Urneburg - Ob im bolivianischen Urwald, in der sibirischen Tundra oder in der afrikanischen Savanne: Funker kommen überall in der Welt auf einer Wellenlänge zusammen – egal, wo sie vor dem Mikrofon sitzen. Zum Beispiel in Urneburg: Zwei Dutzend Mitglieder des Ortsverbandes Delmenhorst im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) haben am Wochenende auf dem Gelände des Schützenvereins ihr Lager aufgeschlagen – Zelte wurden aufgebaut und vor allem natürlich Antennen und Funkgeräte.

„Wir können auch unter extremen Bedingungen im Nu eine Funkstation aufbauen und betreiben“, sagt nicht ohne Stolz Günter Erdmann, Vorsitzender des Ortsverbandes mit zurzeit 78 Mitgliedern, überwiegend aus Delmenhorst und Ganderkesee. In Urneburg sind die Bedingungen ideal – auch dank des Entgegenkommens des Schützenvereins, wie Erdmann betont. Aber die Herausforderung bleibt die gleiche: Antennen installieren und ausrichten, Kabel verlegen, Geräte anschließen, Frequenzen justieren . . . „Wir wissen viel aus Büchern“, erklärt der begeisterte Amateurfunker Dieter Markowiak, „aber wir müssen es auch immer in der Praxis ausprobieren.“ Daher trifft man sich einmal im Jahr zum„Fieldday“ – so nennen die Amateurfunker das Ausüben ihres Hobbys in freier Natur. Immer mit der Frage, so Markowiak: „Wie funktioniert hier die Antenne?“

Das Beherrschen der Technik und das Wissen um die physikalischen Grundlagen ist die eine Seite – was die Amateurfunker aber ebenso antreibt, ist der Aspekt der Kommunikation: „Es ist immer wieder spannend“, so Erdmann, „jemanden kennenzulernen, der Tausende Kilometer entfernt ist, und sich mit ihm auszutauschen.“

Für Dieter Markowiak ist Funken „eine Form der Völkerverständigung.“ In den vergangenen Monaten zum Beispiel standen die Funker oft in Verbindung mit Gleichgesinnten im Krisenland Ukraine, vor 30 Jahren war es der Eiserne Vorhang, der im Äther leicht zu überwinden war. „Da gab’s einen Kontakt nach Eberswalde“, erinnert sich Erdmann, „da haben wir dann ein Care-Paket hingeschickt – mit Transistoren, die in der DDR nicht zu kaufen waren.“

Funken kann jeder, sofern er den Befähigungsnachweis der Bundesnetzagentur hat. Dann bekommt er sein Rufzeichen, eine weltweit einmalige Kennung. Erdmann etwa ist auf den Funkwellen als DL9BCP unterwegs – oder wie der Funker sagt: Delta-Lima-Neun-Bravo-Charly-Papa.

Internet und Smartphone beherrschen die Funker selbstverständlich auch – die Online-Generation indes tut sich schwer mit dem Funken. Nachwuchsmangel spürt auch der Ortsverband Delmenhorst mit einem Altersdurchschnitt um die 60 Jahre. Um diesen zu verringern, gehen die Funker jetzt verstärkt an die Öffentlichkeit – zum Beispiel mit dem „Fieldday“.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)