Wildeshausen/Ganderkesee - In der EU ist seit 2021 die Herstellung von nicht-recycelbaren Verpackungen für Gastronomiebetriebe verboten. Allerdings können Restaurants, Bäcker und Eisdielen ihren Vorrat noch aufbrauchen. Ein Umdenken in diesen Belangen findet bereits statt und diverse Unternehmen nutzen schon wiederverwertbare Verpackungen. Auch im Landkreis Oldenburg setzen immer mehr Gastronomen auf nachhaltige Produkte: Wo es eine Alternative gibt, wird diese auch häufig genutzt.
In der Gastronomie
Die Bäckerei Schnittker in Wildeshausen bietet an, den Kaffee aus der Maschine im eigenen Becher zu trinken. Außerdem bestehen die dort vorrätigen To-go-Becher aus Pappe. Die Deckel sind allerdings noch aus Plastik: „Da gibt es momentan noch keine gescheite Alternative“, sagt Verkäuferin Christina Lüske. Die Bäckerei hat viele Kunden, die vor Ort ihr Essen verzehren. Wer sein Brötchen aber außer Haus zu sich nimmt, wählt die Papiertüte: „Die meisten Kunden bestehen auf Papiertüten. Selbst bei geschnittenem Brot“, sagt Lüske.
Ähnlich verhält es sich bei Ganderkeseer Läden. Aber vor allem in Eiscafés sind seit jeher Produkte aus Plastik allgegenwärtig. Im Eiscafé La Gondola in Ganderkesee setzt Inhaber Luca De Martin auf Alternativen. So sind dort Strohhalme aus Papier. Auch bei anderen Produkten wird auf Kunststoff verzichtet. „Unsere Löffel sind aus Pappe, Holz oder essbar“, sagt De Martin. „Aber sind wir mal ehrlich: Die essbaren Löffel schmecken nicht besonders gut. Papier ist meistens die beste Lösung.“
Einwegbesteck und -geschirr aus Plastik , Trinkhalme und Rührstäbchen aus Kunststoff dürfen seit dem 3. Juli 2021 EU-weit nicht mehr produziert werden. Selbiges gilt für To-go-Getränkebecher, Fast-Food-Verpackungen und Wegwerf-Essensbehälter aus Styropor.
Allerdings ist es dem Handel erlaubt, noch vorhandene Ware weiterhin zu verkaufen. Kunden sollten sich also bei Besuchen von Restaurants, Kinos oder anderen Etablissements auch ein Jahr nach Produktionsverbot nicht über Kunststoffstrohhalme oder ähnliches wundern.
Jedes Jahr finden weltweit mehrere Millionen Tonnen Plastikmüll ihren Weg in die Meere. Rund 85 Prozent des Meeresmülls besteht aus Kunststoffen. Auch die Nordsee ist betroffen. Im Wasser zerbröselt der Plastikabfall mit der Zeit zu kleinsten Teilchen, verbleibt auf unbestimmte Zeit in unserer Umwelt und gefährdet tierische und menschliche Gesundheit zugleich.
Im Wildeshauser Lili-Servicekino wird ebenfalls so gut wie möglich auf Plastik verzichtet. Zu einem gelungenen Kinobesuch gehören selbstverständlich Popcorn oder Nachos. Zwar wird Popcorn seit jeher in großen Pappbechern oder Papiertüten gereicht, doch bei den dreieckigen Chips wurde lange auf einen Plastikteller gesetzt. Um nicht wiederverwertbaren Abfall zu vermeiden, setzt Betriebsleiter Heinz Rigbers auf ein unübliches Material: „Die Behälter für Nachos bestehen aus Zuckerrohr“, erklärt er. Ein süßes Getränk darf beim Filmabend ebenfalls nicht fehlen – allerdings hat das Kino das gleiche Problem wie die Bäckerei: „Wir warten noch auf recycelbare Deckel, die gibt es in dieser Form noch nicht. Da muss und wird etwas passieren“, sagt Rigbers. Die Strohhalme im Kino sind aus Papier. Doch das Thema Papierstrohhalme scheidet die Geister: Tuma Uyar, Geschäftsführer beim Restaurant Zorbas in Wildeshausen, bemängelt die Qualität. „ Wir haben versucht, auf Papierstrohhalme umzustellen, aber die sind nicht ideal. Im Moment nutzen wir noch beides“, sagt er.
Im Einzelhandel
Auch abseits der Gastronomie beschäftigen sich Firmen mit dem Thema: „Wir nutzen schon seit drei, vier Jahren keine Plastiktüten mehr“, berichtet Renate Drieling von der „Jeans Scheune“ in Ganderkesee. Besucherinnen und Besucher des Bastelladens „tüdelkrams“ hätten ihre Taschen und Tüten oft sogar schon dabei, berichtet Inhaberin Susanne Piero. „Bei uns sind Plastiktüten ebenfalls Fehlanzeige.“
Das Wildeshauser Buchgeschäft Bökers am Markt versucht Plastik weitestgehend zu vermeiden. Doch dabei gibt es ein grundlegendes Problem: „Die Bücher kommen eingeschweißt zu uns“, sagt Lene Hjortskov. In die Regale der Buchhandlung wird der Lesestoff aber unverpackt einsortiert. Die Bücher würden ausgepackt und der angefallene Müll fachgerecht entsorgt, so Hjortskov. „Wir haben kaum Plastik im Laden, bei Postkarten beispielsweise gibt es allerdings keine Alternative. Unser Bestreben ist es aber, auf Plastik zu verzichten.“ Ein Umdenken findet laut Hjortskov aber auch an höherer Stelle statt: „Mittlerweile beginnen Verlage, die Bücher in Banderolen zu verschicken – das ist der Stand der Dinge. Bei Büchern ist es so einfach, kein Plastik zu verwenden.“

