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Landwirtschaft in Munderloh Hof will weg vom Wachstum um jeden Preis

Munderloh - „Eine totale Katastrophe“. Landwirt Renke Biebert lässt bei seinen Zuhörern keine Zweifel aufkommen, als das Gespräch auf den aktuellen Markt für Mastschweine kommt. Im Vorjahr habe der Betrieb in Munderloh damit unterm Strich nur Geld verloren. Als Landwirt sei man derzeit „nur Druck“ ausgesetzt, vonseiten der Politik und durch die Preisentwicklung. „Das zerreißt einen“, sagt Biebert. Seine Zuhörer: das sind Ratsmitglieder der FDP, Grünen und FHL, deren Bürgermeisterkandidat Guido Heinisch und Landratskandidat Christian Pundt. Trotz des starken Drucks will der Hof, den Renke Biebert mit seiner Frau Nicole führt, auch künftig auf die Schweinemast setzen, hören sie.

Mehr Direktvermarktung

In Munderloh, weiß Biebert, gibt es noch vier Höfe, die Schweinemast betreiben – aber nur zwei von ihnen seien nicht verpachtet. Anders ist die Situation bei der Milchviehhaltung: Die hat der Hof 2020 aufgegeben. Ein zusätzliches Standbein ist die vor zwei Jahren begonnene Legehennenhaltung. Etwa 500 leben mittlerweile in Munderloh in mobilen Ställen. Für Sicherheit vor Greifvögeln sorgen die Ziegenböcke Peter und Willi. Den Grundstein für die Direktvermarktung hat der Hof an der Munderloher Straße damit selbst gelegt. Der kleine Hofladen, der gut sichtbar an der vielbefahrenen Straße liegt, erfreut sich mittlerweile einer stabilen Nachfrage. Sogar bis nach Friesoythe habe er sich rumgesprochen, so Nicole Biebert. „Meine Frau muss mich bei dem Thema manchmal noch überzeugen“, gibt der 38-Jährige zu.

Die Verbesserung des Tierwohls ist ein Ziel, das sich der Munderloher Betrieb selbst gesetzt hat. Das beschränkt sich nicht auf die mobilen Hühnerställe, die die Vögel verlassen können, um ihre Nahrung im Grünen zu suchen. Auch die konventionell gehaltenen Schweine sollen in Zukunft ein klein wenig mehr Freiheiten haben. „Wir haben einen Bauantrag auf zusätzliche Ausläufe auf beiden Seiten des Stalls gestellt“, erzählt Nicole Biebert. So richtig flott geht es dabei aber offensichtlich nicht voran. „Als Genehmigungsbehörde muss eine Verbesserung des Tierwohls auch ermöglicht und nicht durch altes Baurecht erstickt werden“, findet Pundt klare Worte. Der Besuch in Munderloh zeige, wie wichtig es sei, im Austausch mit den Landwirten zu sein“, stellt Guido Heinisch fest.

Qualität vor Wachstum

Es fehle „Planungssicherheit“, beschreibt Renke Biebert die Lage. Dennoch will er gemeinsam mit seiner jungen Familie den eingeschlagenen, Weg weiter gehen. Nicht mehr Wachstum um jeden Preis, sondern Qualität und Direktvermarktung sind das Ziel. Lange Zeit habe man darauf gehofft, dass die Preise für Erzeugnisse steigen, wenn immer mehr Landwirte ihre Höfe aufgäben, gibt Biebert zu. „Doch die Preise steigen nicht“, hat er sich von dieser Hoffnung verabschiedet.

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten
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