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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Damit die Erinnerung wachgehalten wird

10.11.2015

Wildeshausen „Und wir standen alle da und schauten zu.“ Dieser Satz steht auf dem Mahnmal, das in der Huntestraße an die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 erinnert und daran, dass auch in Wildeshausen ein jüdisches Gemeindehaus von Anhängern des Nationalsozialismus in Brand gesetzt wurde. Beim Erinnerungsgang vom jüdischen Friedhof durch die Innenstadt am Montagnachmittag erklärte Künstler Carsten Bruhns im Beisein von 40 Teilnehmern seine 1997 geschaffene Stele.

Veranstaltungen

Zwei Filme stehen am Mittwoch, 11. November, im Wildeshauser Kino auf dem Programm. Am Vormittag gibt es für Schulklassen „Lauf Junge lauf!“ zu sehen, der die Geschichte eines jüdischen Jungen erzählt und damit zu tolerantem, akzeptierendem Verhalten anregen will. Um 20 Uhr wird der Film „Elser – Er hätte die Welt verändert“ gezeigt.

Das Theaterstück „Die Judenbank“ von Reinhold Massag präsentiert der Kulturkreis am Sonntag, 15. November. Es beginnt um 20 Uhr im Forum des Gymnasiums.

Ein Vortrag über Wildeshauser Opfer des NS-Krankenmordes findet am Dienstag, 17. November, um 20 Uhr im alten Rathaus statt. Referent ist Prof. Dr. Ingo Harms, der bundesweit zur Geschichte der Psychiatrie forscht.

Der ehemalige Bürgermeister Franz Duin bekannte sich öffentlich zur Schuld am Pogrom gegenüber den jüdischen Mitbürgern: „Wir in Wildeshausen haben damals Schuld auf uns geladen.“

BBS-Schüler des Jahrgangs 13 am Beruflichen Gymnasium Wildeshausen gestalteten mit ihren Texten über die jüdischen Familien den Erinnerungsgang. Sie hatten sich in den Fächern katholische und evangelische Religion sowie Werte und Normen mit dem Thema beschäftigt. Dazu gehörte auch die Reinigung der Stolpersteine, die der Arbeitskreis „Für Demokratie und Toleranz“ 2014 vor die einstigen Gebäude der Juden in Wildeshausen ins Pflaster einsetzen ließ.

An jedem Stein berichteten Schüler aus dem Leben dieser jüdischen Familien, von ihrer Flucht und ihrem Tod. An jedem Erinnerungsstein legte ein Schüler eine Rose nieder.

Begonnen hatte der Erinnerungsgang auf dem jüdischen Friedhof. Dort empfing Bodo Riethmüller vom Landesverband der jüdischen Gemeinden die Teilnehmer. Er erinnerte daran, dass vor 77 Jahren überall in Deutschland Synagogen angezündet wurden. Das Hitler-Regime habe damit die Nagelprobe gemacht, um zu testen, wie das deutsche Volk auf die Brandanschläge reagieren würde. Es habe keine Proteste gegeben, so Riethmüller, auch nicht von den anderen Kirchen. Die Schüler setzten mit ihrer Teilnahme an der Gedenkfeier ein Zeichen und hielten die Erinnerung wach, damit so etwas wie am 9. November 1938 nicht wieder geschieht.

Christoph Koopmeiners Wildeshausen/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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