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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Lokalsport

Johann Twietmeyer zum „Kavalier der Lüfte” gewählt

20.10.2015

Zum 49. Fliegerabend im Vielstedter Bauernhaus begrüßte Dr. med. Peter Krupp jetzt rund 50 Piloten und Freunde des Luftsports. Im Mittelpunkt des traditionellen Fliegerabends stand die Verleihung des begehrten Wanderpreises „Kavalier der Lüfte“, der im Jahr 1967 vom legendären Huder Kunstflieger Gerd Achgelis gestiftet wurde.

Auf einem Bauernhof in Delmenhorst, in der Nähe der Focke-Achgelis-Werke, wuchs Johann Twietmeyer auf, der in den 20er und 30er Jahren immer wieder fasziniert beobachtete, wie von diesen Betriebsstätten außergewöhnliche Fluggeräte aufstiegen. Hier erlebte der junge Twietmeyer die Testflüge der ersten Hubschrauber.

Leidenschaft begann früh

Das beeindruckte den jungen Twietmeyer so sehr, dass er im Alter von 14 Jahren eine Ausbildung als Segelflieger begann. „Es war mein damaliger Klassenlehrer, der meine Begeisterung für die Fliegerei entdeckte und diese als aktiver Segelflieger auch förderte“, erinnert sich Johann Twietmeyer.

Somit blieb es nicht aus, dass der junge Twietmeyer schon mit 17 Jahren eingezogen wurde und eine Flugzeugführer-Ausbildung absolvierte. Twietmeyer war am Ende des Krieges in englische Kriegsgefangenschaft geraten und hier musste er aufgrund seiner landwirtschaftlichen Vorkenntnisse in den schottischen Highlands bei einem Farmer arbeiten.

Er gehörte am Ende des Zweiten Weltkrieges zu den wenigen Glücklichen, die ohne schwerwiegende Folgen überlebt hatten.

Nach dem Krieg fand Twietmeyer zunächst nicht wieder ins Cockpit zurück, bis zu einem Tag im Jahre 1999. Der einstige Flieger aus Delmenhorst, derweil im 75. Lebensjahr, lebte seit langer Zeit in seiner neuen Heimat im Ammerland. Dort vernahm er die Nachricht von einem Flugzeugabsturz auf seinem Maisfeld zunächst ungläubig.

Bei näherer Besichtigung der Absturzstelle reckte jedoch ein Segelflugzeug seinen erhobenen Tragflügel über die Sichtlinie der Hecke, und daneben stand Nelly Doden, die Pilotin des Segelflugzeugs aus Bohlenbergerfeld, der beim Heimflug die Thermik ausgegangen war.

Das Gespräch, das sich nun zwischen Nelly Doden und dem inzwischen Ex-Segelflieger und Ex-Jagdflieger entwickelte, brachte ihn wieder zurück in die Welt des Fliegens aus Leidenschaft. Mit Freuden folgte er der Einladung Nellys nach Bohlenbergerfeld und absolvierte als Fluggast das komplette Segelkunstflugprogramm zur Wiedereinführung in die Welt des Segelfliegens. Ganz zum Erstaunen der gesamten Bohlenbergerfelder Fliegerkameradschaft, die nach der Landung ein grünes Gesicht des Fluggastes erwartet hatte. Twietmeyer aber bestellte sich und seinem Kunstflugpiloten zu deren Verblüffung nach seinem ersten Kunstflug nach 55 Jahren erst einmal ein Bier. Ganz bestimmt erzählte er dann aus seiner Zeit als aktiver Flieger und die Bohlenbergerfelder nahmen ihn herzlich in ihrem Kreise auf.

Twietmeyers nächster Weg führte ihn dann zum „Amt“. Seine Scheine, die er dort vorzeigte, seien nicht mehr gültig, stellten die Amtsträger fest und erklärten ihm wohl ein wenig mitleidig, wie man zu einem gültigen Luftfahrerschein gelangen könnte.

Also führte ihn der weitere Weg zur Fliegerärztlichen Untersuchungsstelle, die nichts gegen sein Ansinnen, wieder Flugzeuge zu führen, einzuwenden hatte. Jetzt folgte für ihn zum zweiten Male das, was jeder Flieger gut oder weniger gut in der Erinnerung hat, nämlich die Schulung in allen Fächern und alle Prüfungen bis zum Erwerb des entsprechenden Scheins.

Mit 75 ins Cockpit

Im Alter von 75 Jahren erwarb Twietmeyer noch einmal den Luftfahrerschein für Segelflugzeugführer, und er flog anspruchsvoll bis zu seinem 88. Lebensjahr. Am Ende der fliegerischen Laufbahn als Segelflieger kamen noch einmal über 400 Starts sowie ein beeindruckender Sechs-Stunden-Flug in das Flugbuch des Fliegers Twietmeyer.

Auch heute ist seine Leidenschaft fürs Fliegen nicht erloschen. Für seine Passion wurde Johann Twietmeyer, nun beim Fliegerabend in Hude im 92. Lebensjahr mit der Auszeichnung zum 49. Kavalier der Lüfte geehrt.

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