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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Lokalsport

Mit heißer Nadel bis zuletzt

12.02.2018

Ganderkesee Vor dem ersten Büttenabend liegt Spannung in der Luft. Es ist genau 20.11 Uhr, als das Prinzenpaar, die Ehrendamen und das Kinderprinzenpaar in die Festhalle am Steinacker einmarschieren. In diesem Moment wird das wohl bestgehütete Geheimnis beim Ganderkeseer Fasching gelüftet. Die Augen der Zuschauer sind auf die „Majestäten“ gerichtet. Welche Farbe und welcher Schnitt wurden für die diesjährige Festgarderobe gewählt?

Unter den 750 Gästen ist natürlich auch Anne Warneken, die „Hofschneiderin“ des Faschings. Aufgeregt verfolgt die Elmeloherin den Einmarsch: Sitzt alles korrekt? Wie wirken die Farben im Scheinwerferlicht? Sichtlich gerührt und mit Tränen in den Augen nimmt sie kurz darauf von Prinzessin Julia I. und Prinz Lars I., den vier Ehrendamen und dem Kinderprinzenpaar einen großen Blumenstrauß als Dankeschön entgegen.

Zufrieden ist Anne Warneken auch mit den Auftritten der Weiß-Blauen Funken und der Gruppe „Lolly Pops“, denn auch deren Uniformen und Kostüme wurden von ihr genäht. In diesem Moment löst sich ihre Anspannung, und die stressigen Wochen sind fast vergessen.

Die 77-jährige Anne Warneken ist Schneiderin aus Leidenschaft. Schon als Kind zeichnete sie mit Begeisterung Kleidungsstücke, die sie anschließend selbst anfertigte. Gerne wäre sie Theaterschneiderin geworden, aber damit waren ihre Eltern nicht einverstanden und so machte sie zunächst eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau. Die Leidenschaft zur Schneiderei ließ Anne nie los. Als ihre drei Kinder größer wurden, arbeitete sie einige Jahre halbtags als Schneiderin. 1982 fasste sie den Entschluss, sich als Schneiderin selbstständig zu machen. Ihre Kreativität und ihre Perfektion sprachen sich schnell herum. Selbst die berühmte Musical-Darstellerin Anna Maria Kaufmann ließ sich ein Kostüm von Anne Warneken anfertigen.

Mit dem Ganderkeseer Fasching hatte sie bis dahin nichts zu tun. Das änderte sich 1999, als sie die Uniformen der roten Kindergarde nähen durfte. Danach ging es „Schlag auf Schlag“. Immer mehr Aktive wurden auf die kreative Schneiderin aus Elmeloh aufmerksam. Aufsehen erregte bei den Büttenabenden die Tanzgruppe „Gard’n Angels“ mit ihren gewagten Kostümen. Auch die stammten von Anne Warneken.

Die Faschingssession 2018 sollte aber alles Bisherige in den Schatten stellen. Schon im Herbst hatte sie den Weiß-Blauen Funken zugesagt, ihre neuen Uniformen zu nähen. Auch die Tanzgruppe „Lolly Pops“ hatte Annes Zusage für ihre Bühnenkostüme. Im Oktober war die Schneiderin aber noch mit Näharbeiten für das Niederdeutsche Theater Delmenhorst und für Einrad-Sportler aus Harpstedt beschäftigt. Dann kam im November der Anruf von Julia Ewig und Lars Hüneke. Kurze Zeit später meldete sich auch das neue Kinderprinzenpaar. Und dann kamen noch die Ehrendamen hinzu.

„Eigentlich habe ich schon immer den Wunsch gehabt, mal den kompletten Hofstaat zu schneidern“, gibt Anne zu. Insgesamt 41 Kleidungsstücke und das in wenigen Wochen, das war schon eine Herausforderung der besonderen Art. Um alles rechtzeitig zu schaffen, war für sie oft schon um 4 Uhr die Nacht beendet und um 4.30 Uhr ging es in ihre kleine Nähstube. Erst gegen 20 Uhr stellte sie die Nähmaschine ab.

Um Hund und Haushalt kümmerte sich Ehemann Bernd. Schwierig wurde es, als dieser auch noch erkrankte. Zu allem Überfluss war durch den ständigen Starkregen auch noch ein Keller voll Wasser gelaufen. „Es war keine leichte Zeit, aber ich musste da durch“, erzählt Anne. Selbst am ersten Weihnachtstag und am Silvesterabend war sie in ihrer Nähstube zu finden. Bei jedem Kostüm stimmte sie alles bis ins Detail aufeinander ab. Weit über 20 000 kleine Strasssteinchen klebte Anne Warneken in dieser Zeit, jedes Steinchen hatte seinen genauen Platz.

Vor dem ersten Büttenabend war sie noch bis 17 Uhr mit den Kleidern der Prinzessin und der Ehrendamen beschäftigt. Dann hieß es für Anne: umziehen und ab zum Steinacker. Die wohl anstrengendsten Wochen als Schneiderin waren damit überstanden.

Wie heißt es so schön: Nach dem Fasching ist vor dem Fasching. Für die Session 2019 will Anne noch keine Prognose abgeben: „Warten wir einmal ab.“

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