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Ostrittrumer über Corona-Krise in der Musik-Branche „Musik ist systemrelevant“

Erzählt, wie es ihm während der Corona-Krise erging: Musiker Jørgen Lang

Erzählt, wie es ihm während der Corona-Krise erging: Musiker Jørgen Lang

privat

Ostrittrum - Seit mehr als 30 Jahren arbeitet Jørgen Lang als Musiker, lebte in Irland, reiste durch Deutschland und die Welt. „Und dann kam das Coronavirus.“ Lebenserfahrung, Zuversicht und ein zweites Standbein helfen dem 55-Jährigen, diesem Monstrum, wie er es nennt, mit einer gewissen Gelassenheit in die Augen zu blicken.

Home-Office

Ende 2021 ist der Musiker mit seiner Familie von der Gemeinde Hatten nach Ostrittrum gezogen. „Vom Live-Geschäft habe ich mich umorientiert. Ich arbeite jetzt als Musiker im Home-Office“, sagt er. Ohne schnelles Internet, das er nun hat, wäre das aber kaum machbar: „Das ist für viele Musiker lebensnotwendig, die zum Beispiel jetzt online unterrichten.“

Lang wird aber nicht nur in seinem Home-Office arbeiten: Mit seinem mobilen Studio reist der Ostrittrumer an, um Künstler zuhause oder im Proberaum aufzunehmen. So war er beispielsweise 2021 eine Woche für eine CD-Produktion in Schweden. Die Nachbearbeitung der Aufnahmen wird dann im „Home-Office“ in Ostrittrum vorgenommen und kann dann an die Kunden übertragen werden. Ende desselben Jahres gab es immerhin zwei Live-Konzerte: ein privates Wohnzimmerkonzert – unter Einhaltung der notwendigen Regeln – und ein Konzert im Wilhelm13 in seiner Geburtsstadt Oldenburg.

Vor Corona

Kaum ein Vergleich zu vorigen Jahren: 2009 zum Beispiel engagierte ihn der Harfenist Rüdiger Oppermann für das Klangwelten-Festival, 43 Konzerte wurden während der zwei Monate dauernden Tournee gespielt. Als Mitglied von Oppermanns Ensemble „East meets West“ spielte er 2010 fünf Konzerte in und um Seoul (Südkorea). 2015 und 2016 trug Jørgen Lang als Gesangssolist mehrere Strophen des Nibelungenliedes vor – im Rahmen von Oppermanns Projekt „Rheingold – eine musikalische Zeitreise entlang des Stroms“. „Das war ein Highlight. Ein Ausflugsschiff wurde zur Bühne umgebaut. Es gab 15 Konzerte entlang des gesamten deutschsprachigen Rheins“, erinnert sich Lang.

Nach Pandemie-Beginn

Einige seiner Musikerkollegen mussten sich komplett neu erfinden. „Zu einem gewissen Grad kann die eigene Kreativität dabei helfen“, meint Lang. „Einige Kollegen haben sich darauf spezialisiert, online Musikunterricht zu geben, andere haben sich zu Komponisten für Filmmusik weitergebildet oder fanden komplett außerhalb des Musikerberufs Arbeit.“

Lang schaffte sich Anfang der 2000er-Jahre ein zweites Standbein als Übersetzer für IT-Lehrbücher. Kurz vor Beginn der Corona-Krise machte er dieses Standbein zum Hauptberuf. „Das rettete meine Existenz. Ganz ohne Coronahilfe ging es zwar auch bei mir nicht, andere Kollegen standen aber komplett mit dem Rücken zur Wand.“

Finanzielle Hilfe

Mit Beginn der Pandemie nutzte er seine Kenntnisse, um das Internetportal „Hatten hilft“, aus dem Ende 2020 ein eingetragener Verein wurde, zu erstellen. Dieses ehrenamtliche Engagement wurde unbürokratisch auch von der Gemeinde Hatten unterstützt, sagt Lang. Was sonst die finanzielle Situation angeht: „Ich habe wirklich Glück gehabt.“ Ende März 2020 gelang es ihm trotz überlasteter Website der NBank eine Förderung zu beantragen, die genehmigt wurde. Keine Selbstverständlichkeit, meint Lang. Viele seiner Musikerkolleginnen und -kollegen fielen besonders zu Beginn der Pandemie durchs Anforderungsraster. Er denkt dabei an Freunde, die ein Festival organisieren, das nun zum dritten Mal nicht stattfinden kann.

Im Sommer 2020 wurde das „Sang- und Klangfestival“ online gestreamt, um auf die prekäre Situation vieler Musiker aufmerksam zu machen. „Dabei wurde über 30.000 Euro an Spendengeldern gesammelt.“ Diese seien an Organisationen gegangen, die Musiker unterstützen. „Sonst hatte man im Monat vier bis sechs Konzerte, heute ist es vielleicht ein Online-Konzert auf Spendenbasis – das ist bitter. Musik ist klar systemrelevant“, meint Lang.

Starke Lobby fehlt

Die Bruttowertschöpfung der gesamten Kreativbranche habe 2019 bei mehr als 107 Milliarden Euro gelegen und damit nicht nur die chemische Industrie, sondern auch Energieversorger und Finanzdienstleister übertroffen, berichtet Lang. „Und trotzdem werden Berufe der Kreativbranche behandelt, als seien sie nicht wichtig.“ Es fehle eine starke Lobby. „Das muss sich dringend ändern.“

Verena Sieling
Verena Sieling Redaktion Wildeshausen
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