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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Lokalsport

Golfprofi in England? Nö – lieber Golflehrer in Hude!

21.02.2015

Hude „Well, I’ll do my very best“: Über „Dinner for one“ ist Mark Roughsedge gleich bei seinem ersten Silvester in der neuen Heimat gestolpert. Bekannt war dem Engländer das englischsprachige Bühnenstück bis dato nicht. „Das gibt’s nur in Deutschland“, sagt er. Genau wie Grünkohl. Oder fluchende Kinder.

Profi bleibt am Ball

Manchen Kraftausdruck sagen die Sprösslinge in seiner Heimat nicht so laut. Erst recht nicht beim Golfen. Aber das treibt ihnen der 43-Jährige ohnehin aus: Seit 2001 lehrt er auf dem Huder Golfplatz stilsichere Schlagfertigkeit.

Darin ist Mark Roughsedge Profi: In Großbritannien hat er jede Woche bei großen Golfturnieren sein Können bewiesen. „Aber ich war nicht gut genug“, sagt er. Irgendwann habe er sich eingestehen müssen, nicht das Zeug zu einem Tiger Woods zu haben.

Weil das Spiel für ihn aber längst nicht vorbei war, ist er Golflehrer geworden. Erst im heimatlichen Warrington, im Nordwesten Englands – später in Hude. Gehört hatte er von dem Klosterort bis dato ebenso viel, wie von Miss Sophies 90. Geburtstag – nämlich gar nichts. Sein Deutschvokabular beschränkte sich damals auf „ja-nein-bitte“.

Eingeladen hatte ihn ein Huder Kollege, der gerade in dem britischen Golfclub Station machte. „Why not?“, hatte sich Mark Roughsedge gesagt, der sich immer gern an die Deutschland-Urlaube aus Kindertagen erinnerte.

Aus der geplanten Shortstory im Ausland wurde eine große Liebesgeschichte. Nach zwei Jahren Pendeln zwischen Warrington und Hude hat sich der Engländer schließlich für Deutschland – und eine Frau entschieden. Inzwischen gibt es zwei Kinder. Sie haben Halbgeschwister in Großbritannien: „Meine beiden Älteren vermisse ich schon“, sagt Roughsedge. In den Sommerferien besucht er seine Erstgeborenen. Aber auch die Pubs, in denen sich am Sonnabendmittag immer sportbegeisterte Engländer treffen und gemeinsam vor dem Fernseher ihre Lieblingsmannschaft anfeuern. Mark Roughsedges Herz schlägt natürlich in erster Linie fürs Golfen.

Sternstunden in Hude

Verschossen hat er sich in das Spiel als Zwölfjähriger: „Ein Freund hat mich mitgenommen – und ganz schnell ist der Golfplatz mein zweites Zuhause geworden“, sagt er und erzählt von der Zeit mit 17, als er den lieben langen Tag über gegolft und nachts im Versandservice gejobbt hat. Auch als Caddie hat er sein Geld verdient – und schließlich was Anständiges gelernt: Golflehrer. Zu der dreijährigen Ausbildung gehören neben Geschichte, Spielregeln, Materialkunde und Sportwissenschaften auch kaufmännische Grundlagen. Nicht zu vergessen der Dresscode auf dem Platz: „Polohemd und keine Jeans.“ Mark Roughsedge tippt sich an die Nase: „Ein Schnösel-Sport ist das trotzdem nicht oder bloß was für Reiche.“ Hier in Hude könne sowieso jeder spielen – ob mit oder ohne Polohemd, Mitgliedschaft oder pralles Bankkonto. „Nur ein bisschen Talent gehört dazu. Und viel Geduld“, sagt er. Als Trainer muss er die vor allem bei den Schnupperkursen aufbringen – und manchmal bei den Kids. An ihr Fluchen hat er sich mittlerweile gewöhnt.

Lieben gelernt hat der Brite den Klosterort vor allem wegen seiner Sternstunden: „Eines Abends war ich mit meiner Freundin auf dem Nachhauseweg vom Restaurant. In den meisten Wohnungen brannte kein Licht mehr – alles war dunkel. Ich hab’ in den Himmel geguckt und konnte die Sterne sehen. In England ist mir das nie passiert. Das war toll“, sagt er.

Spielend glücklich

Auch gelegentliche Reisen in die Golfparadiese dieser Welt bringen Mark Roughsedge nicht von seinem Weg ab. „Ich bleib’ hier in Hude – wo jeder, der will, Golf spielen kann“, sagt er. Nach dem deutsch-britischen Motto: „Well, I’ll do my very best.“

Lea Bernsmann
Redakteurin
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2106

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