Wildeshausen - Bei schönem Wetter geht Hermann Visser in seine Garage, öffnet das Tor, steigt in seinen Chrysler Crossfire, startet den 218 PS starken Sechszylinder und nimmt die Wildeshauser Geest unter die Räder. Bei entsprechenden Temperaturen öffnet er noch das Verdeck des Cabrios und genießt den Moment. Derzeit ist aber kein Wetter für solche Momente. Für den täglichen Bedarf nutzt der 73-jährige Wildeshauser seinen Nissan Pulsar. In seinem Leben ist Visser viel unterwegs gewesen. „In Spitzenzeiten bin ich 40.000 Kilometer im Jahr gefahren.“ Kein Wunder: Wer täglich 120 Kilometer zur Arbeit nach Quakenbrück hin und zurück fährt, der lässt reichlich Gummi auf dem Asphalt. Hinzu kamen berufliche Fahrten ins benachbarte Ausland. Stolz ist Hermann Visser darauf, bis heute unfallfrei zu sein.
Polizist kontrolliert
Seine ersten Kilometer in den 60er-Jahren hat Hermann Visser in seiner Heimatstadt Hagen/Westfalen mit einem Moped zurückgelegt. Dafür war der Führerschein Klasse 5 erforderlich. Damit war der 16-Jährige im Besitz des „grauen Lappens“, den jetzt viele Autofahrer umtauschen. Es dauerte nicht lange, da stieg Visser auf die legendäre Kreidler Florett um. Den erforderlichen Führerschein Klasse 4 hatte er aber nicht. „Als ich eines Tages in einer Einbahnstraße auf meiner Kreidler saß und mich am Straßenrand mit einem Freund unterhielt, kam ein Polizist vorbei und kontrollierte mich“, erinnert sich Visser. „Der Polizist hat aber nicht gemerkt, dass mein Führerschein für die Kreidler nicht zulässig war.“
Käfer erstes Auto
Die Kontrolle war dem Jugendlichen aber Warnung genug und er meldete sich beim Tüv zur Führerscheinprüfung für Klasse 4 an. Prompt fiel er durch. „Mit solchen Fragen hatte ich nicht gerechnet“, sagt Visser. Da mit Klasse 4 auch Traktor gefahren werden darf, wurden Fragen zum Achsgewicht und andere Dinge aufgetischt. „Danach bin ich zur Fahrschule gegangen und habe erst einmal am Unterricht teilgenommen.“ Ein paar Wochen später bestand er die Theorieprüfung.
Fahrunterricht war erst für Klasse 3 erforderlich. „Mein VW Brezel-Käfer für 250 Mark stand schon vor meinen 18. Geburtstag zu Hause“, erzählt Visser. Das Geld dafür sparte sich der Lehrling im Großhandel (80 D-Mark im 1. Lehrjahr) mit Nebenjobs zusammen. „Ich habe bei einer Tankstelle gejobbt und auf der Kegelbahn die Pins aufgestellt.“
Prüfungsfahrt zur Klinik
Die Prüfungsfahrt am 10. November 1964 erzählt Hermann Visser so: „Wir fuhren von der Fahrschule zum Krankenhaus in Hagen. Dort wollte der Prüfer seine hochschwangere Frau besuchen. Der Fahrlehrer und ich warteten eine halbe Stunde vor der Klinik. Dann kam der Prüfer zurück. Da der Zeitplan für die weiteren Fahrschüler nicht in Verzug kommen sollte, meinte der Prüfer, ich soll schnell zur Fahrschule zurückfahren. Somit bin ich ganze zwei Kilometer gefahren und hatte meinen Stempel für Klasse 3 im Führerschein.“ Sechs Fahrstunden brauchte er bis zur Prüfung. Der Führerschein kostete 164,30 D-Mark.
Sein liebstes Auto
Nach dem Käfer kaufte sich Visser einen Opel Olympia. Später folgte sein bis heute liebstes Auto: ein Mercedes Benz. „Ich bin 30 Jahre lang einen Mercedes als Firmenwagen gefahren.“ Beruflich war Hermann Visser in der Textilbranche unterwegs. Von Hagen zog er nach Hambergen bei Bremen um. Als er den Job in Quakenbrück erhielt, machte ihn ein Freund auf Wildeshausen aufmerksam, damit der Weg nicht so weit ist. „Wildeshausen hat uns sofort gefallen“, meint Visser. Längst ist er mit seiner Frau hier heimisch geworden.
Ach ja: Hermann Vissers „grauer Lappen“ liegt bereits 20 Jahre in einer Erinnerungsmappe. Schon seit dem 11. März 2002 besitzt er nämlich den kleinen Führerschein im Plastikkartenformat.
