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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Lokalsport

Papagoy liegt unterm Kopfkissen

22.05.2018

Wildeshausen Heinz Becker aus Wildeshausen ist ein echter Gildefan – und ein geschichtsbewusster Mensch. „Vor 50 Jahren bin ich in die Gilde eingetreten, vor 44 Jahren bin ich König geworden“, listet der gebürtige Zwischenbrücker stolz auf. Die Anzugjacke mit den entsprechenden Orden trägt er voller Stolz.

Alte Andenken

Doch was seien schon 50 Jahre Mitgliedschaft und 44 Jahre Königsthron in Anbetracht von 615 Jahre Gilde, wiegelt der Jubilar ab. Einige Schätze aus dieser langen Gildezeit hütet er in seinem Privatbesitz: Da ist zum Beispiel die Mitgliedskarte Nr. 102 seines 1881 geborenen Opas Hermann Becker. Heinz Beckers eigener Mitgliedsausweis von 1968 trägt immerhin schon die Nummer 1506. Inzwischen hat die Gilde weit über 3000 Mitglieder.

Auch die ersten Statuten von 1955 hat Becker griffbereit. „Die hat damals im Nachklang der 550-Jahr-Feier Hermann Petermann, der im Rückblick wichtigste Mann für die Gilde der Neuzeit, erstmals präzise formuliert“, erläutert Becker. Auch die Festschrift aus dem Jubiläumsjahr 1953 sowie die Dönkes-Sammlung „Wilshuser Schrot un Korn“, von den Offizieren um Bernd Iken 1966 geschrieben, fehlen nicht in seinem kleinen Archiv.

In die Gilde eingetreten ist Becker 1968 im Alter von 19 Jahren – zwei Jahre später als möglich. „Das war der Tatsache geschuldet, dass ich Pfingsten immer bei meinem Onkel Karl Kern, dem Festwirt, gearbeitet und so lieber Geld verdient als ausgegeben habe“, erzählt er.

Als nach Ende seiner Lehre als Werkzeugmacher und der Meisterprüfung das nötige Kleingeld und mit seiner Verlobten Karin auch eine repräsentative Königin da war, fasste Becker zu Ostern 1974 – ganz für sich geheim – den Beschluss, beim Königsschießen anzutreten. 14 Bewerber schossen damals in zwei Gruppen um die Wette – und Becker landete den Siegestreffer. Die Freude war riesig – ebenso wie das Entsetzen am Morgen danach, als Becker bemerkte, dass er im Eifer des Gefechts den Königsorden verloren hatte. „Ich war schon auf dem Weg zum Juwelier, als mir Oskar Kröger entgegen kam, der das gute Stück gefunden hatte“, ist der Jubilar noch heute erleichtert.

Nie verloren

Nie verloren gegangen ist ihm hingegen der Papagoy, den er 1974 souverän abschloss. Der liegt seit damals unter dem Kopfteil von Beckers Bett: „Da schlafe ich jede Nacht drauf“, grinst der rüstige 69-Jährige schelmisch.

Ein „anderes Feiern“ sei das in früheren Jahrzehnten gewesen, erinnert er sich. „Die Stadt ist inzwischen mehr als doppelt so groß, und das Fest passt sich der Zeit an“, sinniert der Jubilar.

Für das wichtigstes Organ der Gilde hält er demgemäß den Zukunftsausschuss: „Hier wünsche ich mir noch mehr jüngere Leute mit ihren frischen Ideen.“ Auch die Größe der Kompanien hält Becker für überdenkenswert. „Ich würde mehr Kompanien aufstellen und die Zahl der jeweiligen Mitglieder auf 300 bis 400 begrenzen“, meint er. Auch die Bewirtung habe inzwischen für die Fähnriche eine Größenordnung angenommen, die eigentlich nur professionell zu leisten sei.

Viele Ideen

An Ideen mangelte es Becker übrigens noch nie. So überlegte er es sich vor etlichen Jahren zum Beispiel zusammen mit seinem „Vorbild in jeder Hinsicht“ Hermann Schröder, am Pfingstdienstag die Senioren der Gilde, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, mit dem Kremser zum Krandel und zurück zu fahren. Dieser Service hat sich längst etabliert, auch wenn Becker inzwischen nicht mehr selbst den Trecker fährt.

Er selbst ist übrigens noch sehr gut zu Fuß und freut sich alljährlich auf den Ausmarsch am Pfingstdienstag, den er nur einmal 1991, als er gesundheitlich nicht so auf der Höhe war, versäumt hat. „Inzwischen gehe ich schon in der ersten Reihe der Königskompanie, die aktuell 45 Mitglieder hat“, erzählt er voller Begeisterung.

Da macht es auch nichts, dass Sohn Roman und Schwiegersohn Marc zumindest derzeit kein Interesse zeigen, in Beckers Fußstapfen als König zu treten. Wer weiß, was die Zeit noch bringt. Schließlich sind da ja auch noch die fünf Enkelkinder...

Uta-Maria Kramer Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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