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Syrer In Ganderkesee: 4000 Kilometer für ein Leben in Freiheit

12.03.2015

Ganderkesee Sein Haus in Aleppo (Syrien) gibt es nicht mehr, es wurde zerbombt. Seine Familie wurde ausein­andergerissen, lebt teils in Syrien, in Ägypten und in der Türkei. Er selbst floh nach Deutschland. Seit August 2014 lebt Basel Taifour nun in der Asylbewerber-Unterkunft in Hollen und wartet auf seine Aufenthaltserlaubnis. Seit gut einer Woche arbeitet er als Aushilfe im Ganderkeseer Weltladen.

„Wir arbeiten hier nur mit Ehrenamtlichen, aber die sind sehr schwer zu finden – besonders auf regelmäßiger Basis. Mit der Einstellung eines Asylbewerbers, dachten wir, schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe“, erzählt Christa Lingenau, Betreiberin des Weltladens und Vorstandsmitglied in der Arbeitsgruppe Dritte Welt. So bekomme der Laden eine neue Arbeitskraft und unterstütze gleichzeitig einen Flüchtling, der in der Gemeinde wohnt.

Dublin-Abkommen

Das Dublin-Abkommen ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der regelt, welcher Staat für die Prüfung eines in der EU gestellten Asylantrags zuständig ist.

Nur ein EU-Staat ist laut Abkommen für ein Asylverfahren zuständig, damit nicht gleichzeitig oder nacheinander in mehreren EU-Staaten Asylanträge gestellt oder gezielt Staaten ausgesucht werden. Grundsätzlich hat derjenige Mitgliedstaat den Asylantrag zu prüfen, in den der Asylbewerber zuerst eingereist ist.

Allein im Januar 2015 gab es in der Bundesrepublik Deutschland 25 042 Asylanträge, davon 5530 von Flüchtlingen aus Syrien.

Für Basel Taifour ist die neue Arbeitsstelle ein Glücksfall: Ohne Deutschkenntnisse sei es sehr schwer, einen Job zu finden – selbst, wenn zum Beispiel eine handwerkliche Ausbildung vorhanden sei, weiß Lingenau.

Um aber in Deutschland leben und arbeiten zu können, hat Taifour viel auf sich genommen: Als er zum syrischen Militär einberufen wurde, habe er den Entschluss gefasst, zu fliehen, berichtet der Syrer. Sein erstes Ziel: die Türkei. Dort habe er eineinhalb Jahre gelebt, dann sei er mit dem Schiff nach Griechenland übergesetzt. „Ich hatte eine Tasche, die ist ins Wasser gefallen – Ausweis und alles weg“, erinnert sich Taifour. Es folgte ein langer Fußmarsch durch Mazedonien und Serbien nach Ungarn: „Nachts sind wir gelaufen, immer 50 bis 60 Kilometer. Morgens haben wir geschlafen an der Straße“, erzählt der 25-Jährige. An der ungarischen Grenze wurden er und seine vier Begleiter von der Polizei angehalten und registriert – für die Gruppe ein Eklat. Durch das Dublin-Abkommen hätten sie nämlich eigentlich in Ungarn bleiben müssen, ihr Ziel aber war Deutschland. Mit dem Zug seien sie trotzdem weiter nach Frankfurt gefahren, so der Syrer. Von dort sei er erst nach Friedland, dann nach Bramsche und schließlich nach Hollen gekommen.

Obwohl Taifour nun schon seit fast acht Monaten in Deutschland lebt, ist noch unsicher, ob er hier bleiben darf. Er fürchtet, zurück nach Ungarn zu müssen. Trotzdem besucht der 25-Jährige nun jeden Mittwoch die Sprachschule, um die deutsche Sprache zu lernen. Auch mit Christa Lingenau und Elke Mestermacher spricht er ausschließlich deutsch – und wenn es dann doch Schwierigkeiten gibt, zückt er sein Handy und übersetzt das fehlende Wort im Online-Wörterbuch.

Souverän meistert der 25-Jährige seine missliche Lage in fremder Umgebung, mit fremden Menschen und fremder Sprache. Zurück nach Syrien möchte er nicht, nur seine Familie fehlt ihm. „Wenn ich es schaffe, vielleicht können sie dann nachkommen“, hofft Basel Taifour auf ein gutes Ende seiner Geschichte.

Désirée Senft Volontärin / NWZ-Redaktion
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