Monika Krämer koordiniert den Telefonbesuchsdienst der Ganderkeseer Malteser, den Menschen aus dem gesamten Landkreis Oldenburg in Anspruch nehmen können. Im Interview mit unserer Redaktion erklärt die Falkenburgerin, warum ihr Team nur bis zu einem gewissen Maß in die Privatsphäre der Gesprächspartner vordringt und nicht „Detektiv spielt“.

Frau Krämer, der Titel „Telefonbesuchsdienst“ ist paradox, oder nicht?

KrämerDas stimmt. Die Aktion ist allerdings in der Coronazeit von Maltesern begonnen worden, als Besuche nicht möglich waren. Ich finde den Begriff auch sehr unglücklich, weil er Besuche suggeriert. Besser wäre der Titel „Telefonbegleitdienst“.

Wie läuft die Begleitung per Telefon ab?

KrämerWer Interesse an regelmäßigen Telefonaten mit unseren Mitarbeitern hat, landet erst einmal bei mir als Koordinatorin des Dienstes. Ich spreche mit der Person, worauf es ihr ankommt und welche Wünsche sie hat. Das Angebot ist sehr niedrigschwellig, das heißt, ich frage nur nach dem Alter des Anrufers, um herauszufinden, welcher Mitarbeiter, welche Mitarbeiterin zu dem Gesprächspartner passen könnte. Persönliche Daten müssen nicht preisgegeben werden. Anschließend nimmt der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin Kontakt zum Gesprächspartner auf und vereinbart mit ihm, wann und in welchem Rhythmus die Telefonate stattfinden sollen.

Telefontermine auch zu Weihnachten

Monika Krämer (69) aus Falkenburg ist Koordinatorin des Telefonbesuchsdienstes der Malteser in Ganderkesee. Das Angebot ist für die Nutzer kostenfrei und steht Interessierten aus dem gesamten Landkreis Oldenburg offen. Vier Ehrenamtliche teilen sich die Anrufe derzeit auf, weitere stehen bei Bedarf bereit. Auch für die Weihnachtstage können noch Termine vereinbart werden. Für den Erstkontakt ist Monika Krämer unter Tel. 0160/98544547 zu erreichen.

Wer sind Ihre Gesprächspartner, wer kann den Dienst in Anspruch nehmen?

KrämerAlle Personen, die eingeschränkt sind und nicht viele soziale Kontakte haben – die nicht in der Weise am öffentlichen Leben teilnehmen können, wie sie es gern würden. Ziel es ist es, Vereinsamung vorzubeugen. Unsere Gesprächspartner sind nicht ausschließlich ältere Menschen.

Gibt es Gesprächsverläufe, bei denen Sie an Grenzen geraten und an andere Stellen weiterverweisen?

KrämerJa, natürlich. Wir bieten grundsätzlich keine Beratung an. Bei bestimmten Problemen verweisen wir auf andere Dienste der Malteser wie den Besuchsdienst. Wenn jemand beispielsweise Angst hat, in der Nacht allein zu sein, informieren wir über die Möglichkeit des Hausnotrufs. Aber wir verweisen auch auf externe Angebote und geben den Menschen Telefonnummern an die Hand. Ich hatte beispielsweise den Fall einer Dame, die weiter entfernt lebte und sich einen Besuchsdienst wünschte. Ich bin dann an ihrem Wohnort auf die Kirche zugegangen und habe mit dem Einverständnis der Dame dafür gesorgt, dass sie einen Anruf von der Kirchengemeinde bekam.

Sie selbst sind Psychologin und Mitglied im Kriseninterventionsteam Landkreis Oldenburg. Sind derartige Qualifikationen Voraussetzung, um im Telefonbesuchsdienst zu arbeiten?

KrämerNein, das sind sie nicht. Jeder, der bei uns mitarbeiten möchte, wird dafür geschult. Die Mitarbeiter haben aber immer die Möglichkeit, sich bei mir zu melden, wenn Gespräche nicht gut verlaufen sind oder die persönliche Ebene mit dem Gesprächspartner nicht stimmt. Das gilt natürlich auch umgekehrt. Aber solche Fälle sind eher die Ausnahme. Meistens bildet sich schnell ein Vertrauensverhältnis heraus, obwohl man einander nicht persönlich kennt. Dazu trägt auch bei, dass die Gespräche immer vertraulich sind.

Sie haben kaum Informationen über die Gesprächspartner...

KrämerDas ist richtig. Und dieser niedrigschwellige Zugang macht den Telefonbesuchsdienst auch aus. Wir erfahren nur das, was die Gesprächspartner von sich aus preisgeben möchten. Daher kann es auch vorkommen, dass Mitarbeiter irgendwann plötzlich keinen Anschluss mehr haben, wenn sie anrufen. Es ist nicht schön, wenn man nicht weiß, was mit einem Menschen passiert ist – aber wir spielen nicht Detektiv.

Wie schützen sich umgekehrt die Mitarbeiter des Telefonbesuchsdienstes?

KrämerWichtig ist, dass sie mit speziellen Handys telefonieren, nicht mit ihren privaten Geräten. Das Malteser-Handy können sie abschalten.

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Christin Hufer
Hude
Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee