• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Lokalsport

Hauptsache irgendwie ins Ziel

06.12.2018

Wardenburg /New York Jochen Heutling läuft bereits seit zehn Jahren drei- bis sechsmal die Woche – aber nicht im Verein und in keiner Laufgruppe. Mehr so für sich, für die eigene körperliche Fitness und als Ausgleich für seinen Job als Außendienstmitarbeiter. Selten nimmt er an Laufwettbewerben teil. „Beim Wardenburger Sommerlauf war ich ein paar Mal dabei und bin erst die Zehn-Kilometer- und dann die Halbmarathon-Strecke gelaufen“, erzählt der Wardenburger. Das genügte ihm voll und ganz.

Wenn es einmal ein Marathon über 42,195 Kilometer sein sollte, dann musste es schon ein Besonderer sein. „Jahrelang habe ich Freunden und Bekannten – mehr so im Spaß – gesagt: Wenn ich 50 werde, laufe ich beim New-York-Marathon mit“, erzählt Jochen Heutling. Als der runde Geburtstag nicht mehr weit war, las der gebürtige Heidelberger im Internet etwas über dieses große Sportevent, und erinnerte sich an seinen oftmals angekündigten Wunsch. Und plötzlich war der sportliche Ehrgeiz geweckt.

Kurz vorm Massenstart auf Verrazano-Narrows-Bridge in Staten Island machte der Wardenburger Jochen Heutling ein Selfie. BILD: Marathon-Foto/privat

Anspruchsvolle Strecke

Der Marathon von New York City (NYC) gehört zu den berühmtesten und beliebtesten Marathonläufen der Welt. Teilnehmer loben immer wieder die besondere Stimmung. Für Bestzeiten ist die Strecke allerdings eher ungeeignet. Sie gilt als anspruchsvoll. Wer in New York läuft, will die Atmosphäre aufsaugen. Der Lauf findet an jedem ersten Sonntag im November statt.

Den Streckenrekord beim NYC-Marathon hält bei den Männern seit 2011 mit 2:05:05 h Geoffrey Kiprono Mutai aus Kenia, bei den Frauen ist es seit 2003 mit einer Zeit von 2:22:31 h die Kenianerin Margaret Okayo. In diesem Jahr brauchte der schnellste Läufer 2:05:59 Stunden.

Seit 1970 findet der NYC- Marathon statt. Die heutige Strecke wird seit 1976 gelaufen, vorher verlief sie in vier Runden durch den Central Park.

Heutling fackelte nicht lange, kaufte im November 2017 über einen Reiseveranstalter eine Starter-Lizenz samt Flug und Hotel für zwei Personen – schließlich sollte ihn Ehefrau Petra als Streckenmotivator unterstützen. Über das jährliche Losverfahren an eine Starter-Lizenz zu kommen, war dem zweifachen Vater zu riskant. „Wenn mein Los da nicht gezogen worden wäre, hätte ich das mit dem Marathon zu meinem 50. vergessen können.“

Drei bis vier Monate vor dem Start sollte das intensive Training beginnen. Doch es kam anders: „Im Mai entzündete sich eine der Sehnen, die vom Fuß bis zum Steißbein verläuft, und ich musste vier Wochen pausieren. Erst Mitte Juli konnte ich mit dem Training wieder anfangen, und das auch nur unter Schmerzen“, erinnert sich Heutling. Sein Arzt habe ihm geraten, alles abzusagen. „Aber es war ja schon alles gebucht. Ich wollte mitmachen – irgendwie durchs Ziel kommen.“

Bis zum Startschuss im November war die Entzündung immer noch nicht auskuriert. Doch das Glücksgefühl mit der Startnummer 38 139 einer von 52 704 Läufern zu sein, die bei ungewöhnlich warmen Novemberwetter eine der beeindruckendsten Metropolen der Welt durchlaufen dürfen, ließ den Schmerz vergessen. „Die 42 Kilometer läuft man wie auf einem Jahrmarkt mit über zwei Millionen Menschen an der Strecke, die einem zujubeln.“ „Keep Going, Jochen“ (Mach weiter, Jochen), schallte es dem 50-jährigen Wardenburger, der seinen Vornamen auf dem Trikot trug, immer wieder entgegen. Auch Ehefrau Petra feuerte ihren Mann kräftig vom Straßenrand aus an.

Zwar habe er nach Kilometer 34 kurzzeitig gedacht, er könne nicht mehr, „aber dann fängt man an zu rechnen und kommt zum Schluss: Aufgeben kommt nicht mehr in Frage. Entweder ich komme auf allen Vieren durchs Ziel oder ich werde im Krankenwagen weggebracht“. Als Lohn erkämpfte sich Jochen Heutling einen achtbaren Platz: Nach 3:50:15 Stunden lief er als 10 643. durchs Ziel im Central Park. Das war der 8275. Platz bei den Männern und der 875. in seiner Altersgruppe M 50.

„Ich habe mich selbst überrascht“, gesteht der gelernte Tischler. Dennoch wird das New-York-Abenteuer wahrscheinlich sein erstes und letztes Marathon-Erlebnis bleiben, denn: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwas gibt, was das Ganze noch toppen kann.“

Marén Bettmann
Wardenburg
Redaktion Wardenburg
Tel:
04407 9988 2730

Weitere Nachrichten:

Wardenburger Sommerlauf | Jahrmarkt

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.