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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Brückenbauer zwischen den Kulturen

19.01.2019

Ahlhorn Acht Männer sitzen im Kreis an einer Tischgruppe – vier Deutsche und vier Iraker zwischen 22 und 81 Jahren. Sie leben alle in der Gemeinde Großenkneten. Ihr Treffpunkt ist das Männercafé im „Zeppelin“, der neuen sozialen Anlaufstelle in Ahlhorn. Auf dem Tisch stehen Kaffee, Tee, Wasser und ein paar Süßigkeiten. Hazim Khudida Khalo (28) und Jalal Hasan Ali (22) sprechen gut Deutsch. Die beiden haben das Männer-Café zusammen mit dem Mittfünfziger Georg Zindl aus Huntlosen ins Leben gerufen. Seitdem laden sie jeden Mittwoch zu Gesprächsrunden ein. Die Themen entstehen meist spontan und richten sich nach den Interessen der Besucher. „Wir sprechen über Politik, Religion, die Mietsituation, Energiekosten, Heimat, Geschichte, Schulbildung oder auch Berufsausbildung“, sagt Zindl. Sein Anliegen: „Wir wollen eine Willkommenskultur schaffen.“

Erfahrung weitergeben

Walter Schulz (81) hat in seinem Berufsleben bei der Kreishandwerkschaft mit vielen jungen Auszubildenden zu tun gehabt. „Ich kann in dieser Runde meine Lebenserfahrung weitergeben.“ Er ziehe den Hut vor Hazim und Jalal, wie schnell die beiden Kurden Deutsch gelernt haben und nun ihre Ausbildung angehen, Jalal als IT-Fachmann, Hazim als Medizinisch-technischer Assistent. „Das habe ich bereits im Irak gelernt. Doch es würde drei Jahre dauern, bevor mir die Ausbildung hier anerkannt wird. Da habe ich mir gesagt: Dann kann ich sie gleich noch einmal machen.“

Ein 36-jähriger Ahlhorner, Vater von drei Kindern, hört interessiert zu, was Kurden aus dem Irak erzählen. Er sei aus Neugier ins Männer-Café gekommen, um sich aus erster Hand bei Migranten zu informieren und nicht nur aus den Medien. „Unter Saddam Hussein spielte es keine Rolle, welcher Religion man angehörte, obwohl es im Pass stand“, erzählt ein Iraker, der damals in Bagdad in einem Hotel gearbeitet habe. Später seien fünf Männer gekommen und hätten seinen Pass verlangt. Als Jeside sei er im Irak unerwünscht, hieß es.

Hazim spricht von seinen Eltern, die weiterhin im Irak lebten, er stehe in regelmäßigem Kontakt mit ihnen. Warum er geflüchtet ist? „Ich konnte die Gräueltaten der IS-Leute nicht mehr ertragen“, sagt er und berichtet davon, dass Mädchen verschleppt worden seien. In seiner Heimat habe er keine Zukunft mehr gesehen.

In den Dialog kommen

Georg Zindl hofft, dass weitere Männer mittwochs um 18.30 Uhr in die Gesprächsrunde ins „Zeppelin“ kommen. „Wenn wir gelebte Integration wollen, müssen wir in den Dialog kommen.“ Das sieht der junge Familienvater ebenso. „Mehr Ahlhorner Bürger sollten sich in die Integration einmischen.“ Bekanntlich liegt der Ausländeranteil bei gut 40 Prozent. Rund 70 Prozent der Bürger haben einen Migrationshintergrund. Das bekomme der junge Familienvater auch zu spüren, wenn er seine Kinder in den Kindergarten bringe.

Zindl möchte Brücken bauen zwischen den Kulturen. Ein Rentner will Werte vermitteln. „Wir alle wissen, was wir an unseren demokratischen Strukturen haben“, sagt Zindl. Wenn Menschen nach Deutschland kämen und das Recht auf Asyl beanspruchten, weil sie daheim verfolgt würden, sollten sie dies auch wahrnehmen können. In den vergangenen Jahren habe er schon viele Flüchtlinge betreut – und mit ihnen gekocht.

Christoph Koopmeiners Wildeshausen/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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