Frau Gerken-Klaas, die Gemeinde Ganderkesee hat mehr als 40 Spiel- und Bolzplätze, fast 30 Sport- oder Reithallen, Jugendzentren und diverse weitere Freizeitangebote für Kinder- und Jugendliche. Gibt es überhaupt noch etwas, das fehlen könnte?

Gerken-KlaasWir sind in der Gemeinde Ganderkesee in der Tat ganz gut aufgestellt. Dennoch wollen wir das vorhandene Angebot fortentwickeln. Die Vereine tun das genau so, und die Gemeinde unterstützt Investitionen gerne – etwa im Rahmen der Richtlinie für die außerschulische Sportförderung.

In welchen Orten sehen Sie Nachholbedarf?

Gerken-KlaasGrundsätzlich in keinem. Wir sind flächendeckend in der Gemeinde aktiv. Naturgemäß kann in kleinen Bauerschaften nicht derselbe Standard – etwa Drei-Felder-Sporthallen – vorgehalten werden wie in den Zentren. Dafür hat das Leben in den kleinen Dörfern einen besonderen Reiz. Nachholbedarf gibt es weniger in speziellen Orten, eher in einzelnen Bereichen.

Was bedeutet das?

Gerken-KlaasEtwa bei den Spiel- und Bolzplätzen. Daher werden wir den politischen Gremien vorschlagen, im kommenden Haushaltsjahr hierfür mehr Geld als bisher zur Verfügung zu stellen.

Die Gemeinde hat kräftig in die Jugendzentren investiert. Wird das neue Angebot angenommen?

Gerken-KlaasAbsolut! Die Investitionen in die Gebäude und die Einstellung von neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben sich gelohnt. Es wurden mittlerweile viele neue spannende Angebote in den Häusern entwickelt, die von den Jugendlichen gut angenommen werden. Es ist eine positive Entwicklung zu erkennen, die auch durch einen Generationswechsel bei den Besucherinnen und Besuchern gekennzeichnet ist. Jugendliche werden beispielsweise durch die Facebook-Aktivitäten der Jugendhäuser gezielter angesprochen und informiert. Darüber hinaus wurde die Kooperation mit Schulen und Vereinen intensiviert, um der Jugendarbeit neue, zeitgemäße Impulse zu geben.

Viele Kommunen heften sich das Etikett „kinderfreundlich“ ans Revers. Was ist für Sie entscheidend, wenn Sie „kinderfreundlich“ hören?

Gerken-KlaasEs geht doch nicht um ein Etikett, sondern um den Inhalt. Und der kann sich in Ganderkesee sehen lassen. Das betrifft unsere Krippen, Kindergärten, Horte und Jugendzentren, aber auch die Schulen. Es ist aus meiner Sicht ein ganz besonderer Pluspunkt, dass hier auch das Abitur abgelegt werden kann. Ganderkesee ist sehr kinderfreundlich, das sieht man zum Beispiel auch an unseren „Junge Ganter“-Aktionswochen, mit denen wir viele Kinder erreichen. Kinderfreundlichkeit muss sich durch alle Lebensbereiche ziehen.

Kita- und Krippenplätze sind immer ein großes Thema: Die Gemeinde wird mit der Schaffung 15 neuer Plätze in Rethorn zum 1. August 2014 die Quote erfüllen. Hat sie dann genug getan?

Gerken-KlaasEs sieht gegenwärtig so aus, als ob wir jedem Kind, das für einen Krippenplatz angemeldet wird, diesen auch anbieten können. Nicht immer in der Wunscheinrichtung in der Nachbarschaft. Aber in den vergangenen Jahren ist in Sachen Krippenausbau schon viel passiert. Am Habbrügger Weg und in Hoykenkamp haben die neuen Gruppen ihren Betrieb aufgenommen. Nächstes Jahr kommt Rethorn dazu. Dann haben wir ein sehr gutes, sehr breites und vielfältiges Angebot in der Gemeinde.

Sollten sich die Unternehmen stärker einbringen und Betriebs-Kitas eröffnen?

Gerken-KlaasDas kommt immer auf den Einzelfall an. Für manch größeres Unternehmen könnte es sich tatsächlich lohnen, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf diese Weise schneller wieder in den Job einsteigen oder ihre Stundenzahl erhöhen können. Aber das ist natürlich eine Entscheidung, die die jeweilige Geschäftsführung treffen muss.

Und die Gemeindeverwaltung?

Gerken-KlaasDafür sehe ich zurzeit keinen dringenden Bedarf.

In Heide und in Hoykenkamp gibt es keinen Hort. Die Kinder werden mit dem Taxi nach Schierbrok gebracht. Wie lange noch?

Gerken-KlaasHoffentlich nicht mehr lange. Ich sehe dort ebenfalls einen Bedarf für derartige Angebote. Sofern irgend möglich, sollten wir jedem Schulkind unnötige Busfahrten nach einem langen Schultag ersparen. Aber wir haben zurzeit in Schierbrok eine gute Einrichtung mit einem hervorragenden Betreuungsangebot. Sobald die Kapazitätsgrenze dort annähernd erreicht ist, sollte unser nächstes Ziel ein Hort im Bereich der Grundschule Heide sein.

Wie hilft die Gemeinde Eltern, insbesondere Neubürgern, sich aus der Vielfalt der Angebote das richtige herauszusuchen?

Gerken-KlaasWir informieren Neubürger bei unserem jährlichen Empfang, aber natürlich auf Nachfrage auch jederzeit im Bürgerbüro und in der Außenstelle in Bookholzberg. Es gibt eine Vielzahl von Broschüren und Flyern, die das Angebot sehr anschaulich präsentieren – und viele Informationen auf der Homepage der Gemeinde.

Warum findet das Jugendparlament so wenig Akzeptanz? Ist Jugendpolitik mit einem Makel behaftet?

Gerken-KlaasNein. Politik lebt immer von Akteuren, die diese mit Leben füllen. Die Gemeinde unterstützt das Jugendparlament aktiv, kann allerdings keinen Jugendlichen zur Mitarbeit verpflichten. Daher wird es immer wieder aktive und weniger aktive Zeiten des Jugendparlaments geben. Zurzeit wirbt das Jugendparlament aktiv um neue Mitstreiter. Ich bin zuversichtlich, dass es gelingt.

Einmal angenommen, Sie könnten Kindern und Jugendlichen einen Wunsch erfüllen: Welcher wäre das?

Gerken-KlaasNur ein Wunsch? Wenn ich mit Kindern und Jugendlichen spreche, ist die Spannbreite schier unerschöpflich: Disco, McDonald’s, Bolzplätze, noch mehr Spielgeräte und ...

... Sie sollten einen Wunsch äußern.

Gerken-KlaasMein größter Wunsch ist, dass alle Kinder und Jugendlichen hier in der Gemeinde unbeschwert aufwachsen können und sich später gern an ihre Kindheit und Jugend erinnern.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent