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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Lokalsport

Selbstversuch Auf Der Hunte In Wildeshausen: Redakteurin nimmt das Ruder selbst in die Hand

01.08.2019

Wildeshausen Rudern kann ich. Vorausgesetzt, ich sitze auf trockenem Boden und aus den Musikboxen ertönt Achim Reichels bekanntes Ruderlied „Aloha Heja He“, das gerne mal zu später Stunde auf Feten gespielt wird. Wie aber sieht es mit richtigem Rudern auf der Hunte aus? Und überhaupt: Welche Regeln gelten auf dem Wasser? Mit Sportwart Uwe Spalthoff und Pressewartin Claudia Rohmann vom Wassersportverein Wildeshausen begebe ich mich auf die Hunte. Und nehme zum ersten Mal das Ruder in die Hand.

1973 gegründet

Der Wassersportverein Wildeshausen hat 195 Mitglieder, davon sind 140 aktiv. Er wurde 1973 gegründet und feiert am 27. August 46-jähriges Bestehen. Wer Interesse an einem Kursus hat, kann sich mit dem Vorstand in Verbindung setzen unter vorsitz@wswildeshausen.de.

Bevor wir um 19.15 Uhr den roten „Eisvogel“ betreten, meldet mich Uwe – ich darf meinen Steuermann sowie Claudia duzen – an. Aus versicherungstechnischen Gründen. Auf dem Computerbildschirm erscheint neben meinem Namen ein roter Punkt. „Das bedeutet, dass du kein Mitglied im Verein bist“, erklärt Uwe.

Fahren im Doppeldreier

Weiter geht es im Vereinsheim eine Etage höher: Trockenübung am Ruderergometer. Genau wie im Ruderboot gibt es auch hier einen Rollsitz und Stemmbretter für die Füße. Ich winkel die Beine an, beuge mich so weit es geht nach vorne und halte mit gestreckten Armen das „Ruder“ fest. „Beine strecken, erst dann ziehen“, erklärt Uwe. Der 67-Jährige ist vom Fach: Er rudert seit 1981. Das Ruder wird zum unteren Rippenbogen gezogen, danach strecke ich die Arme wieder und winkel die Beine an. Hört sich einfach an? Ich habe Probleme, die Übungen der Reihe nach zu machen. Und bin offenbar nicht die Einzige, der dies am Anfang passiert. „Es ist erst viel Kopfarbeit. Aber dann ist es wie Fahrradfahren“, versichert mir Claudia.

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Nach zehn Minuten begeben wir uns zur Hunte, die vor dem Vereinsheim fließt. Wir tragen den Eisvogel zur Anlegestelle, wo wir den roten „Doppeldreier mit Steuermann“ rückwärts zu Wasser lassen. Er ist neun Meter lang, 93 Zentimeter breit und schätzungsweise 60 bis 70 Kilo schwer.

Am Steg hockend befestigen wir die Ruder – die sogenannten Skulls – seitlich des Boots in den Halterungen, den sogenannten Dollen. Dann steige ich in das Boot: Linker Fuß auf einen Holzrahmen, die linke Hand hält beide Skulls, die rechte umklammert den Rand. Wichtig: „Nicht mit dem Fuß neben das Holz treten“, sagt Uwe. Das Boot besteht zum größten Teil aus zwei Millimeter dickem Kunststoff – wenn ich da drauf trete, kommt mein Fuß auf der anderen Seite heraus.

„Alles vorwärts!“

Wir lassen die aus Kohlefaser bestehenden Skulls zu Wasser. Was ich am Ergometer nicht üben konnte: Um die Ruderblätter in die richtige Position zu bringen, muss ich sie etwas drehen. Ein Teil des Skulls, der sich in den Dollen befindet, ist eckig: Dadurch rasten die Paddel immer ein.

Die linke Hand ist oben, die rechte unten. Die Ruderblätter befinden sich hinten, sie müssen also leicht gesenkt im Wasser stehen und dann nach vorne gezogen werden. Befinden sie sich vorne, drehe ich sie wieder, so dass sie über die Wasseroberfläche gleiten. Noch dazu bewegen wir uns rückwärts. Nur Uwe als Steuermann hat den Blick nach vorn. Seinen Kommandos folgen wir: „Alles vorwärts!“ Ich möchte dem Befehl sofort folgen – muss allerdings kurz warten. Erst wenn er „Los!“ sagt, gilt das Kommando. Diesem zu folgen ist aber leichter gesagt als getan. Claudia, die hinter mir sitzt, zieht die Skulls nach vorn – während ich sie gerade nach hinten gleiten lasse. Glücklicherweise sind die Ruder stabil – da ich den Kommandos noch nicht schnell folgen kann, verhaken sich Claudias und meine Skulls mehrmals ineinander.

Zehn Minuten später starre ich nur noch konzentriert auf die Blätter. „Das läuft sehr gut“, lobt Uwe. Konzentriert ziehe ich weiter – da ich ansonsten sofort aus dem Takt kommen würde. „Wir machen schätzungsweise 15 Schlag“, vermutet Uwe. Üblich seien 18 bis 20 Schlag pro Minute. Von der Geschwindigkeit her halte ein Ruderer mit einem Läufer mit, gibt Claudia ihre Schätzung ab.

Kurz hinter der Pionierbrücke drehen wir wieder um. Dieses Manöver übernimmt Claudia – ich muss lediglich die Ruder still halten. Wäre uns an der Brücke ein anderer Ruderer entgegengekommen, hätte dieser Vorfahrt gehabt. Wir sind gegen den Strom unterwegs. Wer mit dem Strom fährt, hat Vorfahrt. Überhaupt gilt auf der Hunte: wie auf der Straße rechts fahren, links wird überholt. Dass es auch Urlauber auf dem Wasser gibt, die sich nicht immer an diese Regeln halten, wird im Gespräch mit Uwe deutlich. Ansonsten gilt: „Wir versuchen immer, zwei Meter Abstand zum Ufer zu halten.“

Das ist allerdings nicht an allen Stellen der Hunte möglich: Deshalb darf nicht überall gerudert werden. „Vom Vereinsheim geht’s bis zum Stau sieben in Hölingen“, erklärt Uwe. „Nach Oldenburg dürfen wir nicht rudern. Aus Naturschutzgründen.“ „Dort darf aber gepaddelt werden“, ergänzt Claudia. Die Hunte Richtung Oldenburg ist für den Rudersport nicht breit genug, das Wasser nicht tief genug und die Strecke zu kurvig. Lediglich zur Brut- und Setzzeit vom 1. April bis 15. Juni ist jeglicher Verkehr auf dem Wasser verboten.

Vom Bootshaus bis zum Stau sieben ist hingegen immer Betrieb: „Wir rudern vom 1. Januar bis 31. Dezember“, sagt Uwe.

Zeitintensiver Sport

„Es ist ein zeitintensiver Sport“, gibt Claudia zu, als wir nach einer Stunde Fahrt und drei geruderten Kilometern bei einer Erfrischung vor dem Vereinsheim sitzen. Wenn sie sich aufs Wasser begebe, sei sie schon mal drei Stunden weg – Boot rausholen, putzen und reinbringen inklusive. Meine Arme schmerzen. „Das ist aber normal, weil du dich am Anfang noch verkrampfst“, sagt Claudia.

Mit 4283 geruderten Kilometern in 2018 hat Uwe übrigens Ende März sein 34. Fahrtenabzeichen entgegengenommen. Um an diese Leistung heranzukommen, muss ich noch mehr rudern. Wenn nicht gerade auf dem Ergometer, kann ich auf dem Trockenen zu Achim Reichel dafür trainieren.


Ein Video sehen Sie unter   www.nwzonline.de/videos 
Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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