Pointiert auf den Punkt gebracht hat es Markus Weise mal an einem der früheren Büttenabende: „Fasching ohne Meyerei? Das halbe Dorf wär’ nicht dabei!“ Dass in Ganderkesees fünfter Jahreszeit kaum etwas läuft, ohne dass ein Meyer mitmischt, bekamen die Besucher der ersten beiden Büttenabende anschaulich vor Augen geführt – als es nämlich um die Einführung des Moderators ging: Da tat Regie-Mitglied Gerrit Meyer zunächst so, als sei noch kein Moderator für die Narren-Gala gefunden. Bekanntermaßen redegewandte Gäste wie Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas und Pastorin Susanne Bruns lehnten auf Nachfrage erwartungsgemäß ab. Und sie kamen auch gar nicht in Frage, denn – so Meyer – „so’n Meyer wäre schon gut.“
Zum Glück stand zu diesem Zeitpunkt der Spielmannszug Ganderkesee auf der Bühne – und der ist ja die pure Meyerei. Dirigent Dieter Meyer jedoch mochte den Stab nicht aus den Händen geben, Flötist Matthias Meyer gab vor, als Werder-Fan momentan nicht motiviert zu sein für eine derart fröhliche Aufgabe. Blieb Klaus Meyer – der wollte wohl moderieren, nahm das Mikro und drückte dafür seine Lyra Gerrit Meyer in die Hand, der damit ausmarschierte. Alles natürlich vorher einstudiert und vorgespielt – und haftungsrechtlich abgesichert überdies: Gerrit Meyer musste eigens unterschreiben, dass er für den Schaden aufkommt, falls ihm das Instrument runterfällt.
Der andere Meyer machte unterdessen seine Sache auf der Bühne gut. Sogar um die Verpflegung des Publikums kümmerte Klaus Meyer sich nach Kräften: Er verteilte Nüsse an den Tischen, und während die ersten Gäste munter knabberten, erzählte er beiläufig, dass er ja nebenher noch Busfahrer sei und diese Nüsse von einem Fahrgast bekommen habe, einer alten Dame, die so gerne Toffifee esse – die Schokolade könne sie noch gut lutschen, nur das Kauen der Kerne sei ihr dann doch zu beschwerlich mit den dritten Zähnen . . .
Nicht nur zum Lachen brachte der Moderator das Publikum, sondern auch zum Singen. Am Premieren-Abend traf es Alice Gerken-Klaas. Die Bürgermeisterin zeigte sich aber bestens präpariert und trug den Refrain vom Hit der Ex-Prinzenpaare („Wir sind aus Ga-Ga-Ga-Ga-Ganderkesee“) rhythmisch und fehlerfrei vor.
Stimmlich und tänzerisch voll auf der Höhe ist auch das Prinzenpaar: Mattias I. (Wienand) und Jessica I. (Unger) sangen und schunkelten auf ihrer Empore bei den musikalischen Programmpunkten ausgelassen mit, ebenso ihre Ehrendamen Janina Piero, Lena Spille, Jessica Hillmann und Lena Schwarting. Und wenn sie mal nicht klatschten, teilten sie ihre Begeisterung auf großen Pappschildern im Facebook-Look mit: „Gefällt mir!“ Am Sonnabend beim zweiten Büttenabend hielt es die Tollitäten schließlich nicht mehr auf ihren Plätzen: Bei der vorletzten Nummer, der „Rocky Horror Picture Show“, mischten sich Prinz und Prinzessin beim fetzigen „Time Warp“ unter die Tänzerinnen der „Lolly Pops“ – „die beiden haben die Choreographie perfekt beherrscht“, war nicht nur Gerrit Meyer von der Regie fürbass erstaunt.
Choreographisch ansprechend ist auch die Nummer der „Ladykracher“, die nach der stampfenden Melodie des 70er-Jahre-Hits „In Zaire“ in langen, schwarzen Boxermänteln über die Bühne wirbeln. Dass ihre Premiere am Freitag ein besonders heißer Auftritt wurde, lag aber nicht nur am Tanz: Denn just als auf der Bühne die „Ladykracher“ die Mäntel ablegten, schmorte eine halbe Etage tiefer in der Theken-Ecke des Bühnenaufbaukommandos (BüKo) der kleine, alte Fernsehapparat durch, auf dem die Helfer verfolgen können, was oben passiert. Im Nu war der ganze Raum und auch der Gang hinter der Bühne verqualmt. Schlimmeres ist zum Glück nicht passiert, weil die Männer vom BüKo schließlich etwas vom Löschen verstehen und ausreichend Flüssigkeit in der kleinen Kneipe zur Verfügung stand. Auf und vor der Bühne hat niemand etwas mitbekommen von dem Zwischenfall. Und das Gute daran: Seit Sonnabend haben die Büko-Helfer einen neuen Fernseher – viel größer als der alte und mit Flachbildschirm.
Feiern wie die Großen kann auch der närrische Nachwuchs – und mindestens so professionell. Beim Kinderfasching am Sonntag stellten einige der jungen Aktiven ihr närrisches Potenzial so eindrucksvoll unter Beweis, dass angeblich schon das Regieteam der Büttenabende ein Auge auf sie geworfen hat. Denen mangelte es zuletzt ja an Rednern, so dass Stefanie Sandersfeld in absehbarer Zukunft vielleicht eine Alternative in der Bütt wäre: Der Beitrag der 15-Jährigen zum Thema „Silvester mit Oma“ klang jedenfalls auch in den Ohren des erwachsenen Kinderfasching-Publikums höchst erheiternd.
A ls Faschings-Profis erwiesen sich bei ihrer dritten Kinderfasching-Moderation auch Tom Adler (13) und Lisa Bielefeld (12), die souverän und schlagfertig durchs Programm führten. Nachdem die 15-jährige Sängerin Pia Kluge mit dem Lykke-Li-Hit „I follow rivers“ und „Girl on fire“ von Alicia Keys zwei anspruchsvolle Stücke interpretiert hatte, wollte Tom die Delmenhorsterin am liebsten Dieter Bohlen empfehlen. Aber was ist schon ein Superstar bei Bohlen gegen einen Faschingsstar in Ganderkesee?
Unterstützt wurde der Kinderfasching wie in jedem Jahr auch diesmal wieder von der Nordwest-Zeitung. NWZ -Mediaberater Jörg Rabenberg übergab Kinderfaschingschef Alexander Meyer am Sonntag einen Scheck über 500 Euro.
