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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Lokalsport

Wellinger feiert mit „gescheitem Weißbier“

12.02.2018

Pyeongchang Nach dem Flug in den siebten Himmel forderte Tausendsassa Andreas Wellinger postwendend seine verdiente Belohnung. „Jetzt hoffe ich, dass ich schnell irgendwo oa Weißbier herbekomm““, sagte der neue Skisprung-Olympiasieger mit breitem Grinsen: „Aber erst mal muss ich noch bei der Dopingkontrolle einen Becher vollmachen. Hat jemand ein Glaserl Whisky dafür?“

Nachts um halb zwei hatte Wellinger seine Fassung weitgehend wiedergefunden. Eine gute Stunde zuvor hatte er noch heulend wie ein Schlosshund auf dem Boden gekauert, konnte kaum begreifen, was er da in einem schier unglaublichen Wettkampf im eiskalten Pyeongchang geleistet hatte: „Das werde ich wohl erst in einigen Tagen verstehen. Das kriege ich im Moment absolut noch nicht in den Kopf.“

Mit gerade mal 22 Jahren ist Wellinger in Südkorea in den Kreis der ganz Großen aufgestiegen. Olympiasieger von der Normalschanze, von Platz fünf nach dem ersten Durchgang kalt wie eine Hundeschnauze mit Schanzenrekord noch zu Gold gestürmt. Mit sattem Vorsprung auf die Norweger Johann Andre Forfang und Robert Johansson.

„Wahnsinn, Wahnsinn“, stammelte Wellinger, der vier Jahre zuvor schon als Teenager Olympiasieger mit dem Team geworden war. „Aber das fühlt sich anders an als das Gold von Sotschi. Heute ganz allein das zu schaffen, ist was ganz Besonderes“, sagte der Bayer, der im deutschen Team für ein emotionales Feuerwerk sorgte.

Während Bundestrainer Werner Schuster über die Bande hüpfte und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier um den Hals fiel, während seine mit Platz acht und neun leicht unter Wert geschlagenen Kumpel Markus Eisenbichler und Richard Freitag ihren „Welle“ lautstark feierten, schritt dieser wie in Trance zur Siegerehrung. Immer wieder schloss er dabei seine feuchten Augen, als wolle er sich vergewissern, dass das alles kein Traum ist. Gold! Wirklich Gold! Als erster deutscher Skispringer seit Jens Weißflog 1994! Als erst vierter nach zuvor Helmut Recknagel (1960) und Hans-Georg Aschenbach (1976 für die DDR)! „Mein Handy explodiert, als erstes werde ich meine Lieben anrufen. Und dann freue ich mich auf ein gescheites Weißbier und morgen auf die Medaille“, sagte Wellinger. Denn auf dem obersten Siegerpodest gab es weit nach Mitternacht zunächst nur das Stoff-Maskottchen Soohorang, auch Zuschauer waren zur späten Stunde kaum noch da.

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