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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Lokalsport

Vom Tunnel zum Berg

31.08.2019

Nicht selten bin ich bei meinen Gesprächen von meinem Gegenüber überrascht. So war es auch bei Jörg Einemann (49) – und das gleich mehrfach. Sein Großvater Heinrich Einemann hatte in Ganderkesee eine Polsterei, dazu ein Beerdigungsinstitut und ein Taxiunternehmen. Er war in Ganderkesee eine Institution. Die Polsterei wurde dann von seinem Sohn Manfred übernommen und Jörg führt es jetzt in der dritten Generation.

Überraschung Nummer eins war für mich, dass Jörg in Rüdesheim am Rhein geboren wurde und auch seine ersten Lebensjahre in dieser Region verbrachte. „Mein Vater wollte als Polsterer Erfahrung in anderen Betrieben sammeln“, erklärt Jörg. Nach dem Tod von Heinrich Einemann kehrte die Familie nach Ganderkesee zurück und zog wieder ins Elternhaus an der Wittekindstraße ein.

Aus seiner Kinderzeit ist ihm vor allem eine Sache in Erinnerung geblieben: Mit einem Freund kam er auf die wahnwitzige Idee, eine unterirdische Verbindung zwischen ihren Elternhäusern zu schaffen. Der Kumpel wohnte „Im Knick“ und hier nahm in einer unauffälligen Ecke im Garten alles seinen Anfang. Trotz ihres jungen Alters hatten sie an alles gedacht. Sie schaufelten ein Loch von gut 2,50 Metern Tiefe und dann ging es in Richtung Wittekindstraße. Den unterirdischen Gang stützten sie mit Pfählen ab und die freigewordene Erde verteilten sie irgendwo. Die Hälfte des Tunnels hatten sie schon fertig und hätten es womöglich auch ganz geschafft, wenn ihnen der Bau des damaligen Famila-Marktes nicht in die Quere gekommen wäre – darunter mussten sie nämlich hindurch. Die Bauarbeiter entdeckten den Tunnelbau und stoppten ihn umgehend. „Wir mussten alles wieder zuschaufeln“, blickt Jörg Einemann zurück.

Wenn er nicht mit Grabungen beschäftigt war, spielte Jörg Tennis beim GTV. Mit dem Tennisverein nahm er auch viele Jahre am Faschingsumzug teil. Faschingsprinz jedoch wollte er nie werden: „Ich habe bei meinem Vater gesehen, was alles damit verbunden ist. Das ist eher nichts für mich!“

Mit 16 Jahren war Tennis nicht mehr angesagt, stattdessen bastelte Jörg mit großem Eifer an seinem Mofa – natürlich wurde die Maschine schneller gemacht als zugelassen. Als er 18 Jahre alt war, wurde aus dem kleinen Mofa ein Motorrad. Zu gemeinsamen Touren trafen er und seine Freunde sich immer an der Kirchenmauer. Das Motorrad hat er längst verkauft, aber ein Traum bleibt: mit einer Harley Davidson auf der Route 66 quer durch die USA.

Als Jugendlicher hatte Jörg kurzzeitig überlegt, Zweiradmechaniker zu werden. Daraus wurde aber ebenso nichts wie aus seinem Berufswunsch zu Kindertagen: Damals zog es ihn zur Müllabfuhr. „Die Müllabfuhr kam bei uns jeden Montag und ich habe mir gedacht, die arbeiten nur einen Tag in der Woche“, blickt Jörg lächelnd zurück.

Während sein älterer Bruder eine ganz andere berufliche Richtung einschlug, fand Jörg die Arbeit seines Vaters sehr interessant. Nach der Realschule absolvierte er eine Ausbildung zum Raumausstatter mit Fachrichtung Polsterei in einem Delmenhorster Betrieb. Nach der bestandenen Abschlussprüfung sammelte Jörg berufliche Erfahrung in mehreren Firmen.

Nach der Bundeswehrzeit in Delmenhorst ging es in den elterlichen Betrieb. Als Meister und Betriebswirt übernahm er gemeinsam mit seinen Eltern die Verantwortung für das Familienunternehmen. Es wurde angebaut und das Angebot um ein Bettenstudio erweitert. Seine Berufswahl hat Jörg bisher keine Sekunde bereut: „Du siehst von Anfang bis zum Ende, was Du geschaffen hast, das macht einen sehr zufrieden!“

Beruflich lief alles nach Plan, im privaten Bereich hingegen nicht immer. Sein ganzer Stolz aber ist Tochter Amy (14). Dazu kommen seine neue Lebensgefährtin Nadia und deren Sohn – zusammen sind sie ein harmonische Patchworkfamilie.

In seiner Freizeit ist Jörg sportlich unterwegs. Schwimmen, Laufen und Fahrradfahren gehören zu seinen beliebten Aktivitäten nach Feierabend. Mit dem Mountainbike fährt er auch gern im Harz herum. Ein weiteres großes Hobby – und das ist für mich wieder eine Überraschung – ist das Bergsteigen. „Mit unseren Eltern sind wir früher in den Bergregionen immer gern gewandert. Daraus ist bei mir die Leidenschaft zum Bergsteigen geworden“, erzählt Jörg. Der höchste Berg, den er erklommen hat, war immerhin 3500 Meter hoch. Sein Ziel ist es noch, einmal über den Watzmann in den Berchtesgadener Alpen zu laufen – ganz nach dem Motto: „Der Weg zum Gipfel ist wie der Weg zu sich selbst – ein Alleingang“.

Dirk Wieting spricht mit Jörg Einemann, Raumausstatter

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