Ganderkesee - Für die einen war es ein „Jahrhundert-Fasching“, der vom 1. bis 3. Juli im Ganderkeseer Stadion gefeiert wurde. Andere wiederum sehen in der Nutzung der Stätte abseits des Sports eine große Belastung. Wie und ob das Stadion künftig außer fürs Training, für Punktspiele oder Wettkämpfe noch genutzt werden soll, darüber gehen nach dem – jedenfalls aus Veranstalter- und Teilnehmersicht – gelungenen Großevent die Meinungen deutlich auseinander.
Was will die CDU-Fraktion ?
Die Position der Ganderkeseer CDU-Fraktion ist eindeutig: Fraktionschef Philipp Albrecht hat beantragt, das Stadion künftig nicht nur für Sport-, sondern auch für Kultur- und vereinzelte Großveranstaltungen sowie Märkte zu nutzen. Albrecht: „In zahlreichen Gesprächen am und nach dem Faschingswochenende haben wir vernommen, dass der Wunsch nach weiteren Sommer-Veranstaltungen im Stadion enorm ist.“
Ob dies erneut in Form eines Sommer-Faschings möglich und sinnvoll sei, könne noch niemand beurteilen. Unabhängig davon habe sich das Stadion jedoch als guter Veranstaltungsort für Open-Air-Events erwiesen. Mit dem großen Einzugsbereich und einer guten Anbindung ans Schienennetz wäre der Standort zudem auch für andere Veranstaltungen geeignet. Gespräche sollten mit Veranstaltern aufgenommen werden, um die Location dort ins Spiel zu bringen.
Aufgrund der Lage mitten im Wohngebiet seien natürlich Anforderungen des Lärmschutzes zu wahren. Eines stellt Albrecht darum klar: „Unser Ziel ist es deshalb ausdrücklich nicht, dauerhaft und regelmäßig dort große Partys stattfinden zu lassen.“ Die Nutzung für wenige Tage im Jahr erscheint der CDU-Fraktion aber als eine angemessene Option, um die Interessen von Anwohnern und Besuchern miteinander in Einklang zu bringen.
Was fordern Sportler ?
Nutzende der Sportstätte sehen das anders: Die Leichtathletikgemeinschaft Gemeinde Ganderkesee (LGG) übt in einem offenen Brief deutliche Kritik. Dass die Veranstaltung ein voller Erfolg war, habe vor allem am fantastischen Wetter und der guten Laune der Teilnehmer gelegen. Aus logistischer Hinsicht stimme das nicht, so Inge de Groot im Namen der Athleten. Dafür sei der Festplatz da. Denn Anschlüsse für Strom und Wasser seien auf dem Festplatz verlegt. „Zutiefst irritierend“ sei zudem die Kommunikation einiger Verantwortlicher, die „offenbar mehr auf populistischen Stimmenfang zielt, als darauf, sich verantwortungsbewusst mit gegebenen Fakten zu beschäftigen“, stellen die LGGG-Aktiven fest. Denn die Sperrdauer für solche Events währe länger als offiziell verkündet.
So werde „über lediglich 10 Tage im Jahr“ nachgedacht, an denen das Stadion für Festivitäten genutzt werden soll. Gesperrt worden sei das Stadion für den dreitägigen Fasching jedoch bereits für mehr als zwei Wochen. Rechne man das auf zehn Festivitäten hoch, stünde der Platz Sportlern wie auch Schulen und Vereinen nicht mehr zur Verfügung, so die Befürchtung.
Was kritisieren Anlieger ?
Auch auf der NWZ-Facebookseite ist eine Diskussion um die künftige Nutzung entbrannt. Die Bandbreite reichte von „völlig ungeeignet“ über „besser auf dem Flugplatz“ bis „Gern, aber um Mitternacht ist die Musik aus“. Auch Leserzuschriften gab es: „Bei allem Verständnis für die Feierlaune meiner Mitbürger, aber eine Veranstaltung wie die drei Tage Karneval im Sommer geht absolut gar nicht“, schrieb Anwohner Markus Schulz mit Hinweis auf die Lärmsituation der bis in die Nacht dauernden Großveranstaltung.
Was sagt die Verwaltung ?
Ob das Stadion rechtlich gesehen überhaupt als regelmäßiger Veranstaltungsort außerhalb von sportlichen Aktivitäten genutzt werden kann, ist unklar. Auf Nachfrage konnte die Verwaltung sich dazu noch nicht äußern, weil „noch nicht alle Informationen vorliegen und noch nicht alles geklärt ist“, hieß es am Montag aus dem Rathaus.
