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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Lokalsport

Rollentausch: Gegen die Kälte hilft nur Warmarbeiten

01.03.2018

Streekermoor /Kirchhatten Minus 10,5 Grad Celsius. Als mein Blick während der Autofahrt zum Bauhof in Kirchhatten auf die Temperaturanzeige fällt, fange ich unwillkürlich zu frösteln an. Um 6.30 Uhr bin ich sonst noch nicht unterwegs, doch viel wärmer wird es heute wohl nicht werden, schwant mir.

Pünktlich um 7 Uhr beginnt die kurze Dienstbesprechung. Bauhofleiter Hergen Schütte teilt seine heute zur Verfügung stehenden acht Mitarbeiter ein. Während die eine Gruppe in Sandkrug Gehölz und Sträucher zurückschneiden soll, werde ich drei Kollegen nach Streekermoor begleiten. Ganz in der Nähe der A 29 sollen an der Streeker Trift zwei Bäume gefällt werden: eine Eiche, die seit dem letzten Sturm schon angeschlagen ist sowie eine abgestorbene Birke.

Thomas Schröder, Matthias Freese und Bernd Menke schärfen noch rasch ihre Motorsägen, denn auf die wird es heute besonders ankommen. – und dann geht es auch schon los. An der Streeker Trift stehen wir aber doch noch ein paar Minuten und warten. Der alte Radlader, der mit einer Kette die fallenden Bäume von der Straße fernhalten soll, schafft nur noch knapp 20 km/h.

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Vier Tonnen fallen lautlos

Während des Wartens kriecht langsam die Kälte durch die Arbeitsjacke, zwei Pullover und Skiunterwäsche, das spüre ich. Nicht nur ich bin froh, als der Nachzügler uns erreicht. Dann geht alles erstaunlich schnell. Zuerst ist die Eiche dran. Kaum ist sie angekettet, sägt ein Bauhofmitarbeiter einen Keil aus dem Stamm und durchtrennt danach die etwa 80 Zentimeter durchmessende Scheibe. Vier Tonnen fallen fast lautlos auf einen Acker. Unüberhörbar jaulen dagegen die drei Motorsägen, mit denen der 16 Meter lange Baum in handliche Teile zerlegt wird.

Endlich bietet sich auch für mich die Gelegenheit, anzupacken. Dünne Äste werden zur Seite gezogen, um später gehäckselt zu werden; die dickeren Stücke heben wir vom Boden auf und werfen sie in die Schaufel des Radladers. Nach einer Weile sind zumindest die Beine nicht mehr ganz so kalt. 35 Minuten, länger dauert es nicht, bis nur noch der Baumstumpf auf der Berme an die Eiche erinnert. Noch etwas schneller ist der abgestorbene und innen teilweise hohle Birkenstamm gefällt und zerstückelt.

Für das Holz gibt es reichlich Interessenten. „Das liefern wir direkt an Haushalte“, erzählt Bernd Menke. Auf einer entsprechenden Liste des Bauhofs stehen zurzeit über 100 Haushalte. Maximal drei Raummeter gibt es. Der Preis: 35 Euro plus Mehrwertsteuer je Raummeter. Die geschredderten Äste landen später im Jahr auf öffentlichen Beeten oder in einer Biogasanlage.

Arbeit beginnt um 4 Uhr

Am nächsten Einsatzort, Ecke Fuchsweg/Im Rehwinkel fällen wir eine 27 Jahre alte Linde. Die ist zwar völlig gesund, steht aber direkt auf einer Wasserleitung des OOWV und droht, die Rohre zu beschädigen. Was mir auffällt: Wo immer wir auftauchen, überall schauen die Menschen genau hin. Der ein oder andere Anwohner fragt auch nach, was hier passiert.

Dann ist endlich Frühstückspause. Gut, dass die Transporter des Bauhofs Standheizung haben, finde nicht nur ich. „Das ist heute wirklich verdammt schattig“, sagt Matthias Freese und greift sich an seine beiden Ohrringe aus Metall. Seit drei Jahren arbeitet der gelernte Landschaftsgärtner im Bauhofteam. Schon alte Hasen sind dagegen Thomas Schröder und Hergen Schütte. Für beide war die Nacht zu Mittwoch schon um 4 Uhr zu Ende. „Nach dem Schneefall gestern haben wir eigentlich damit gerechnet, auch Winterdienst leisten zu müssen“, erzählt Schütte.

Bauhof in Zahlen

Fahrzeuge: Unimog (1), Trecker (1), Radlader (1), Schmalspurfahrzeuge für Radwege (2), Transportfahrzeuge (3), Pkw für Kontrollfahrten (1)

Mitarbeiter: Zwölf Männer inklusive Bauhofleiter Hergen Schütte, zusätzlich eine 450-Euro-Kraft für die Reinigung der Haltestellen und Mülleimer

Gemeindestraßen: etwa 300 km Strecke mit 3000 zu reinigenden Gullys

Standorte: Drei – neben der Feuerwehr Kirchhatten, am Hatter Weg (Materiallager) und Wöschenweg (Schotterplatz)

Der Dingsteder prüft jeden Morgen um 4 Uhr die Straßenlage. Ist es glatt oder liegt Schnee, klingelt er auch seine Mitarbeiter aus den Betten. Um fünf Uhr früh beginnt dann das Räumen und Streuen der gemeindeeigenen Fuß- und Radwege sowie der Hauptstraßen. An den Wochenenden ist zumindest das halbe Team in Bereitschaft.

„Wir haben das ganze Jahr über keine Langeweile“, betont der Bauhofleiter. Die Eingangsbereiche aller Kitas und Grundschulen ohne Hausmeister müssen gereinigt, Gräben und Bermen ausgebaggert bzw. zurückgeschnitten sowie kleinere Straßenschäden mit Schotter und Teer ausgebessert werden. Auch für die 38 Spielplätze der Gemeinde ist er mit seinen Männern zuständig.

Thermoskannen werden weggestellt, Butterbrotdosen landen wieder in den Taschen. Die Frühstückspause ist offensichtlich zu Ende. 11.30 Uhr und minus 7,5 Grad Celsius. Ich bin froh, dass für mich jetzt schon Schluss ist. Hergen Schütte und seine Männer müssen noch bis 16 Uhr der Kälte trotzen.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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