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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Lokalsport

„Schade“ wird zum Wort des Tages

13.09.2010

SANDKRUG Hätte es am späten Sonnabendabend auf der Tribüne der Halle an der Schultredde unter den Anhängern der TSG Hatten-Sandkrug eine Abstimmung über das Wort des Tages gegeben, das Ergebnis wäre wohl ziemlich eindeutig ausgefallen. Die Wahl wäre auf „schade“ gefallen. Der Handball-Drittligist hatte in seiner Saison- und Spielklassen-Premiere gegen den OHV Aurich eine starke Vorstellung abgeliefert, die allerdings nicht belohnt wurde. Nach einer spannenden, umkämpften und fairen Partie feierten die Gäste mit ihren vielen Fans einen 28:26 (12:15)-Erfolg, während das natürlich enttäuschte TSG-Team von seinen Anhängern ebenfalls kräftigen Applaus erhielt. Dem schloss sich Trainer Henning Sohl an. „Ich muss den Jungs ein Kompliment machen“, sagte er. „Sie müssen die Köpfe nicht hängen lassen. Sie sind in der Liga angekommen. Wir hatten eine volle Halle, gute Stimmung. Ich finde, wir haben ein tolles Spiel gesehen.“

Starke 6:0-Abwehr

Seine Mannschaft agierte mit einer 6:0-Abwehr, in der zunächst Boris Bruns auf der linken Seite auf den erstligaerfahrenen Dusko Bilanovic traf und Derk Marien sowie Björn Schilke den Mittelblock bildeten. Nachdem Bruns im Angriff einen Schlag ins Gesicht bekommen hatte (8.), übernahm Till Schinnerer seinen Part. Glänzend unterstützt von ihren ebenso engagiert auftretenden Mitspielern bildeten die drei das Herzstück einer TSG-Abwehr, die die Gäste, die sich als Tabellenfünfter der Regionalliga Nord für die 3. Liga qualifiziert hatten, phasenweise ratlos machte. Dazu kam, dass die Sandkruger mit glänzender Einstellung nach Ballverlusten so schnell zurück in der Defensive waren, dass sie einige Angriffe der Auricher noch im Entstehen beendeten. Und kamen die OHV-Spieler doch zum Wurf, scheiterten sie oft am starken TSG-Torwart Christoph Kuper.

Einsatzfreudig, aber durchaus überlegt trat die TSG im Angriff auf. Dort ragte zunächst Derk Marien heraus. Der Zugang warf vier der ersten sechs TSG-Tore. Der Treffer zum 6:4 (11.) bewies, dass die Sandkruger auch spielerisch mehr als mithielten – und dass sie Mut hatten. Sie schlossen den Angriff mit einem Kempa ab: Marien nahm den Ball nach einem Pass von Mirko Menkens im Sprung an und warf ihn ins Netz. Fortan lag die TSG immer mit drei bis fünf Toren (12:7, 24.) vorn und ging völlig zu Recht mit einer 15:12-Führung in die Pause. „Ich gebe zu, dass die erste Halbzeit für mich nach einer Vorbereitung, die katastrophal verlaufen war, überraschend war“, gab Sohl zu.

Bruch im Spiel

Der TSG-Trainer bedauerte aber, dass es nach der Pause einen kleinen Bruch im Spiel seines Teams gab. „Wenn wir den OHV etwas länger in Schach gehalten hätten, wäre er als Favorit sicher nervös geworden.“ Doch die TSG startete mit einem vergebenen Siebenmeter in die zweiten 30 Minuten und bekam mit der offensiver agierenden 6:0-Abwehr des OHV Probleme. Die griff dreimal in Folge den Ball ab – sechs Minuten nach Wiederanpfiff lagen die Gäste mit 16:15 vorn. Entmutigt war die TSG aber nicht. Sie leistete in wechselnden Besetzungen weiter sehr gute Abwehrarbeit. So bildeten auch die jungen Akteure Menkens und Schinnerer einen starken Mittelblock, auch Bruns kehrte zurück. Trotzdem, der kurze Zwischenspurt hatte den Gästen das Selbstbewusstsein zurückgegeben. Angeführt von Henning Padeken setzten sie sich vom 21:21 (48.) bis auf 22:26 (54.) ab. Sie profitierten auch von ein, zwei überhasteten Würfen der TSG, die sich zudem – schon in Unterzahl – eine weitere Zeitstrafe einfing, als Fabian Knieling den Ball nach Ansicht der Schiedsrichter nach einem Pfiff nicht regelgerecht ablegte.

TSG gibt nicht auf

Besiegt war die TSG aber immer noch nicht. Sohl baute seine Abwehr um, wechselte Spezialisten für eine ganz offensive Abwehr ein, in der drei Spieler die Rückraumakteure des OHV in Manndeckung nahmen. Das brachte die Auricher in gewaltige Schwierigkeiten, sie verloren einige Bälle. Da sich ihr Torwart Patrick Anders in den letzten zehn Minuten aber deutlich steigerte, nahmen sie doch beide Punkte mit auf die Heimfahrt.

Kuper, Steffens (1 Siebenmeter) – Smarsli 7, Rabe 1, Marien 10/1, Knieling 1/1, Kirschen, Stein, Schilke 2, Menkens 1, Schinnerer 2, Bruns, Mitschke 2.

OHV Aurich: Anders, Meyer (n. e.) – Oldewurtel 1, Kress 3, Seidler, Janssen 3, Arndt, Padeken 9/3, Ladwig 1, Bilanovic 5/4, de Buhr 4, Arends 2.

Schiedsrichter: N. Seigelt, G. Seigelt (Gütersloh).

Siebenmeter: TSG 5/2, OHV 9/7.

Zeitstrafen: TSG 3, OHV 6.

Rote Karte: Padeken (60., 3. Zeitstrafe)

Eric Hettmann (Trainer OHV Aurich): „Wir wussten vorher, dass es für unsere Mannschaft schwer wird, weil sie es mit einem Aufsteiger zu tun bekommt, der die Euphorie mitnimmt, und weil wir in einer kleinen, vollen Halle antreten. Doch man kann ja manchmal warnen, wie man will. Es war ein enges Spiel, obwohl es Mitte der ersten Halbzeit nicht danach aussah. Ein Kompliment an die Mannschaft, die es nach einer sehr deutlichen Halbzeitansprache geschafft hat, sich zu steigern. Vor der Pause haben wir es uns selbst schwer gemacht, weil wir unsere 100-prozentigen Chancen nicht genutzt haben. Das war in der zweiten Halbzeit besser. Wir haben die Partie am Ende durch unsere Hektik spannend gemacht. Mit der Vier-Tore-Führung hätten wir sie eigentlich ruhig zu Ende spielen müssen. Das zeigt aber auch eine Qualität der Sandkruger Mannschaft: Sie gibt sich nicht auf. Ich bin mir sicher, dass sie gerade zu Hause noch für viele Überraschungen sorgen wird. Wir sind sehr glücklich, dass wir hier gewonnen haben.“

Henning Sohl (Trainer TSG Hatten-Sandkrug): Für mich gab es zwei Knackpunkte. Der eine war die Phase nach der Pause, in der wir vier Tore kriegen. Der zweite, dass die Linie der Schiedsrichter ab der 50. Minute für mich fragwürdig war. Vier Entscheidungen haben mir nicht gefallen haben. Ich werde mir das Spiel noch einmal auf Video anschauen, und ich hoffe, dass das die Schiedsrichter auch machen.

Lars Pingel Lokalsport / Redaktion Wildeshausen
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