Ganderkesee - Auch Johann Sebastian Bach (1685-1750) ist nicht aus heiterem Himmel als Genie auf die Erde hinabgestiegen. In einer großartigen Programmzusammenstellung zeigte das Musikfest-Atelier „Wege zu Bach II“ am Samstag in der Ganderkeseer Kirche St. Cyprian und Cornelius, welche blühende Musik von unerschöpflichem Ideenreichtum vor Bach schon existierte und wie er sich in der Tradition begnadeter Komponisten und Orgelmeister zu seiner überstrahlenden Größe entwickeln konnte.
Ausgehend von „Kyrie“ und „Gloria“ aus der Missa bonum vinum des Renaissance-Komponisten Orlando di Lasso (1532-1594) zeigen die vier Sängerinnen und die sechs Sänger – begleitet von einem fantastischen Instrumentalensemble – über welche Stationen dieser Entwicklungsweg führte, dem Johann Sebastian Bach dann letztendlich die musikalische Krone aufgesetzt hat.
Wichtigste Person
Die wohl wichtigste musikalische Persönlichkeit zwischen Renaissance und Barock ist der venezianische Kirchenmusiker Giovanni Gabrieli (ca. 1555-1612). Von ihm erklang seine „Canzon XV“ in einer instrumentalen zehnstimmigen, den Kirchenraum durchwandernden und füllenden Mehrchörigkeit, sowie sein „Audite principes“. Ein grandioses, groß besetztes und klar durchkomponiertes Werk, das durch die instrumental begleiteten Sängerinnen und Sänger eine wunderbar transparente Aufführung erlebt. Werke, die mit ihren fantasievollen Ideen und in ihrer zukunftsweisenden Kompositionstechnik viele nachfolgende Komponisten inspiriert und viele Türen aufgestoßen haben.
Glanzpunkt gesetzt
Ein Glanzpunkt in diesem Programm war das „Magnificat anima mea dominum“ des wohl berühmtester Gabrieli-Schülers Heinrich Schütz (1585-1672). Eine auf den Sprachrhythmus komponierte Musik, mit opulenten Klängen und klar strukturierten Ausdrucksebenen. Ein überwältigendes Werk das von den Solisten, dem Ensemble und den Instrumentalisten unter der souveränen Leitung von Wim Becu zu einem wahren Ereignis wurde.
Durch die großartig-beseelte Darbietung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Musikfest-Ateliers wurde diese Musik zu einem strahlenden und krönenden Abschluss des Musikfestes Bremen. Die Wege zu Bach führten in die St.-Cyprian-und-Cornelius-Kirche. Bild: Torsten von Reeken
Es sind viele Inspirationen, Anregungen, Begegnungen und Stationen, die Johann Sebastian Bach geprägt haben und von ihm mündet zum Schluss alles in die erste Strophe aus „Christ lag in Todesbanden“. In diese frühe Kantate, die Bach für eine Bewerbung komponiert hat, hat er im Rahmen seiner unerschöpflichen Möglichkeiten schon alles Denkbare an kontrapunktischer Kompositionskunst, gefüllter Stimmführung, an überraschenden Steigerungen, Fülle und Ausdruckstiefe hineingelegt. Und durch die großartig-beseelte Darbietung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Musikfest-Ateliers wurde diese Musik zu einem strahlenden und krönenden Abschluss des Musikfestes Bremen.
