Von Hasbruch-Wanderung bis Hunte-Kanutour: Touristen können im und um den Landkreis Oldenburg viel erleben. Wie wird das Angebot angenommen? Oliver Knagge, Geschäftsführer des Zweckverbands Naturpark Wildeshauser Geest, über jüngste Entwicklungen, wie sich die Hitzewelle auf die Nachfrage auswirkt und inwieweit sich die Region noch besser verkaufen könnte.
Die Hitzewelle macht Menschen träge – dämpft sie auch das Gästeaufkommen?
KnaggeIn unserem Fall gar nicht so sehr, weil wir eine sehr waldreiche Gegend sind – etwa mit dem Hasbruch. Da ist es etwas kühler. Zuletzt haben wir öfters auf den Pegelstand der Hunte geschielt – Stichwort Kanufahrten; der hat sich aber immer wieder erholt, auch durch Starkregenereignisse.
Wie verläuft das Tourismusjahr insgesamt?
KnaggeDie Zahlen werden noch erfasst, es sieht aber so aus, dass wir durchaus mehr Übernachtungen haben als letztes Jahr. Camping wird stark nachgefragt, auch die Hotels sind gut dabei – aber da geht noch was. Der Tourismus ist hier allerdings eine Querschnittbranche, die auch auf Kultur und Innenstädte abstrahlt: Der Tagestourist, der ein Eis isst oder in den Tierpark geht, taucht in der Rechnung somit auch auf.
Rechnet mit mehr Übernachtungen als vergangenes Jahr in der Region: Oliver Knagge, Geschäftsführer des Zweckverbands Naturpark Wildeshauser Geest. (Bild: Thilo Schröder)
Oliver Knagge ist seit Ende vergangenen Jahres hauptamtlicher Geschäftsführer des Zweckverbands Naturpark Wildeshauser Geest. Der gebürtige Schneiderkruger (Kreis Cloppenburg) hat Umweltwissenschaften in Vechta studiert und war zuletzt sieben Jahre bei der Ostfriesland Tourismus GmbH unter anderem als stellvertretender Geschäftsführer und im Bereich Online-Marketing tätig. Der 46-Jährige hat in dieser Zeit unter anderem ein ostfriesisches Tee-Emoji für Messengerdienste entwickelt.
Für ein Eis reist man aber nicht an. Wofür dann?
KnaggeAls Naturpark kennzeichnen wir uns vorrangig durch viel Natur und Wander-Infrastruktur. Dazu kommen das vor ein, zwei Jahren geschaffene Radwegenetz und die 20 Radrouten durch die Wildeshauser Geest. Das steht im Vordergrund. Weil jetzt die Brut- und Setzzeit vorbei ist, kann man pünktlich zu den Sommerferien auch voll ins Kanufahren einsteigen. Daneben stehen kulturelle Highlights wie Museen oder die Huder Klosterruine und einzelne Badeseen.
Bedient der Naturpark auch überregionale Trends?
KnaggeAllgemeine Trends wie den zum Tiny House oder Van-Life können wir eher weniger befriedigen – einen klassischen Abenteuerurlaub schon, wir haben ja auch Kletterparks. Insgesamt ist bei der Infrastruktur aber sicher noch Luft nach oben. Wenn man typische Touristen mehr bedienen möchte, müsste man gucken, wo man nochmal mehr investieren könnte.
Solche Investitionen werden vom Land gefördert. Warum profitiert die Region davon bislang nicht?
KnaggeDie Tourismusförderrichtlinie war früher beschränkt auf die offiziellen Reiseregionen des Landes Niedersachsen – da gehörte die Wildeshauser Geest historisch nie dazu, wie auch drei andere Gegenden. Diese Richtlinie wurde aber geändert. Man muss jedoch ein Tourismuskonzept vorweisen, aus dem hervorgeht, wo man sich grob hinbewegen möchte – das werden wir jetzt anschieben. Darauf können sich dann Gemeinden oder auch private Investoren berufen und Fördermittel von bis zu drei Millionen Euro bekommen.
Für was konkret?
KnaggeEs gibt zum Beispiel bis zu 75 Prozent Förderung für einen Hotelneubau oder für Radwege – alles, was irgendwie touristisch ist. Das ist ein weites Feld und kann sich womöglich bis zu einem Freibad erstrecken, das man zum Spaßbad umbauen möchte.
Das beste Angebot nützt aber nur, wenn es gut vermarktet wird. Was passiert in dem Bereich?
KnaggeWir haben gerade die Ausschreibung zur Gestaltung einer neuen Internetseite beendet. Außerdem wird das Corporate Design (Anm. d. Red.: Unternehmens-Erscheinungsbild) des Naturparks in den nächsten Monaten komplett neu gestaltet. Zur Webseite wird es eine App geben, die auch die Gemeinden verwenden können. Vom Land Niedersachsen und benachbarten Reiseregionen werden wir dabei unterstützt – sodass etwa auch Bremern Ausflugsziele in der Wildeshauser Geest angezeigt werden. Auch strukturell wird der Zweckverband sich verändern: Die ein oder andere Stelle wird noch besetzt – um auch hier mitspielen zu können in der Liga der anderen Reiseregionen.
