Wildeshausen - Vom Lehramt über die Pharmaindustrie bis hin zur Personalvermittlung und schließlich zur Hausaufgabenhilfe: Dr. Helga Vogt ist in ihrem Leben beruflich schon sehr gut herumgekommen. Seit April hilft die 63-Jährige ehrenamtlich neun Kindern bei den Hausaufgaben im Mehrgenerationenhaus Wildeshausen. Dazu gekommen ist sie über die Freiwilligenagentur „Misch mit“. Angefangen hat die Ahlhornerin aber ganz woanders.
Doktorin der Chemie
Aufgewachsen ist Vogt in Schlesien (Polen), wo sie Chemie und Mathematik auf Lehramt studiert und anschließend als Lehrerin gearbeitet hat. 1988, als die heute 63-Jährige nach Deutschland zog, entschied sie sich für eine Promotion in der Chemie – allerdings nicht ganz aus freien Stücken. „Ich wollte eigentlich weiterhin als Lehrerin arbeiten“, so Vogt, „aber dafür muss man zwei Fächer studiert haben und bei mir wurde nur Chemie anerkannt.“ Nach der Promotion in der Pharmaindustrie im niedersächsischen Clausthal-Zellerfeld gründete sie ihr eigenes Unternehmen in Wolfratshausen (Bayern) im Bereich der Personaldienstleistung. „Es hat sich irgendwie alles so ergeben“, sagt die Doktorin der Chemie.
Im Herbst 2021 zog Vogt dann mit ihrem Mann für eine Familienzusammenführung nach Ahlhorn, wo auch ihr Bruder wohnt. Mittlerweile ist sie im Vorruhestand und suchte nach einem Ehrenamt im pädagogischen Bereich. „Da kam die Anzeige als Hausaufgabenhilfe genau richtig.“
Interessenten für ein Ehrenamt als Hausaufgabenhilfe im Mehrgenerationenhaus Wildeshausen (Visbeker Straße 6) wenden sich am besten an die Freiwilligenagentur „Misch mit“ unter Tel. 04431/7483475.
Eltern, die ihre Kinder für die Hausaufgabenhilfe anmelden möchten, können sich an die Einrichtungsleiterin des Mehrgenerationenhauses Evgeniya Mratsenkova wenden (Tel. 0176/30884592 oder Tel. 04431/9553650).
Die tägliche Hausaufgabenhilfe von 14 bis 16.45 Uhr kostet monatlich 30 Euro pro Kind. Ein Mittagessen (ab 13.30 Uhr) kann für 3,50 Euro pro Tag hinzugebucht werden.
Mehr als Hausaufgabenhilfe
Jeden Montag, wenn nicht gerade Ferien sind, betreut sie neun Grundschulkinder von 13.30 bis 17 Uhr. „Es macht mir Freude, zu sehen, wie sie Spaß am Lernen haben und sich weiterentwickeln“, so die Ahlhornerin. „Es ist wichtig, dass es solche Angebote gibt, denn jedes Kind will etwas lernen.“ Besonders schockiert sei die 63-Jährige darüber gewesen, dass manche Schüler am Ende der ersten Klasse noch nicht lesen und schreiben konnten. „Ich habe einem Jungen erst mal beibringen müssen, seinen Namen zu schreiben“, erzählt sie.
Zwar sei die Hausaufgabenbetreuung nicht als Förderunterricht anzusehen, aber sie bringe die Kinder trotzdem sehr voran. „Ich helfe ihnen nicht nur bei den Hausaufgaben, sondern beschäftige mich auch danach mit ihnen“, so Vogt. Das geht vom Basteln zum Üben von motorischen Fähigkeiten und Geduld über das Backen von Tassenkuchen bis hin zum Ausdenken von Geschichten zur Anregung der Fantasie.
Ehrenamtliche gesucht
Zurzeit arbeiten fünf Ehrenamtliche täglich wechselnd beim Mehrgenerationenhaus an der Visbeker Straße. „Aber wir könnten dringend Verstärkung gebrauchen“, sagt Einrichtungsleiterin Evgeniya Mratsenkova. Auch Menschen ohne Vorerfahrung seien willkommen. „Wir gucken dann im persönlichen Gespräch, ob und wie das passen könnte“, so Thorben Kienert, Leiter und Berater bei „Misch mit“. Die Gruppe von neun Kindern besucht jeden Tag die Hausaufgabenbetreuung im Mehrgenerationenhaus. „Es ist eine feste Gruppe und für Kinder ist die Kontinuität wichtig“, so Mratsenkova. Nach den Sommerferien können wieder neue Grundschulkinder (erste bis vierte Klasse) angemeldet werden.
