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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Lokalsport

Krafttiere fürs Selbstbewusstsein

09.10.2017

Hespenbusch Es donnerte und blitzte. Die Blätter wirbelten durch die Luft. Und in den aufgeweichten Boden sackten sowohl Menschenfüße als auch Hundepfoten und Pferdehufe ein. Den neun Kindern, die beim „Reitvergnügen im Hespenbusch“ den Kursus „Mädchen Träume – Mädchen Stärken“ mitmachten, war das alles völlig egal, denn sie waren mit Gummistiefeln, Regenhosen und dicken Jacken bewaffnet.

Obwohl: Ganz egal war ihnen das Gewitter nicht. „Oh nein, schnell in die Hütte. Die armen Pferde...“, rief die neunjährige Leonie und rannte los. Im Trockenen angekommen, beruhigte Brigitte Malcharczyk alle: „Die Pferde haben keine Angst. Und hier sind wir sicher.“

Malcharczyk leitet den Reithof seit 2002. Unter dem Titel „Mädchen Träume – Mädchen Stärken“ können jedes Jahr in den Oster- und in den Herbstferien acht bis zehn Kinder zwischen acht und zehn Jahren an dem dreitägigen Kursus teilnehmen.

„Es geht nicht vordergründig ums Reiten, sondern vielmehr um ein Selbstbewusstseinstraining“, so Malcharczyk. Die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Großenkneten, Antje Oltmanns, zeigte sich von der Veranstaltung begeistert. „Seit zehn Jahren begleite ich dieses Projekt. Ich weiß, dass die Kinder unheimlich viel mitnehmen.“ Die Gemeinde stellt das Dorfgemeinschaftshaus für die Theorieeinheiten zur Verfügung. Organisiert wird das Ganze von Beate Pollak vom Jugendamt des Landkreises.

„Wir beginnen morgens im Dorfgemeinschaftshaus. Dort üben wir Befreiungs- und Schlagtechniken für die Selbstverteidigung, singen zusammen und machen Rollenspiele“, erzählte Pollak. Es gehe darum, folgende Fragen für jedes Kind zu klären: Wo sind meine Grenzen? Was will ich und was will ich nicht? Wie kann ich mich wehren?

„Mittags fahren wir nach Hespenbusch, machen eine Mittagspause und beginnen mit der Pferdearbeit“, fügte sie hinzu. In diesen Stunden lernen die Kinder zum Beispiel, die Ponys zu führen, klare Signale zu geben und ihre Ziele durchzusetzen. „Wichtig ist uns, dass die Kinder selbstbestimmt äußern können, was sie möchten – oder auch nicht. Wenn wir Vorschläge für Aktivitäten machen und eins der Kinder daran nicht teilnehmen möchte, ist das völlig okay“, betonte Malcharczyk. Für solche Fälle gebe es einen Rückzugsort, an dem gemalt oder einfach entspannt werden könne.

Zehn Ponys wohnen auf dem Hof des „Reitvergnügens im Hespenbusch“. Die Kinder durften sich in einer Einheit ein „Krafttier“ aussuchen, an das sie immer denken können, wenn sie sich allein fühlen, Energie brauchen oder traurig sind. „Mein Krafttier ist das Pony Mo. Er ist immer bei mir, das merke ich“, sagte die achtjährige Angelina. In jedem Fall fühlten sich die Kinder zwischen den Tieren und mitten im Wald sichtlich wohl: „Wir wollen so gerne noch mal wiederkommen“ hieß es einstimmig.

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