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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Gespräche über Gut und Böse

12.11.2018

Altona „Sind wir schon jenseits von Gut und Böse?“ Diese Überschrift hatte der Ökumenische Männertalk am Samstagvormittag zur diesjährigen Frühstücksrunde auf Gut Altona gewählt. Als Referenten begrüßte die überkonfessionell arbeitende Gruppe um den Pastoralreferenten Matthias Goldberg und Pastor Lars Löwensen Prof. Dr. Marc Röbel von der Katholischen Akademie Stapelfeld.

Auf guten Weg bringen

Röbel bediente sich in seinen Ausführungen verschiedener Autoren und Philosophen, um das aufzuzeigen, was das Ansteckungspotenzial der Kirche und des Glaubens ausmacht. Es gebe das große Ziel, Menschen auf den guten Weg im Leben zu bringen beziehungsweise ihnen dorthin zu helfen. Auch mit Hilfe der Bibel. Dabei ließ Röbel nicht unerwähnt, wie weit die Entfremdung der Menschen schon fortgeschritten sei. Zugleich sei diese Entwicklung aber durchaus umkehrbar.

Mit dem Philosophen Friedrich Nietzsche rief der Referent einen Kritiker des Christentums zum verbalen Einstieg in den „Ring“. Röbel sprach von Nietzsches „Abschied von der Herdenmoral“. Demnach seien Glaube und Christentum eher etwas für einige Einzelne, die gar nicht gemerkt haben, dass um sie herum nur noch Wenige sind. Ähnlich wie beim „Dinner for one“, bei dem Miss Sophie mit ihrem Butler James Jahr für Jahr alleine feiert und ihre Gäste nur beim Namen nennen kann.

Röbel wies auf Jürgen Habermas hin, den emeritierten Professor, Jahrgang 1929. Bekannt geworden sei Habermas durch seine Arbeiten zur Sozialphilosophie. Nach Habermas bestehe die Gefahr, dass alles entgleise. So würde die Kirche uns Antworten geben auf die Fragen, die nie gestellt wurden. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, sei ein Satz, der sich in den Religionen immer wieder fände. Nach Röbels Ausführungen stellt Habermas die Forderung an die Religionen, dass sie wörtlich kundtun, wie sie den Menschen sehen.

Der Referent führte das Gleichnis des barmherzigen Samariters an. „Ein Unfall auf der Autobahn. Es wird nicht angehalten und geholfen“, so Röbel. „Der moralische Auftrag, verantwortlich für andere und mit anderen zu handeln, verschwindet. Die Bürger in den wohlhabenden Ländern richten ihre egoistischen Vorhaben und ihre subjektiven Rechte wie Waffen gegeneinander. Die Entfremdung unter den Menschen ist soweit fortgeschritten, dass sie es selber nicht einmal mehr spüren. Sie wissen nicht mehr, dass ihr Leben falsch ist.“

Sinn für Böses verloren

Aber es könne immer noch oder gerade jetzt von den Religionen gelernt werden. „Wir weltlichen Bürger kennen nur das moralisch Falsche, haben aber den Sinn für das abgrundtief Böse verloren. Wir wollen verzeihen, wissen aber nicht, wir mit dem Leid umgehen können. Wir beklagen das Leid misshandelter und getöteter Menschen, wissen aber nicht, was der Lebenssinn dieser sinnlos Ermordeten sein könnte.“

Von der Politik werde gerne die Religion genutzt. So wie jüngst durch den bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der das Kreuz verordnen wollte. Der US-Präsident habe dagegen kein Gefühl, keine Herzensbildung. Stattdessen nutze er, wie in seiner Antrittsrede, das Keimen nationalistischer Gefühle.

Dabei gebe es 57 verschiedene Gefühle, von Achtung bis Zorn. Gefühle müssten laut der jüdischen, deutschamerikanischen Theologin und Publizistin Hanna Arendt kultiviert werden: „Was das Verzeihen innerhalb des Bereiches menschlicher Angelegenheiten vermag, hat wohl Jesus von Nazareth zuerst gesehen und entdeckt.“ Das Verzeihen und Loslösen von der Rache sei wichtig und nicht das Legen des Fingers in die Wunde.

Infektion mit dem Guten

Der irische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler C.S. Lewis habe als Argument gegen Gott angeführt, das Universum sei doch offenbar so grausam und ungerecht. Lewis habe sich später gefragt, woher er eigentlich die Vorstellung von gerecht und ungerecht nahm? Demnach habe selbst derjenige etwas Gutes in sich, der nicht an Gott glaube. Selbst der schlimmste Kriminelle glaube auf seine Weise an etwas Gutes, an eine Quelle der Kraft mit tiefer innerer Verwurzelung. Hier sei wieder die Kirche gefragt. Eine Infektion mit dem Guten könne die Kirche mit ihrem Ansteckungspotenzial erwirken.

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Katholische Akademie Stapelfeld

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