Hude - Einkaufen ist für manche Menschen eine lästige Pflichtübung. Nicht so für Irene Pahnke. Die 97-Jährige freut sich darauf, einmal in der Woche ihren prall gefüllten Einkaufszettel abarbeiten zu können. Denn Melanie Poppe hilft ihr dabei. Jeden Donnerstagnachmittag holt die 20-Jährige die Seniorin mit dem Auto zu Hause ab. Die junge Frau absolviert seit dem 1. August ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Huder Diakonie-Sozialstation.

Melanie Poppe hat einen festen Kreis von Senioren, denen sie regelmäßig Hausbesuche abstattet. Sie geht ihnen im Haushalt zur Hand, erledigt Einkäufe, fährt Patienten zum Arzt, begleitet sie bei Spaziergängen, liest ihnen vor, hört einfach nur zu oder spielt mit den Senioren. „Ich bin zur echten Kniffel-Meisterin geworden“, schmunzelt die Bernerin. „Eigentlich ist hier jeder Tag anders – abwechslungsreich, oft überraschend, selten ruhig“, sagt sie. Als FSJlerin übernimmt Melanie Poppe keine medizinische Versorgung. Sie kümmert sich ums Seelenheil der Patienten.

Von den Senioren bekommt sie eine Menge Lob: „Sie hat immer ein Lächeln auf den Lippen, ist stets freundlich, zuverlässig und hilfsbereit. Ich wüsste nicht, was ich ohne sie machen würde“, schwärmt Irene Pahnke, deren Sohn rund eine Stunde entfernt lebt.

Auch Elisabeth Loch, die Pflegedienstleiterin der Diakonie-Sozialstation, mag auf FSJ-Absolventinnen nicht verzichten. Viele Einsätze dienten dazu, Angehörige zu entlasten. Melanie Poppe nennt sie „unsere Perle“.

Nicht nur für Senioren ist die 20-Jährige zu einem vertrauten Gesicht geworden, auch aus dem Leben eines zwölfjährigen Huder Mädchens ist sie kaum noch wegzudenken. Mit dem geistig beeinträchtigten Kind, das unter die Pflegestufe 1 fällt, unternimmt sie regelmäßig etwas: Zusammen gehen sie ins Kino, ins Schwimmbad oder ins Eiscafé. Anstrengend, aber schön findet Melanie Poppe diese Aufgabe. Die Herzlichkeit und die Dankbarkeit, mit der ihr begegnet wird, geben der FSJ-Absolventin viel Kraft.

Ihr Abitur hat sie in diesem Jahr am Beruflichen Gymnasium für Gesundheit und Soziales – Schwerpunkt Ökotrophologie – in Brake gemacht. Um sich beruflich zu orientieren, hatte sie sich für das FSJ entschieden. Vier Tage in der Woche arbeitet sie in der Huder Sozialstation, an einem Tag ist sie in Berne. „Ich wollte nicht sofort weiter lernen und im Klassenraum sitzen“, sagt die 20-Jährige. Für sie war es die richtige Entscheidung: Die Arbeit macht ihr großen Spaß. „Es ist ein gutes Gefühl, Verantwortung zu tragen“, erklärt Melanie Poppe. „Im Umgang mit vielen verschiedenen Menschen lerne ich auch etwas über mich, ich gehe offener auf Menschen zu. Das bringt mich weiter.“

Und sie ist entspannter geworden: Wenn sie mit Irene Pahnke an der Supermarktkasse steht und in der Schlange hinter ihnen Gemurre laut wird, weil es beim Bezahlen etwas länger dauert, bleibt sie geduldig: „Es ist doch toll, dass Frau Pahnke das noch selber erledigt.“