Wildeshausen - Wenn Beatrix Konukiewitz dieser Tage in ihrem Terminkalender blättert, ist etwas anders als sonst: Ab heute sind die Seiten nämlich leer. Zehn Jahre war die 65-Jährige als Pfarrerin in Wildeshausen tätig. Seit Sonntag befindet sich die gebürtige Kielerin im Ruhestand. Sie startet mit einem lachenden und einem weinenden Auge in einen neuen Lebensabschnitt.
Fasziniert forderte ihr Enkel Raphael daheim in Delmenhorst sie in den vergangenen Wochen immer wieder auf, ihm die Seite im Kalender zu zeigen, auf der keine Termine mehr stehen, auf der nichts mehr ist. Und auch die Enkel in Kiel fragen schon, ob ihre Großmutter denn nun die gesamte Kieler Woche bei ihnen bleibt. Auf mehr gemeinsame Zeit mit den Enkeln freut sie sich schon. „Die Zeit, in der sie klein sind, geht so schnell vorbei“, sagt sie.
Besondere Momente
Doch auch ein wenig Wehmut schwingt mit, wenn die 65-Jährige von ihrer letzten Arbeitswoche erzählt. Viele Abschiede füllten noch einmal ihren Kalender. So schenkten ihr die Mädchen und Jungen im evangelischen Kindergarten Schatzinsel zum Abschied einen Fächer – bemalt mit den Symbolen der Gruppen. Auch auf den Straßen in Wildeshausen wurde Konukiewitz häufig auf ihren da noch bevorstehenden Ruhestand angesprochen. „Ich freue mich sehr, dass es allen leid tut, dass ich aufhöre“, sagt die gebürtige Kielerin und lacht auf. Für sie wäre es schlimm, wenn sich alle freuen würden, dass sie geht.
Beatrix Konukiewitz ist im August 1957 in Kiel geboren, während ihr Mann aus dem Nordwesten stammt.
Ihre Ausbildung hat die 65-Jährige in Varel/Obenstrohe absolviert. 1985 trat sie gemeinsam mit ihrem Mann ihre erste Pfarrstelle in Delmenhorst in der Kirchengemeinde „Zu den zwölf Aposteln“ an. Das Pastoren-Ehepaar teilte sich die Stelle.
Nach der Geburt ihres vierten Kindes nahm Konukiewitz Elternzeit. Im Anschluss suchte sie nach einer ganzen Pfarrstelle. Ihr Weg führte sie zum Oberkirchenrat in Oldenburg für Religionspädagogik und zu einer Hauptschule in Elsfleth, an der sie unterrichtete.
Nach zwei Jahren wechselte sie zur Kirchengemeinde Hasbergen (Delmenhorst). Dort blieb sie bis 2013.
Nach Wildeshausen kam sie 2013 zunächst vorübergehend als Vertretung für sechs Monate. Da sie bemerkte, dass es im Team sehr gut funktioniert, bewarb sie sich schließlich ganz auf eine Stelle in Wildeshausen.
Zehn Jahre hatte Konukiewitz eine halbe Pfarrstelle in Wildeshausen inne. Zudem arbeitete sie auf einer halben Pfarrstelle für Schwergehörigenseelsorge für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg.
Die Nachfolge tritt Christine Vieth nach den Sommerferien an. Sie wird die halbe Stelle in Wildeshausen übernehmen und weiterhin eine halbe Stelle in Ahlhorn innehaben.
Aus ihrer Zeit in Wildeshausen, wo sie vor zehn Jahren eigentlich nur für sechs Monate die Vertretung übernehmen wollte, nimmt Konukiewitz viele schöne und prägende Momente mit: kleine wie große. Besonders dankbar ist sie für das tolle Team aus Kollegen im Pfarramt und Büro, Mitarbeitenden der Kitas, engagierten Gemeindemitgliedern, Küster und Kirchenmusikern: „Das hat man ja nicht oft, dass die Kollegen so gut harmonieren. Das ist etwas Besonderes.“ Und auch die Wertschätzung der Gemeinde sei in Wildeshausen besonders: „Die Kirche hat hier noch immer ihren Platz. Die Wildeshauser – auch die aus den umliegenden Dörfern – schätzen ihre Alexanderkirche.“
Beatrix Konukiewitz hielt am Sonntag ihre letzte Predigt in Wildeshausen. Nun befindet sich die 65-Jährige im Ruhestand. Foto: Luise Charlotte Bauer
Überraschung
Die offizielle Verabschiedung fand am Sonntag in der Alexanderkirche statt. Gemeinsam mit Pfarrer Lars Löwensen, der sichtlich bewegt war, hielt Konukiewitz ihren Abschiedsgottesdienst ab. Bei diesem entband Kreispfarrer Bertram Althausen sie von ihren Pflichten als Pfarrerin. Ebenfalls dabei war Pfarrerin Silvia Duch. Der dritte Wildeshauser Pfarrer, Markus Löwe, konnte krankheitsbedingt nicht am Gottesdienst teilnehmen. Besonders vorbereitet hatte sich Konukiewitz auf ihren letzten Gottesdienst als Predigerin nicht, der Alltag hatte sie auch in der letzten Arbeitswoche noch im Griff. Eine musikalische Überraschung hatten Ralf Grössler und seine Frau Dagmar Gössler-Romann vorbereitet. Zu Ehren der 65-Jährigen spielte Grössler-Romann auf dem Vibraphon.
Arbeit und Urlaub
Ein wenig Arbeit steht für die frischgebackene Ruheständlerin aber noch an. In den nächsten Tagen möchte sie in Ruhe ihr Arbeitszimmer auflösen. Danach geht es mit ihrem Mann, ebenfalls Pfarrer im Ruhestand, in den Urlaub nach Frankreich. Weiter plant Konukiewitz jedoch noch nicht – der Kalender soll sich schließlich nicht gleich wieder füllen.
