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Ernte im Kreis Oldenburg Trockenschäden bei Hälfte der Maispflanzen

Nils Hannes Klotz
Etwa die Hälfte aller im Kreis Oldenburg angebauten Maispflanzen weisen Trockenschäden auf. Diese Aufnahme stammt aus Amelhausen.

Etwa die Hälfte aller im Kreis Oldenburg angebauten Maispflanzen weisen Trockenschäden auf. Diese Aufnahme stammt aus Amelhausen.

privat

Landkreis - Hohe Temperaturen, viel Sonnenschein und kaum Niederschlag: Von den Extremen dieses Sommers sind auch die Landwirte im Kreis Oldenburg nicht verschont geblieben. Viele Maispflanzen, die hier in der Region hauptsächlich als Tierfutter oder für Biogasanlagen dienen, konnten sich nur unterdurchschnittlich entwickeln. „50 Prozent der Flächen haben Trockenschäden. Erhebliche Einbußen werden wir letztendlich auf 20 bis 30 Prozent der Flächen haben“, sagt Detlef Kreye, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Oldenburg. Die Situation sei vergleichbar mit den Trockenjahren 2018 und 2019. Im Vergleich zu anderen Anbaugebieten sagt Kreye allerdings auch: „Im Landkreis Oldenburg sind wir noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.“ 

Kleinere Kolben

Insbesondere im westlichen und südlichen Landkreis habe sich der Mais auf den sandigen Böden weniger gut entwickeln können. Betroffen davon sind etwa Wardenburg, Großenkneten und die Wildeshauser Geest. Dieses Bild bestätigt auch Landwirt Thomas Stuhr aus Dötlingen: „Im Vergleich zu den Vorjahren rechnen wir mit Ertragseinbußen.“ Auf dem größten Teil seiner Flächen hätten sich zwar Maiskolben an den Pflanzen gebildet – allerdings kleinere als im Vorjahr. Vereinzelt hätten Pflanzen sogar gar keine Kolben. Ein schlecht ausgeprägter Maiskolben ist für die Landwirte fatal: „Ungefähr 80 Prozent der Energie sind im Kolben“, erklärt Detlef Kreye. „Und wenn die Pflanze keine Kolben hat, ist das im Prinzip wie Stroh. Da ist dann kaum Energie und Eiweiß drin.“ Landwirte müssten dann zum Teil Tierfutter zukaufen.

Regionale Unterschiede

Doch selbst innerhalb des Landkreises sei die Situation sehr unterschiedlich, so Kreye. Im Marschland und bei den lehmigen und moorigen Böden der Region habe sich das Wasser besser halten können – etwa auf den Feldern Richtung Oldenburg an den Flussniederungen, in Ganderkesee, Hude oder an den Mooren bei Wardenburg und Littel: „Da steht der Mais nach wie vor gut und grün da und hat auch einen guten Kolben ausgebildet.“

Die Maisernte läuft bereits seit einigen Tagen, sagt Kreye. „Wir haben einfach zu viele Sonnenstunden gehabt. Der Mais ist früh abgereift.“ Damit die Pflanzen nicht vertrocknen, hat auch Landwirt Rainer Bücking aus Ganderkesee in der vergangenen Woche seine Ernte eingefahren – fünf Wochen früher als vergangenes Jahr. „Bei uns musste er dringend geerntet werden jetzt. Weil der Reifegrad deutlich weiter ist als in anderen Jahren.“ Wegen kleinerer Pflanzen geht er von Einbußen zwischen 20 und 30 Prozent aus.

Ähnlich zeichnet sich das Bild bei Landwirt Stuhr aus Dötlingen: Er startete seine Ernte drei bis vier Wochen früher als gewöhnlich. Problematisch sei, dass trotz früher Reife die Stärkeeinlagerung in den Körnern nicht abgeschlossen sei, so Stuhr.

Alternative Lösungen

Um den veränderten Klimabedingungen entgegenzuwirken, haben die Landwirte verschiedene Möglichkeiten: „Viele konnten sich im Sommer und Frühjahr mit einer Beregnung helfen und haben den abschließenden Ertrag noch gerettet. Aber das ist auch eine Kostenfrage“, sagt Kreye. Um Wasser zu sparen, könne man zudem den Pflug weniger einsetzen. „Weil mit jeder tiefen Bodenbewegung wieder Wasser verdunstet.“ Auch mehr Flexibilität hinsichtlich der angebauten Getreidearten sei zunehmend wichtig, so Landwirt Bücking. So könne man das Risiko streuen.

Thema Gentechnik

Um trocken- und schädlingsresistentere Sorten anbauen zu können, plädiert Kreye außerdem für mehr Offenheit in puncto Gentechnik, die in Deutschland aktuell aber nicht kommerziell erlaubt ist. „Züchtung dauert im herkömmlichen Sinn sehr lange“, sagt Kreye. „Bei der Züchtung versucht man, über Mutationseffekte, die dann natürlich auftreten, bestimmte Eigenschaften in die Maispflanzen reinzuzüchten. Das geht über die Genschere Crispr/Cas wesentlich schneller.“ Das Ergebnis sei ähnlich: „Sie kommen letztendlich beim gleichen Ziel an: Nur das eine dauert zehn Jahre länger. Und diese Zeit haben wir eigentlich nicht.“ Doch bis sich beim Thema Gentechnik rechtlich etwas bewegt, müssen die Landwirte noch andere Wege gehen.

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