Hude/Nordenholz - Es wirkt so, als hätte es schon immer dort gestanden. Denn es schmiegt sich perfekt in das antike, rustikale Ambiente des Landgasthofes Nordenholzer Hof ein: ein Backhaus aus dem späten 18. Jahrhundert. Lange Zeit stand es schon ungenutzt und unscheinbar in Kühlingen (Gemeinde Ganderkesee) – bis Eigentümer Heiko Aschenbeck es bei einer Fahrradtour entdeckt hat und bei ihm die Vision gewachsen ist, es auf den Nordenholzer Hof zu bringen. Dass aus der Vorstellung in diesem Jahr Wirklichkeit geworden ist, hat er, so sagt er, auch Menschen aus der Umgebung zu verdanken, bei denen die Leidenschaft für das Projekt gewachsen ist.
Das Backhaus soll nach dem Wiederaufbau auf dem Nordenholzer Hof seiner ursprünglichen Bestimmung nachkommen. So stellen sich Eigentümer Heiko Aschenbeck und Geschäftsführer Martin Niebuhr vor, dass in dem kleinen Haus für Gäste des Landgasthofes und des Hotels beispielsweise Flammkuchen, Pizza, Kuchen und andere Backwaren gebacken werden könnten. Aber nicht nur das. Weil es Aschenbeck und Niebuhr sehr am Herzen liegt, regionale Produkte, die teilweise direkt aus der Nachbarschaft kommen, zu verwenden, stehen sie in engem Austausch mit Jäger Toni Tönjes. Niebuhr möchte dann Wildschweinbraten, der im Backhaus zubereitet worden ist, anbieten.
Aus Idee wird Realität
Schon lange hat niemand mehr im Ofen – dem Herzstück des Hauses – Brote, Kuchen und Brötchen gebacken. Doch das soll sich zu Beginn des kommenden Jahres ändern. Denn dann sollen in dem liebevoll restaurierten Backhaus Flammkuchen, Pizza oder auch Butterkuchen für die Gäste des Nordenholzer Hofes gebacken werden. So ist aus der Idee Aschenbecks eine Vision geworden, mit der er auch Martin Niebuhr, Geschäftsführer des Nordenholzer Hofes, überzeugen konnte. Doch bis das Backhaus von Kühlingen nach Nordenholz umziehen konnte, gab es einiges zu tun.
Nachhaltig in die Zukunft
Für Aschenbeck war von Anfang an klar, dass er das über 200 Jahre alte Haus nicht nur einfach wieder aufbauen möchte. Vielmehr wollte er es nachhaltig und energieeffizient für die Zukunft gestalten. „Das Thema liegt mir sehr am Herzen“, sagt Aschenbeck. Dafür war es ihm wichtig, so viel wie möglich von den antiken Baustoffen zu erhalten. So sind rund 10.000 Handformziegelsteine, altes Eichenholz, alte Tondachziegel und altes Klinkerpflaster bei dem Wiederaufbau verwendet worden.
Außenansicht des Backhauses: Beim Wiederaufbau wollte Heiko Aschenbeck so viel, wie möglich, vom Ursprung erhalten.
Christin Hufer
Beim Abbau in Kühlingen in diesem Sommer: Rund 10.000 Steine sind aus dem alten Backhaus wieder verwendet worden.
Heiko Aschenbeck
Lange Zeit nicht mehr genutzt: der ursprüngliche Ofen des Backhauses.
Heiko AschenbeckGetreu dem Motto, Altes mit Neuem zu verbinden, hat Aschenbeck sich mit den beauftragten Handwerksfirmen für eine noch junge, aber nachhaltige Bauweise entschieden. So wurden im Innenausbau beispielsweise Steine aus gepresstem Hanfstroh, die mit Kalkmörtel verklebt sind, verwendet – eine umweltfreundliche Alternative zum Betonbau. Aschenbeck: „Die Betonindustrie verantwortet circa 60 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen.“ Darüber hinaus habe Hanf auch den Vorteil, neben Holz und Stroh, wieder nachzuwachsen. Und auch noch weiter hat Aschenbeck in die Zukunft gedacht. Denn wenn die Nutzung des Hauses nach rund 100 Jahren enden würde, würde kein Müll anfallen. Denn der Hanf mit den Kalkanteilen ließe sich komplett kompostieren, erklärt Aschenbeck.
Neue Bauweisen
Aber nicht nur auf neue Bauweisen hat sich Aschenbeck berufen. So habe er bereits in den 1990er-Jahren eine Skizze für den Aufbau eines Ofens des ehemaligen Zimmermanns Adolf Sanders bekommen, erklärt er. Diese habe Sanders in den 1980er-Jahren verwendet, als das Vielstedter Bauernhaus nach einem Brand wieder aufgebaut worden ist. Auch darüber, wie der neue Ofen überhaupt betrieben wird, hat er sich informiert: „Da habe ich den letzten Bäcker, den wir hier noch haben, Hans-Hermann Seedorf, gefragt.“
Mit viel Leidenschaft und wertvoller Unterstützung hat Aschenbeck seine Vision umgesetzt. Dabei ist ihm eines besonders wichtig: „Mit der Marsch, dem Moor und dem Hasbruch haben wir hier eine ganze besondere Landschaft. Die gibt es sonst nirgends“, sagt er. Deshalb sei es ihm ein Anliegen, die Traditionen der Bauern, die dieses Gebiet bewirtschaftet haben und die der Menschen, die ihr Leben hier bestritten haben, weiterzutragen – indem Gebäude, wie das Backhaus und der Landgasthof, zukunftssicher gestaltet werden.
