Sandersfeld/Hude - Ruhig und gelassen liegen die im November geborenen Kälber im ehemaligen Schweinestall auf dem Hof Haverkamp. Wo sich zuletzt vor sieben Jahren Schweine in Mast befanden, hat heute der Milchkuhnachwuchs, vorwiegend Holsteiner Schwarzbunte und teilweise auch Rotbunte, die Kinderstube. Das Besondere an dieser Haltungsform sind nicht nur die Kleingruppen, im Coronadeutsch würde man wohl von Kohorten sprechen, sondern auch die Milch-Versorgung der Kälber über einen Automaten.
24 Stunden nach der Geburt kommt der Nachwuchs in den Baby-Stall und fortan wird die weitere Aufzucht computerüberwacht und aufs jeweilige Tier abgestimmt, gesteuert. Dazu können die Kälber die Milch direkt aus der Tränke aufnehmen. Von der Zusammensetzung optimal auf sie abgestimmt und mit einem enormen Faktor an Zeitersparnis für Ingo Haverkamp, der mit seinen Söhnen Jan und Eike den Rindervieh-Betrieb in Sandersfeld bewirtschaftet.
Bruder kommt aus Hurrel
Den Entschluss, den Aufzuchterfolg durch Tränkeautomaten zu sichern, fassten die Haverkamps Anfang 2020. „Auf der Diele haben wir den richtigen Stall dafür. Direkt am Haus und auch geschützt“, so Jan Haverkamp, der mit Frau Kerstin und Liam (3) sowie Jonas (elf Monate alt) direkt auf dem Hof lebt, ebenso wie Vater Ingo und Mutter Elke. Bruder Eike kommt täglich aus Hurrel auf den Betrieb nach Sandersfeld. Auch Frau Nathalie und Sohn Leona (2) sind dann gerne dabei.
Das passende Konzept für die intelligente Kälberfütterung lieferte die Firma Urban in Wüsting.„Für die Urban-Tränkeautomaten haben wir uns entschieden, weil das Unternehmen gleich um die Ecke seinen Sitz hat, aber auch eine umfangreiche Beratung im Hinblick auf die Stallplanung und Fütterung über die Automaten anbietet“, so die Haverkamp-Brüder. Zum Beispiel ist die Mich vorgewärmt und die Reinigung der Tränken erfolgt automatisch.
Zusätzlich erhalten die Kälber Müsli, Heu und Wasser zur freien Verfügung. Auf Knopfdruck können sich die Landwirte auch einen Überblick über den Gesundheitszustand verschaffen. Alles kann auch mobil abgefragt werden.
Im Schnitt werden rund 10 660 Liter Milch produziert und 30 Färsen im Jahr verkauft. 220 Hektar bewirtschaftet der Betrieb.
Der Schwerpunkt auf dem Haverkamp-Hof lag schon immer auf dem Milchvieh. Milchproduktion und Bullenmast, letztere nur einige Kilometern entfernt auf einem dazugekauften Hof, sind neben der Aufzucht die Hauptstandbeine. Fast täglich wird im Schnitt ein Kalb geboren. Die liegen den Haverkamps schon von Kindesbeinen am Herzen. Mit dem Nuckeleimer versorgten die beiden Brüder den Milchviehnachwuchs. Jan Haverkamp: „Das war immer toll, aber auch sehr zeitaufwendig.“ Daraus entstand die Idee, die nicht genutzte Diele für die Kälberaufzucht zu nutzen.
In sechs Großraumbuchten à zehn Kälber können es sich die Jungtiere auf frischem Stroh gut gehen lassen. „So macht uns das als Landwirt wieder Spaß“, sagte Eike Haverkamp. Gerade nuckelte die Rotbunte an seiner Hand. Aus dem Automaten kam keine Milch. Das Kalb hatte ihr Quantum schon getrunken.
Tiere tragen Halsbänder
Geregelt wird die Futterration über Halsbänder mit Transpondern. Per Chip erkennt der Automat, welche Kuh gerade zum Trinken kommt und wie viel sie schon von der Tagesration getrunken hat.
Neben der automatisierten Fütterung ist auch der Pflegeaufwand im Hinblick aufs Ausmisten gering. Mit dem Radlader lässt sich der Strohmist wegschieben. Dabei werden die Buchten für den Ausmistvorgang halb abgetrennt. „Das geht schnell und kann mit einer Person erledigt werden.“
Mit der neuen Technik haben die Haverkamps einen ordentlichen Schritt in die Zukunft getan. Und sie haben das Gefühl, auch etwas fürs Tierwohl und das eigene Verständnis als Landwirt getan zu haben.
