Hude/Wüsting - Dass mit dem Neubau der Grundschule Wüsting den künftigen Grundschülern ein nachhaltiges, energieeffizientes und modernes Gebäude geboten werden soll, da sind sich die Huder Gemeindeverwaltung und Vertreter der Politik einig. Deutlich wurde jedoch im Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt am Mittwoch, dass es eine Gratwanderung bedeutet, so nachhaltig wie möglich zu bauen und dabei wirtschaftlich zu bleiben.
Ein Antrag der Grünen, das KfW-Förderprogramm 498/499 „Klimafreundliches Wohngebäude/Nichtwohngebäude mit Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG)“ für das Bauvorhaben in Anspruch zu nehmen, sorgte für hitzige Diskussionen. Die Ausschussmitglieder stimmten schließlich mehrheitlich für die Beschlussempfehlung der Verwaltung, darauf aufgrund des Risikos erheblicher Mehrkosten zu verzichten.
Zu hohes Risiko
In dem KfW-Programm gilt es zwischen „Klimagerechtes Nichtwohngebäude“ und „Klimagerechtes Nichtwohngebäude mit QNG“ zu unterscheiden. Ersteres würde das rund 12,7 Millionen Euro schwere Vorhaben mit rund 405 000 Euro und Letzteres mit bis zu 1,5 Millionen Euro fördern. Allerdings würden, wie die Gemeindeverwaltung erklärt, durch die Inanspruchnahme Vorgaben, die beispielsweise die Baustoffe festlegen, eingehalten werden müssen.
Um das QNG zu erhalten, müsste darüber hinaus eine Fülle an Kriterien erfüllt werden. Wie sich das auf das Bauvorhaben und auf die Kosten auswirken würde, sei kaum abzuschätzen, erklärte Bürgermeister Jörg Skatulla – nicht zuletzt, weil es noch keine Referenzgebäude gebe, die das Zertifizierungsverfahren durchlaufen haben. Das stellt laut Gemeindeverwaltung ein großes Risiko dar.
Raum für Abweichungen
Auch wenn beim Neubau auf die Förderung verzichtet werden würde, will das Architektenbüro MRO Partnerschaft – das auch Mitglied der Gesellschaft für nachhaltiges Bauen ist – die Anforderungen an nachhaltiges Bauen berücksichtigen. Allerdings will es sich Raum für Abweichungen lassen, sollte es aus technischer oder wirtschaftlicher Sicht notwendig sein.
„Wir haben nun die Chance, Vorreiter in Sachen nachhaltiges Bauen zu sein“, zeigte sich Linke-Ratsherr Christian Suhr nicht damit einverstanden. Diese Chance solle ergriffen werden und den Kindern in Wüsting ein Gebäude geboten werden, das so ökologisch wie möglich gebaut sei. Das sieht auch Christian Lüdke (Grüne) so. „Das ist die Generation, die am meisten unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden wird“, sagte er. Ebenfalls kritisierte seine Fraktionskollegin Sarah Czychowski, dass kein Experte zur Sitzung eingeladen worden sei, der eine Auskunft zu Kosten hätte geben können, die bei Einhaltung des QNG-Standards aufkommen würden.
Bau soll vorankommen
Nachvollziehbar fand Heiko Aschenbeck (SPD) den Vorschlag der Gemeindeverwaltung, auch wenn er auf nachhaltiges Bauen – auch in eigenen Projekten – setze. „Für mich ist Hanf der Baustoff der Zukunft. Aber die Kosten sind einfach noch zu hoch“, sagte er. Für ihn sei es deshalb sinnvoller, nun so zu bauen, dass 80 bis 90 Prozent eingehalten werden. „Die letzten Prozente treiben die Kosten ins Unermessliche.“
Dass der Neubau schnell vorangetrieben werden soll, findet die CDU. „Ich habe immer noch den Traum, dass 2025 die ersten Kinder im Neubau zur Schule gehen werden“, sagte Wilfried Siems. Dass dafür ein Gleichgewicht zwischen Ökologie und Ökonomie bestehen bleiben muss, betonte sein Fraktionskollege Andreas Otte.
Nach hitzigen Diskussionen, dem Antrag darauf, die Beschlussvorlage dahingehend zu ändern, dass das Planungsbüro den QNG-Standard weitgehend berücksichtigen solle, wurde mehrheitlich empfohlen, auf das Förderprogramm zu verzichten.
