Tweelbäke - Moderne Melkroboter, automatisches Füttern der Milchkühe bei gleichzeitig möglichst stromsparender Milcherzeugung: Wer sich über die Anforderungen an die Landwirte und Anstrengungen, die diese unternehmen, informieren möchte, ist beim Familienbetrieb Lüschen-Strudthoff in Tweelbäke an der richtigen Adresse. Karin (52) und Dirk Lüschen-Strudthoff (51) haben sich vor vielen Jahren bereits zu einer neuen Form der Öffentlichkeitsarbeit entschieden. Kindergärten, Schulklassen, aber auch Vereine sind am Grenzweg in Tweelbäke willkommen. Unter den Gästen waren vor sechs Jahren sogar schon einmal ungarische Lokomotivführer.
Goldene Olga
Die professionelle Arbeit hat darunter nicht gelitten. Gleich zweimal, 2019 und 2020, hat die Familie bei dem Milchlandpreis „Die Goldene Olga“ mitgemacht und ist unter die besten zehn der rund 8000 Milcherzeuger in Niedersachsen gekommen. In die ganzheitliche Wertung gingen neben der Milchleistung unter anderem das Tierwohl, die Naturnähe des Betriebes und auch die sozialen Qualitäten ein. Bislang lief viel, wenn es um Termine für Besuchergruppen ging, über Mund-zu-Mund-Propaganda. Mancher der Besucher stieß über den Youtube-Kanal „My Kuh Tube“ auf den Hof. Andere über die Instagram-Accounts (dorfjunge_ol) von Sohn Finn (21) und Vater Dirk (dirk_lueschenstrudthoff).
Leben auf dem Land
Gemeinsam mit ihren beiden erwachsenen Töchtern Annika (23) und Madita (19) packt Karin Lüschen-Strudthoff nun diese Form der Öffentlichkeitsarbeit noch etwas gründlicher an. Dafür hat sie gemeinsam mit ihrer ältesten Tochter eine Fortbildung der Landwirtschaftskammer zum Thema Bauernhofpädagogik absolviert. Daraus sind zum Auftakt im Juli fünf Tagesangebote, jeweils unter einem festen Motto, entstanden.
Für Annika und Madita steht fest, dass auch in Zukunft die Landwirtschaft und das Leben auf dem Land Priorität haben werden. Die Nähe zur Natur und die damit verbundenen Freiheiten wollen sie nicht missen. Die 23-Jährige hat ihr Studium der Agrarwissenschaft an der Universität Göttingen erfolgreich abgeschlossen und arbeitet seitdem für die Landwirtschaftskammer Oldenburg. Ihre vier Jahre jüngere Schwester muss sich nach dem jetzt bestandenen Abitur noch entscheiden, ob sie das Ziel verfolgt, Tiermedizin zu studieren oder Sozialpädagogik. Wissensvermittlung ist so oder so ein zentrales Thema: Viele Kinder wüssten überraschend wenig darüber, wo die Milch, Obst und Gemüse eigentlich herkommen, hat Madita erst vor kurzem wieder bei einer Ferienpassaktion erlebt. „Ist die Kuh echt?“ kam da wirklich die Frage bei einem Besuch im Stall.
Von Natur abhängig
„Jedes Kind nimmt etwas von diesen Besuchen mit“, erzählt Annika Lüschen-Strudthoff. Sie seien spürbar ausgeglichener, das falle gleich den Eltern beim Abholen auf. Es sei immer wieder wichtig zu zeigen, wie Landwirtschaft funktioniere, ist auch Mutter Karin Lüschen-Strudthoff überzeugt. „Denn am Ende sind wir Menschen trotz aller Technik immer noch von der Natur abhängig.“ Statt nur zu zeigen, wie alles funktioniert, setzt sie in dem gemeinsam mit ihren Töchtern erarbeiteten Konzept auf Mitmachangebote. „Ein Tag als Landwirt“ lautet deshalb auch die Auftaktveranstaltung am 15. Juli.
