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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Angst beherrscht den syrischen Alltag

28.09.2016

Ganderkesee Viele syrische Familien leben in Ganderkesee. Und viele von ihnen kommen aus der gefährlichsten Stadt der Welt: Aleppo.

Die Stadt liegt in Nordsyrien und seit fünf Jahren herrschen dort Leid und Zerstörung. Die Kampfjets der Regierung werfen täglich Bomben auf die Zivilisten und ihre Häuser. Derzeit leben 250 000 Menschen in Aleppo in einer totalen Blockade und die Praxen sind voll mit Verwundeten. Es gibt keine Schulen mehr und jeden Tag sterben unzählige Menschen – und es ist kein Ende in Sicht.

Hekmat Taifour kommt aus Aleppo und ist seit einem Jahr mit seiner Familie in Ganderkesee. Vor drei Jahren ist er wegen des Kriegs aus seiner Heimatstadt geflohen. Sein ganzes Leben war er in Aleppo, er hat dort geheiratet und gearbeitet. Dann kam der Krieg, sein Haus wurde von Kampfjets bombardiert und völlig zerstört. Sein Schwager ist in Aleppo getötet worden, und Hekmats Kinder haben alles mitangesehen. Deshalb entschied er sich, mit seiner Familie in ein anderes Land zu fliehen.

Zuerst sind sie nach Ägypten geflohen, aber weil es dort auch keine Sicherheit und keinen Frieden gab, ging es in einem kleinen Boot weiter in Richtung Deutschland. Ihre Reise über das Mittelmeer nach Italien mit 250 anderen Menschen hat acht Tage lang gedauert. Nach dem sechsten Tag hatten sie nichts mehr zu essen und kein Wasser. Deshalb mussten sie Meerwasser mit Zucker trinken. Als sie dann in Italien ankamen, waren alle müde und hatten Magenschmerzen. In Bayern mussten sie deshalb 15 Tage lang ins Krankenhaus.

Einen Monat später ist Hekmat dann mit seiner Familie in Ganderkesee angekommen. Sie fühlen sich hier wohl, aber sie denken viel an ihre Heimatstadt und was dort im Moment passiert. „Ich bin hier in Ganderkesee und die Leute sind sehr nett, aber ich bin traurig. Jeden Tag sehe ich in den Nachrichten, dass meine Stadt mehr und mehr zerstört wird und so viele Leute sterben“, berichtet Hekmat. „Mein Bruder und meine Schwester sind noch in Aleppo und sie haben großes Leid. Sie haben nur Salat und kein sauberes Wasser. Ich denke so viel an sie, wir haben immer Angst.“

Auch Hekmats Frau Batoul Aktaa hat noch Verwandte in Aleppo. Sie spricht schon gut Deutsch und hat viele deutsche Freundinnen und Nachbarinnen, „die sind sehr nett und sie helfen uns immer“, erzählt Batoul. „Mit ihnen fühle ich mich wie in meiner Familie, aber mein Vater und mein Bruder sind in Aleppo im Krieg gestorben. Meine Mutter habe ich seit vier Jahren nicht mehr gesehen.“

Batouls Mutter und ihre Schwester wohnen noch in Aleppo, obwohl das so gefährlich ist. „Meine Schwester schickt mir Whatsapp-Nachrichten, wenn sie Internet hat. Und wenn sie kein Internet hat, dann suche ich nach ihr in den Leichenlisten auf Facebook. Ich habe immer Angst um meine Familie.“ Denn in Aleppo gibt es kein Benzin mehr, Krankenhäuser und Schulen sind zerstört. Es gibt keine Elektrizität und kein Wasser. Jeden Tag gibt es dort Massaker und viele Menschen sterben. „Wir vermissen alle unsere Verwandtschaft“, sagt Batoul traurig.

Die Familie Taifour ist diesem Krieg zwar rechtzeitig entkommen und hat ein neues Leben in einem neuen Land begonnen, aber die ständigen Gedanken an die alte Heimat und die vielen Verwandten sind schwer zu ertragen.

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