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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Bürgermeister beschützte sieben Belgier

31.10.2014

Hatten Als in ganz Europa der Zweite Weltkrieg tobte und Millionen Leben kostete, gab es Menschen, die sich dabei selbst in Lebensgefahr brachten, um anderen Menschen das Leben zu retten. Einer von ihnen war Hattens ehemaliger Bürgermeister Alfred Brommelmeier (1956 bis 1976). Daran erinnert Dirk Fass, Gemeindearchivar von Hattens Nachbarkommune Großenkneten, der 1997 in Sandhatten mit dem damals 82-Jährigen zusammengetroffen ist.

Brommelmeier war vom 15. Januar 1942 bis 15. Juli 1943 Leiter der Flugbetriebsausgabestelle beim Tanklager Doornzele (Gemeinde Evergem, Belgien). Am Tanklager angrenzend lagen die Ländereien des Bauern Van Waes. „Mit ihm tauschte ich oftmals fachliche Fragen über die Landwirtschaft aus. Aus diesen Begegnungen entstand ein freundschaftliches Verhältnis“, erinnerte sich der Sandhatter. Eines Tages erfuhr er von dem besorgten belgischen Bauern, dass sein Sohn den Befehl erhalten hatte, in einem Rüstungsbetrieb in Deutschland zu arbeiten.

Hilfe für den Bauernsohn

Ob sich Brommelmeier nicht für ihn einsetzen könnte? „Im ersten Moment zögerte ich, denn ich war ja eigentlich eine Nummer zu klein, um in solche Entscheidungen eingreifen zu können“, erzählte der Sandhatter. Dann aber habe er sich doch mit dem Sohn des Landwirts zur Kommandostelle in Gent begeben, bei der die Abtransportpapiere fertiggemacht wurden.

„Mir zitterten schon etwas die Knie, denn zum einen hatte ich hier nichts zu suchen, und zum anderen war ein solches Eingreifen strengstens verboten.“ Brommelmeier und der junge Begleiter hatten Glück: Nach einem längeren Gespräch zeigte sich die Einsatzstelle bereit, die Papiere zu ändern. Als sechs weitere junge Belgier aus Doornzele und Umgebung davon hörten, baten sie den Deutschen, auch für sie eine Änderung ihres Einberufungsbefehls zu bewirken – was diesem zur eigenen Überraschung – auch gelang.

Kein furchtloser Held

Damit war die Sache für Alfred Brommelmeier allerdings noch nicht abgeschlossen. Er zeigte bereits als junger Mann die Umsicht und Gewissenhaftigkeit, die ihm später in das Amt des Bürgermeisters brachte. Brommelmeier überließ nichts dem Zufall, sondern setzte sich von Belgien aus mit dem Arbeitsamt Oldenburg in Verbindung. Er konnte erreichen, dass die sieben Jungen für landwirtschaftliche Arbeiten in Sandhatten und Huntlosen eingesetzt wurden. Damit niemand sie unterwegs trennte, begleitete er die Gruppe noch bis zum Bahnhof in Gent. Dort besorgte er ihnen ein Abteil und gab ihnen eine genaue Reiseroute nach Oldenburg mit auf den Weg.

Der Sandhatter legte auch viele Jahre nach dem Krieg wert auf die Feststellung, dass er kein furchtloser Held gewesen war. „Von nun an ließ mich die Sorge nicht mehr los. Wenn es nun herauskäme, dass ich es gewesen war, der die Jungs der Rüstungsindustrie entzogen hatte, dann hätte ich wohl äußerst schlechte Karten gehabt“, schilderte der 82-Jährige seine damalige Gemütslage seinem Zuhörer Dirk Fass.

Das Schicksal nahm einen anderen Lauf: Am 16. Juli 1943 erfolgte die Versetzung Brommelmeiers zur Infanterie. Über das Elsass ging es in den Osten nach Russland. In Evergem ließ der Deutsche viele gute Freundschaften zurück, an die er sich in den Nachkriegsjahren immer wieder gerne erinnerte. Wie auch an sein selbstloses Engagement für die jungen Belgier. „Mit wenig Stolz denke ich heute, 1997 im Alter von 82 Jahren, an mein Unternehmen zurück: Sieben junge Männer der Kriegsmaschinerie entzogen und dadurch vielleicht ihr Leben gerettet“, lautete sein eigenes Fazit.

Werner Fademrecht
Hatten
Redaktion Wardenburg
Tel:
04407 9988 2731

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