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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Lokalsport

Die Sektbar für den Schluss aufgehoben

25.09.2018

Harpstedt /Cloppenburg Museumsdorf-Chefin Dr. Julia Schulte to Bühne konnte sich eine flapsige Bemerkung nicht verkneifen. „Ich finde, es hat etwas von einem Zahnarztbesuch.“ Nur: Was da am Montagvormittag auf dem Harpstedter Koems-Gelände mit beeindruckender Präzision „gezogen“ wurde, waren keine Zähne – sondern tonnenschwere Wände. Mitarbeiter der Firmen Jako Baudenkmalpflege und Hüffermann Krandienst bugsierten die Außenmauern der früheren Kult-Diskothek „Zum Sonnenstein“ auf einen Innenlader der Spedition Max Wild – und ab ging’s in Richtung Museumsdorf Cloppenburg.

„Translozierung“ nennt sich das, was sich in diesen Wochen auf dem Koems-Gelände und später in Cloppenburg abspielt: Die Außenmauern der Ex-Disco waren in den vergangenen Wochen in acht Teile zersägt und transportfähig verpackt worden. Jetzt kamen die ersten drei Stücke – zwei Wandelemente und ein kleines Giebeldreieck – auf den Innenlader. „40 Tonnen“ bringe die Fracht auf die Waage, erklärte Victoria Biesterfeld, die beim Museumsdorf das Projekt „Zum Sonnenstein“ leitet.

Ziel des Innenladers ist der ehemalige Busparkplatz des Museumsdorfs an der Bether Straße. Dort ist das Fundament für den neuen alten „Stein“ bereits gegossen. Biesterfeld: „Die Firma Jako wird zeitgleich mit Anlieferung der ersten Teile mit dem Wiederaufbau beginnen.“ Die Spezialisten aus Baden-Württemberg werden zunächst die Erdgeschosselemente sichern und mit dem Fundament verbinden. Binnen zwei Wochen sollen die Arbeiten für das gesamte Gebäude abgeschlossen sein.

Das erfordert einen strammen Zeitplan für den Transport. Die „schwerste Tour“ hatte das Museumsdorf in die Nacht zu diesem Dienstag gelegt: Der Bistro-Giebel und die darunterliegende, 12,20 Meter breite Wand, Gesamtgewicht 73 Tonnen, bildeten die Ladung. Für diesen Transport wurden eine Polizeibegleitung und – an zwei Stellen –der Abbau von Hindernissen eingeplant.

Für diesen nächtlichen Transport setzten die Cloppenburger eine Fahrzeit von drei Stunden an. Für alle anderen Transporte sind nur eine oder zwei Stunden vorgesehen.

An diesem Dienstagnachmittag soll die zweitletzte Fuhre das Koems-Gelände verlassen. Die letzte wird laut Plan in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch stattfinden – mit der Sektbar und Restmaterial im Gepäck. Die noch stehen gebliebenen Innenwände, so sagte Victoria Biesterfeld, kämen nicht auf den Tieflader: Sie werden abgerissen und entsorgt.

Bevor die Teile wieder zusammengesetzt werden, gelte es, an manch einer Stelle genauer hinzusehen, merkte die Projektleiterin an. Ein Beispiel: In einem Giebel-Balken habe man eine auf dem Kopf stehende Inschrift entdeckt. Zweifelsfrei habe der Balken vor der Verwendung in der Disco einem anderen Zweck gedient. Herauszufinden, welchem Zweck, „das ist ein Fall für unsere bauhistorische Abteilung“.

Beim anstehenden Wiederaufbau in Cloppenburg werde es eine zentrale Herausforderung sein, nicht nur die Wände wieder zusammenzufügen, sondern auch den Charakter der Ex-Disco, also quasi seinen „Geist“, wieder spürbar werden zu lassen, sagte Architekt Hermann Dunkler-Gronwald (Hude).

Klaus-Dieter Westphal, Vorsitzender der Fördergemeinschaft Koems, hofft, dass auf dem Sonnenstein-Grundstück nach dem Einebnen spätestens im Frühjahr mit dem Bau der geplanten offenen Mehrzweckscheune begonnen werden kann. Ziel sei, das Vorhaben bis zum Bürgerschützenfest 2019 fertigzustellen.

Trotz aller Freude, dass jetzt das neue Vorhaben Konturen gewinnen werde, war bei Westphal auch ein wenig Wehmut zu spüren. Schließlich habe er den „Stein“ schon seit November 1967 gekannt. Damals hatte Westphal, dessen Familie in Bremen wohnte, gerade seinen Führerschein gemacht. Sein Vater lieh ihm den Käfer, mit Freunden fuhr er los. Das Ziel: Harpstedt und seine legendäre Disco „Zum Sonnenstein“.


Ein Video zum Abtransport:   www.nwzonline.de/videos/oldenburg-land 
Video

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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