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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Lokalsport

Vom „Erzfeind“ zum Beifahrer

13.09.2018

Ganderkesee Das stärkste Auto haben sie zweifellos nicht. Doch wenn Uwe Schovanka (58) und Karl-Ernst Meyer (69) an diesem Donnerstag bei der 11. Hamburg-Berlin Klassik über die Startlinie rollen, dann sitzt im Cockpit des camargue-blauen Citroën 2 CV 4 – die einzige „Ente“ im 170 Autos starken Starterfeld – geballte Rallye-Kompetenz.

Eigentlich sind die beiden Ganderkeseer Konkurrenten. Als Uwe Schovanka seinem Sohn erzählte, wer sein neuer Beifahrer ist, rief der: „Was, der Erzfeind?!“ Bislang hatten die beiden bei Oldtimer-Rallyes immer in unterschiedlichen Autos gesessen.

700 Kilometer durch drei Bundesländer

An diesem Donnerstag startet die Nordsee-Tour der 11. Hamburg-Berlin Klassik-Rallye um 13 Uhr am „Schuppen Eins“ in Bremen. 170 Oldtimer und Youngtimer gehen auf die Strecke. Zieleinlauf ist am Samstag, 15. September, ab 15.30 Uhr auf dem Hamburger Fischmarkt.

An drei Tagen geht es durch drei Bundesländer: 700 Kilometer, 16 Wertungsprüfungen und 22 Durchfahrts- und Zeitkontrollen gilt es zu absolvieren. Durch das Oldenburger Land, genauer die Landkreise Oldenburg, Wesermarsch, Ammerland und Friesland, führt die Rallye am Freitag.

Allerlei Prominenz geht bei der Rallye an den Start: unter anderem Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt, Fußball-Legende Pierre Littbarski und Rennfahrerin Ellen Lohr.

Mehr Informationen unter www.hamburg-berlin-klassik.de

Dass die beiden jetzt bei Norddeutschlands größter Oldtimer-Rallye gemeinsame Sache machen, liegt daran, dass Schovanka der Beifahrer abhanden kam. Eigentlich hatte der selbstständige Maschinenbau-Ingenieur mit einem Kunden an seiner Seite fahren wollen, doch der sagte ab. Also fragte er bei Meyer an, der nicht nur als Fahrer, sondern auch als Beifahrer jede Menge Erfahrung und vordere Platzierungen mitbringt.

„Der Beifahrer ist eigentlich wichtiger als der Fahrer“, sagt Uwe Schovanka. Schließlich sei er für die Navigation verantwortlich. „Wenn man sich verfährt, ist das fatal“, weiß auch Meyer, Qualitätsingenieur im Ruhestand. „Mit der Ente würde es in diesem Fall wirklich sportlich.“

90 Kilometer in der Stunde schafft der Citroën, Baujahr 1973. In der Starterfeld-Statistik zur Hamburg-Berlin Klassik taucht das Auto in der Kategorie „Kleinster Hubraum“ auf: Mit 431Kubikzentimetern beträgt der Hubraum der Ente gerade einmal ein Sechzehntel von dem jenes Cadillacs, der die Statistik anführt. 23 PS stark ist der Motor der Ente – immerhin: Das schwächste Auto der Rallye, ein BMW 600, bringt es gerade einmal auf 19 Pferdestärken.

1978 hat Schovanka die Ente für 1800 DM erworben, als 18-Jähriger. Die Lackierung des Autos befindet sich noch im Originalzustand, doch technisch hat es der Ganderkeseer einmal komplett neu zusammengesetzt.

Was ihre Erwartungen für das Wochenende angeht, geben sich Uwe Schovanka und Karl-Ernst Meyer lässig. Trainiert haben sie nicht gemeinsam. „Wir haben vielleicht den Vorteil, dass wir beide unser Handwerk verstehen“, sagt Meyer. „Und Uwe kennt die Ente wie seine Westentasche.“ Schovanka selbst gibt sich bescheiden – verrät dann aber im Nebensatz, dass er bei seinen sechs Teilnahmen an der Hamburg-Berlin Klassik schon einmal Platz elf in der Gesamtwertung belegt hat und im schlechtesten Jahr als 36. ins Ziel rollte.

Auch wenn unterwegs wenig Zeit bleibt, die Landschaft zu genießen: Ein bisschen ist für die beiden Ganderkeseer auch der Weg das Ziel. Schließlich stehen an den Abenden und auch unterwegs immer wieder Treffen mit den anderen Fahrern an, darunter allerlei Promis. Unter anderem bei einer Abendveranstaltung im Bremer Ratskeller und bei einem Frühstück auf Schloss Gödens werden sie Gelegenheit zum Schnack mit anderen Oldtimer-Enthusiasten haben.

Karoline Schulz Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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