Eigentlich wollte das Regieteam für den Faschingsauftakt am 11.11. schon im vorigen Jahr „De Spassmakers“ verpflichten – seinerzeit schlug der Versuch noch fehl. Mit einem Jahr Verspätung klappte es aber nun, und die drei Ostfriesen brauchten am Sonntagabend nur ein paar Minuten, bis auch den letzten der mehr als 300 Besucher im Gasthof Witte klar geworden war, warum das karnevalistische Kult-Trio so begehrt ist auf den Narren-Bühnen im Nordwesten: Ihre plattdeutsche Hitparade bietet höchstes Vergnügen für Ohr und Auge und reißt wohl jedes noch so zurückhaltende Publikum am Ende von den Stühlen – bei Faschingspublikum geschieht das natürlich deutlich schneller.

Wer kein Platt verstehe, wollten die Spaßmacher am Anfang wissen. Ihr Rat an diejenigen: „Draußen wartet ein Taxi!“ Es erhob sich aber niemand – und so verpasste auch niemand die mitreißenden Schlagermelodien mit oft witziger Neuvertextung: Aus dem Tim-Bendzko-Hit „Muss nur noch kurz die Welt retten“ wurde „Up’t Klo muss Du Di hensetten“, statt den „Cowboy als Mann“, wie seinerzeit Wencke Myhre, forderten die Ostfriesen „’n Tass’ Tee-eee – mit Kluntje drin“. Neben etlichen selbst erdachten Kunstfiguren erweckten die drei auch internationale Stars zum Leben, etwa Lady Gaga, zu deren Hit „Poker-Face“ sie die „Jogging-Büx“ besangen.

Unerbittlich wurden auch Gäste – ob sie wollten oder nicht – ins Programm mit einbezogen: Beim Lady-Gaga-Song traf es André Westermann, den Bruder der scheidenden Prinzessin. Zuvor hatte schon Petra Hubmann-Lübbe einen bejubelten Bühnenauftritt: Als sie dem Interpreten „Theo Tiepelfoot“ an die Unterhose im Farbton „Hornhaut-Umbra“ gehen sollte, zierte sich die Ex-Prinzessin und CDU-Ratsfrau allerdings ein bisschen. Sie hatte aber auch selber Schuld, denn die sichtlich in Hochstimmung befindlichen Ex-Prinzessinnen zeigten sich besonders experimentierfreudig darin, die „Spassmakers“ auf ihren Tisch aufmerksam zu machen. „Da geht noch was“, glaubte Moderator Mario mit Blick auf die Damen in den türkisfarbenen Jäckchen.

Nicht so viel ging indes zwischendurch mit dem zweiten Interpreten des Abends: Mario Roggow, Comedian aus Bremen, lieferte einen Beleg für die These, dass Redner es auf der Faschingsbühne zwischen fetzigen Gesangs- und Tanznummern schwer haben. Dass er die Standup-Comedy beherrscht, bewies der Bremer aber unter anderem bei der Begrüßung der Ehrengäste: Als auf seinem Zettel der Name des FDP-Fraktionschefs im Landtag fehlte, bemerkte er: „Das lohnt sich wohl nicht mehr für die letzten Wochen“.

Der Mann, von dem die Rede war, heißt Christian Dürr, Ganderkeseer wissen das natürlich. Der Liberale musste am Sonntagabend noch mehr Spott einstecken: Als Moderator Gerrit Meyer um Redebeiträge für die Büttenabende warb, meinte Dürr, er wüsste zwar nicht, ob er’s könnte, aber er hätte wohl Zeit. Zeit ausgerechnet in der Woche nach der Landtagswahl? „Das ist aber sehr pessimistisch“, konterte Meyer in Anspielung auf das derzeitige Drei-Prozent-Umfragetief der FDP in Niedersachsen. Einen kleinen Seitenhieb hatte der Moderator aber auch für den CDU-Abgeordneten Ansgar Focke parat: „Der kommt gar nicht erst durchs Casting!“

Ganz ohne Casting durfte zum Abschluss des Showprogramms eine weitere Gruppe die Bühne in Immer betreten: Mitarbeiter der Landschaftsgärtnerei von Noch-Prinz Volker Kreye hatten für ihren Chef eine Abschieds-Überraschung einstudiert: Zur Melodie „Mein kleiner, grüner Kaktus“ sangen sie im Chor „Unser Prinz, der Volker, sitzt immer im Büro“ , wobei am Ende nicht der Kaktus, sondern der Spaten „sticht, sticht, sticht“. Sichtlich gerührt bedankte sich Kreye bei seiner Truppe, für deren Talente er jetzt wieder mehr Zeit hat.