerzen, angenehme Stille: Hier kann man sich wohlfühlen. Das spürt man direkt, wenn man das Laurentius-Hospiz in Falkenburg betritt. Wer eine Krankenhaus-Atmosphäre erwartet, der wird positiv überrascht. „Wir wollen unseren Gästen die Zeit bis zum Sterben so schön wie möglich machen“, bestätigt Carolin Pleis, Leiterin des Hospizes, den Eindruck. Das beginnt schon damit, dass sie „Gäste“ sind – keine Patienten.

Den Tagesablauf bestimmen die Gäste selbst. Einen wichtigen Teil macht im Hospiz aber immer eines aus: Gespräche. Dabei stelle sich manchmal heraus, dass der Gast einen letzten Wunsch hat. Diesen versuchen Pleis und ihre Kollegen zu erfüllen.

Auch komme es häufig vor, dass das Verhältnis zwischen Eheleuten nicht mehr dem eines Ehepaares, sondern dem zwischen Pfleger und Patient entspricht. „Da sind die Pflegekräfte gefragt, um das alte Rollenbild wieder herzustellen“, sagt Pleis. Ein Paar habe zum Beispiel immer gern zusammen gebadet. Die Frau des Gastes wurde dann im Hospiz mit einem gemeinsamen Bad überrascht. „Das sind die Momente, die einem Kraft geben und ermutigen, das zu tun, was man macht“, sagt Pleis.

„Professionelle Nähe“

Bei all dem engen Kontakt ist es, trotz Schulungen zu „Palliativ Care“, nicht immer leicht, die „professionelle Nähe“ zum Gast zu bewahren, sagt Pleis. Man sei aber nie allein: Wenn man merkt, dass man einem Gast zu nahe kommt oder die Situation einem zu nah geht, soll man Kollegen Bescheid sagen. In solchen Momenten kann man sich auch in den „Raum der Stille“ zurückziehen.

Über das Laurentius Hospiz

Das Laurentius-Hospiz in Falkenburg wurde 2012 eröffnet. Träger ist die Mission Lebenshaus.

Das Haus hat acht Gästezimmer, jeweils mit einer eigenen angrenzenden Terrasse. Außerdem gibt es eine Wohnküche und ein Zimmer für die Zugehörigen.

Finanziert wird der Aufenthalt der Gäste zu 95 Prozent über die Kranken- und Pflegekassen, fünf Prozent muss das Hospiz über Spenden selbst erbringen.

Zum Welthospiztag an diesem Samstag bietet die Mission Lebenshaus von 11 bis 12 Uhr eine Online-Veranstaltung an, in der Fragen rund ums Thema Hospiz beantwortet werden. Den Teilnahme-Link gibt es unter:

Um Geschehnisse zu reflektieren, gibt es etwa alle vier Wochen eine Supervision im Laurentius-Hospiz. Dabei besprechen Mitarbeiter im geschützten Raum im Beisein eines Mentors schwierige Situationen und Fälle.

Der Umgang mit der Nähe zum Tod sei aber auch ein Lernprozess. „Ich kann mich noch gut an meinen ersten Toten hier im Hospiz erinnern“, sagt Pleis. Ganz wichtig sei, darüber zu sprechen. Sie lerne durch die Arbeit aber auch für ihr eigenes Leben. „Man ist bedachter auf sich selbst, jetzt als Mutter nochmal mehr“, sagt die 28-Jährige, die gerade aus der Elternzeit zurück ist. „Weil ich nicht weiß, wann und wie es vorbei sein wird.“

Bei all der Nähe zum Tod überwiegt das Schöne an der Arbeit im Hospiz, sagt Carolin Pleis. Um diese auszuüben, müsse man Berufung mitbringen: „Ein inneres Gefühl, das, was man tut, ist das Richtige.“ Wenn man einem Gast nur für einen kurzen Moment die Angst nehmen könne, sei das ein gutes Gefühl.

Um das zu können, müsse man zuerst herausfinden, wovor er Angst hat. Ist es der Sterbeprozess selbst, die Schmerzen dabei? Dort müsse man einhaken und versuchen, eine Lösung zu finden.

Symbol für „letzte Reise“

Wenn schließlich ein Gast im Laurentius-Hospiz stirbt, wird ein „Seemannskoffer“ vor die Tür gestellt, als Symbol für die „letzte Reise“. Es wird eine besondere Atmosphäre geschaffen, im Eingangsbereich ein Buch aufgeschlagen, in das sich der Gast zuvor eingetragen hat. Wenn der Bestatter den Verstorbenen abholt, trägt jemand ein Gedicht oder Zitat vor. Am Glockenturm wird der Verstorbene mit drei mal drei Glockenschlägen „ausgeläutet“. Zuletzt kann ein Zugehöriger das offene Buch zuschlagen – als Abschluss.

Jana Budde
Jana Budde Redaktion Wildeshausen
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