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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Aus Nothilfe ist Lebenshilfe geworden

24.01.2017

Ganderkesee Manchmal wundert sich Monika Kurzawski, „wie schnell sich alles verändert hat.“ Noch vor gut einem halben Jahr war der Arbeitskreis Flüchtlinge, den die Ganderkeseerin mit ihrem Mann Erich leitet, vor allem mit der Essensausgabe in den Notunterkünften beschäftigt – inzwischen stehen ganz andere Aufgaben im Vordergrund. „Jetzt geht es ums Integrieren“, ergänzt Sandra Baba, Flüchtlingsberaterin der Diakonie in Ganderkesee. „Die meisten Flüchtlinge haben inzwischen eine Wohnung und fangen hier ein richtiges Leben an.“

Und dabei sind sie mit Herausforderungen des Alltags konfrontiert, von denen jede einzelne einen Menschen, der in diesem Land noch fremd ist, überfordern kann. „Von Versicherungen haben viele nie gehört“, erläutert Baba, „aber für Haftpflicht oder Hausrat zum Beispiel sind sie sehr wichtig.“ Schulische Fragen müssen geklärt, Behördengänge erledigt und Dinge verstanden werden, die Einheimischen selbstverständlich erscheinen – wie Mülltrennung oder Energiesparen im Haushalt.

Der Arbeitskreis unterstützt die Flüchtlinge mit Begleitern und bietet viele Möglichkeiten, sich zu informieren und auszutauschen. Diese Angebote werden laufend ausgeweitet. Aktuell sind eine Sportstunde für Frauen und ein Sprachkursus mit Kinderbetreuung geplant – „dafür suchen wir noch Betreuer“, sagt Monika Kurzawski.

Neue Beraterin

Frische Kraft in der Flüchtlingshilfe des Diakonischen Werkes in Ganderkesee: Nicole Wilzek ist jetzt neben Sandra Baba als Beraterin und Betreuerin für die Flüchtlinge verantwortlich. Sie löst Vanessa Wolf ab, die sich mittlerweile in der Gemeinde Hatten um die Flüchtlinge kümmert. 

Nicole Wilzek kommt aus Rastede, wo sie bereits für die Volkshochschule in der Flüchtlingsarbeit tätig war. Die 25-Jährige betreut vorrangig die Flüchtlinge im Raum Bookhorn und auch im Haus Cristina in Rethorn, wo noch rund 20 Personen untergebracht sind.

Ganz entscheidend für die Integration bleiben zwei Faktoren, die eng zusammenhängen: Sprache und Arbeit. Einige Flüchtlinge haben inzwischen eine Beschäftigung gefunden, meist als Arbeitsgelegenheit (AGH), Ein-Euro-Job oder Praktikum. „Das sind noch Einzelfälle“, weiß Erich Kurzawski, „aber sie zeigen den anderen, was möglich ist.“ Und wer arbeitet, lernt die Sprache schneller.

In anderen Bereichen wird mangelnden Sprachkenntnissen entgegengekommen: Am Montag zum Beispiel fand in Ganderkesee ein Erste-Hilfe-Kursus auf Arabisch statt. „Eine größere Gruppe hat jetzt angefangen mit dem Führerschein“, berichtet Erich Kurzawski. Die theoretische Prüfung kann ebenfalls in arabischer Sprache abgelegt werden. „Und beim Fahren ist es ja egal, ob einer deutsch oder arabisch denkt“, meint Sandra Baba und lacht.

Spürbar wird Integration auch im Freizeitbereich: Manche Flüchtlinge nehmen Angebote von Sportvereinen wahr, einer war kurz bei der Feuerwehr, ein Mädchen singt im Kinderchor der Kirchengemeinde und Kurzawskis Bläserkreis wird jetzt auch durch einen Trompeter verstärkt. „Es sind noch nicht viele, aber es mischt sich langsam“, beobachtet Monika Kurzawski.

Ihr Mann hebt das Interesse vieler Neuankömmlinge an christlicher Kultur hervor – obwohl rund 75 Prozent der knapp 500 Flüchtlinge und Asylbewerber in Ganderkesee aus dem arabischen Raum kommen. Vor Weihnachten hätten sich viele nach der Bedeutung der Feiertage erkundigt. „Wir fragen uns aber immer, was wir ihnen zumuten können und wollen.“ Auch für viele Flüchtlinge stelle sich die Frage, wie sie sich verhalten: „Als wir sie in die Kirche eingeladen haben, fragten Frauen, ob sie ihre Kopftücher aufbehalten können“, erzählt Sandra Baba.

Kurzum: Die Helfer erkennen bei vielen Flüchtlingen das Bedürfnis nach Annäherung an die deutsche Gesellschaft – aber der Prozess der Integration bleibt ein sehr langer Weg.

Hergen Schelling Agentur Schelling (Leitung) / Redaktion Ganderkesee
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