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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Lokalsport

„Das ist einfach eine nette Gruppe“

23.04.2011

HUDE Zwei Worte genügt, dann wird es still. „Chip Choong“, sagt Kim Wilken und geht in den Schneidersitz. Ihrem Beispiel folgen 13 Männer, Frauen und Jugendliche. Die Rücken sind gerade, die Arme liegen seitlich am Körper, die Augen sind geschlossen. Die Gruppe hat sich auf fünf Reihen verteilt. In einer sitzen alle, deren Gürtel, die sie um ihre weißen Jacken geschnürt haben, die gleiche Farbe haben. Sie stehen auf, verbeugen sich.

Der Mehrzweckraum in der Sporthalle Huder Bach am Vielstedter Kirchweg ist mittwochs und freitags der „Dojang“ für bis zu 18 Sportler. Dojang ist, ebenso wie Chip Choong, Koreanisch. Es heißt Trainingsraum. Chip Choong bedeutet „Konzentration“. Es ist das Zeichen, mit dem Trainerin Wilken jede Trainingseinheit der „Oldie-Gruppe“ der Taekwondo-Abteilung des TV Hude eröffnet. Der Kampfsport Taekwondo, eine waffenlose Selbstverteidigung, ist in Korea entstanden.

Ungenaue Bezeichnung

Die Bezeichnungen „Ü-30-Gruppe“ oder sogar „Oldie-Gruppe“ beschreibt die Sportlerinnen und Sportler, die sich zweimal wöchentlich treffen allerdings völlig unzureichend. Zwischen 28 und Ende 40 Jahre sind die Mitglieder der Gruppe alt, an ihrem Training nehmen aber auch jüngere Taekwondoka teil. Oft waren die es, die ihre Eltern für diesen Sport begeisterten. Die Gruppennamen sagen aber etwas über die Idee dahinter aus. Erwachsene Anfänger haben die Möglichkeit, den Kampfsport zu erlernen. „Mein Sohn hat angefangen Taekwondo zu trainieren. Ich habe ihn oft begleitet“, erzählt Kerstin Meyer. „Irgendwann hat mich Kim angesprochen und nicht mehr locker gelassen, bis ich einmal zum Training gegangen bin.“ Sie kam immer wieder.

Ausgleich zur Arbeit

Die Gruppe im TVH war auf Initiative von Kim Wilken entstanden, die den zweiten Meistergrad, den 2. DAN, im Traditionellen Taekwon-Do, besitzt. Auch der Begriff „Späteinsteiger“ trifft für die Personen, deren Übungseinheit gerade begonnen hat, nicht zu. „Ich betreibe schon seit sechs Jahren Kampfsport“, erzählt Charline Lipinsky. Die 14-Jährige trägt einen gelb/grünen Gütel, der anzeigt, dass sie die Prüfung zum 7. Kup bestanden hat. Frank Lipinsky ging es in dieser Zeit ähnlich wie Meyer. Die Begeisterung seiner Tochter wirkte ansteckend. Und: „Ich habe etwas als Ausgleich zur Arbeit gesucht. Dafür ist Taekwondo unheimlich gut geeignet.“ Charline Lipinskiy ist nicht die einzige, die mit ihrem Vater gemeinsam trainiert. Julian Weu ist, als er die Lust am Fußball verlor, auf der Suche nach einer anderen Sportart beim Taekwondo gelandet. „Mein Vater und ich wollten etwas zusammen machen“, erzählt er. „Deshalb habe ich mit Kim gesprochen, ob ich auch in der Ü-30-Gruppe mitmachen kann.“

Im Training dauert es noch, bis Übungen an der Reihe sind, die an fernöstlichen Kampfsport erinnern. Das Aufwärmen steht an. Es wird vorwärts und seitwärts gelaufen, später müssen dabei die Fersen an- oder die Knie hochgezogen werden. Immerhin, zwischendurch verkündet Wilken: „Jetzt die Arme zur Deckung hochnehmen.“ Damit hüpfen die Sportler auf einem Bein durch die Halle. Es folgen Liegestütze, Schubkarren-Lauf – und dann die ersten Tritte ohne Gegner. Ach ja, die Ansagen, die Wilken zu Beginn und zum Abschluss jeder Übung macht, klingen fernöstlich. „Schisack“, sagt sie, wenn es losgeht; „Guman“, wenn die Übung beendet ist. Dehnübungen sind der Abschluss der Aufwärmphase.

Üben für Gürtelprüfung

Anschließend teilt sich die Gruppe. Zwei Taekwondoka holen recht dicke Mappen aus ihren Taschen. Die anderen greifen sich die am Rand liegen „Pratzen“, sehr, sehr große gepolsterte Handschuhe. Dann beginnt das Üben von Schlag- und Tritt-Techniken mit den Pratzen als Ziel. Dabei achten die Sportler darauf, dass sie die Bewegungen koordiniert und im Einklang mit ihrer Atmung ausführen. Je höher der Kenntnisstand der Kampfsportler ist, umso komplexer wird die Bewegung. Wilken fordert Konzentration – „Nicht so viel quatschen, arbeiten“ – und korrigiert ständig. Vor allem die Fußstellung. Oder: „Enger anreißen“, wenn jemand vor dem Tritt das Knie nicht nah genug an die Brust herangezogen hat. Das sieht sie auch, wenn sie gerade in der anderen Hallenecke mit zwei Sportlerinnen eine Kata übt. Diese bereiten sich auf eine Gürtelprüfung vor. Es kommt auf die saubere Ausführung der Technik ohne Kontakt mit dem Gegenüber an. Die Aufgaben stehen in den Schnellheftern.

Tritte gegen dicke Kissen

An der andere Seite werden die Tritte härter. Sie gehen gegen ein 60 Zentimeter dickes und rund einen Meter hohes Kissen, das ein anderer Sportler festhält. Immer wieder korrigiert und lobt Wilken; auch die TVH-Taekwondoka geben einander Hilfestellungen. Immer wieder werden die Tritte wiederholt. „Es macht nichts, dass das Übungen waren, die eher für Einsteiger gedacht sind. Man kann auch die Grundlagen immer verbessern“, sagt Wemke Emkes, die den braunen Gurt für den 1. Kup trägt, die Vorstufe zum Meisterschüler. Dass inzwischen jung und ein wenig älter, erfahrenere und unerfahrene Sportler zusammen üben, stört die Trainerin nicht. „Grundsätzlich ist das Training auf Erwachsene ausgerichtet“, sagt sie. „Es ist aber kein Problem, sich auch auf andere einzustellen. Man versucht sowieso immer allen Schülern gerecht zu werden. Bei zwölf Schülern, sind dies zwölf Ansprüche.“ Das dies zu größeren Aufwand in der Vorbereitung führt, stört Wilken dann auch nicht. Denn: „Das ist einfach eine nette Gruppe.“

Gemeinsam viel Spaß

Es ist kein vorrangiges Ziel, dass die Sportler in Gürtelprüfungen Graduierungen erreichen. Doch wer möchte, der kann. So wie Tanja Humpe und Doris Witte. „Wenn so etwas ansteht, treffen sich die Sportler auch privat, um gemeinsam für die theoretischen Prüfungen zu lernen“, erzählt Wilken. Teakwondo steht aber längst nicht immer im Mittelpunkt, wenn sich die „echten Späteinsteiger“ außerhalb ihres Dojang treffen. So werden oft Ausflüge, wie, zum Beispiel, ein Besuch des Bremer Freimarkts, organisiert. „Wir unternehmen viel gemeinsam und haben großen Spaß“, sagen sie. „Nette Leute sind bei uns übrigens immer willkommen“, betreiben sie schnell noch Mitgliederwerbung. „Sie brauchen keine Vorkenntnisse. So sind wir alle angefangen.“

Zuvor war zum zweiten Mal „Chip Choong“ erklungen. Wieder setzten sich die Sportler in fünf Reihen. Es war eine Zeit lang still. Aufstehen, Verbeugung.

Taekwondo ist ein Kampfsport. Es ist eine waffenlose Selbstverteidigung, die in Korea entstanden ist.

Die wörtliche Übersetzung von Taekwondo ist: Fuß – Faust – Weg. Damit wird der Sport im Grunde beschrieben.

Mit der Fuß- und der Faust werden die verschiedenen Techniken, also Tritte und Schläge, ausgeführt. „Weg“ beschreibt die persönliche Entwicklung, heißt es auf der Internetseite der Deutschen Taekwondo-Union, die der Sportler durchläuft, vom Weißgurt zum Schwarzgurt, vom Schüler zum Meister. Dabei sei das Erlernen auch eine Charakterschule. Geduld, Respekt vor dem Gegenüber, Erkennen der eigenen Schwächen und Stärken und Selbstdisziplin seien Aspekte, mit denen sich der Sportler auseinandersetzen müsse.

Lars Pingel Lokalsport / Redaktion Wildeshausen
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