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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Ein Leben für Heimat und Jugend

13.04.2013

Harpstedt Manche ältere Harpstedter haben ihn noch selbst als Lehrer und Rektor erlebt, andere sein Wirken als Heimatforscher. Ein Baum an der Ostseite des Amtshofs mit einer kleinen Gedenktafel erinnert an ihn: Robert Grimsehl. 1963 verstarb er.

Grimsehl ist es zu verdanken, dass die Harpstedter Chronik von Johann Heinrich Redecker, Schreiber auf dem Amt in Harpstedt von 1710 bis etwa 1730, als Abschrift erhalten geblieben ist, denn das Original wurde 1943 im Staatsarchiv Hannover durch Kriegseinwirkungen zerstört. In mühevoller Kleinarbeit hat Robert Grimsehl 1938 diese Chronik abgeschrieben und von zugehörigen Zeichnungen, Plänen und Karten Fotografien anfertigen lassen.

Zahlreiche weitere Besuche führten ihn in den Folgejahren ins Archiv nach Hannover, wo er von vielen Urkunden zur Geschichte des Fleckens und der umliegenden Dörfer Abschriften machte. Aus verschiedenen Sammlungen von Urkunden aus dem 12. bis 16 Jahrhundert, so dem Hoyaer Urkundenbuch, dem Oldenburger und dem Bremer Urkundenbuch, machte er Abschriften von Dokumenten. Nach dem Kriege setzte er diese Sammlung fort und schuf so das Harpstedter Urkundenbuch, das in zwei Bänden eine Fülle von Urkunden zur Geschichte Harpstedts enthält.

Neue Chronik

Was lag da näher, als aus dieser Fülle historischer Quellen eine neue Harpstedter Chronik zu schreiben: 3000 Seiten in 19 Bänden. Die Reinschrift der letzten Bände konnte er erst wenige Wochen vor seinem Tode fertig stellen. Sieben Bände „Heimatkundliche Schriften, die Gegenwart betreffend“ bieten – thematisch gegliedert – eine Fülle von Informationen zu Ereignissen und Entwicklungen in den ersten zehn Jahren nach Kriegsende. Viele fast vergessene Vorgänge sind dort nachzulesen, können bei den älteren Harpstedtern aber Erinnerungen wach rufen, beispielsweise wie Harpstedt um die Einführung der Schulspeisung kämpfen musste und wie diese dann organisiert wurde. Weitere Bände sind speziellen Themen gewidmet: der Geschichte des Schlosses, dem Bürgerschützenfest oder Harpstedt im Luftangriff .

Sein gesamtes heimatgeschichtliches Werk wird im Archiv der Samtgemeinde Harpstedt aufbewahrt. Robert Grimsehls Verdienste um die Heimatforschung fanden ihre äußere Anerkennung durch die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz.

Mit 21 Jahren Lehrer

1911 hatte Robert Grimsehl im Alter von 21 Jahren seine erste Lehrerstelle in Harpstedt angetreten. 1943 wurde er aus der NSDAP ausgeschlossen. Nach Berichten seines Sohnes Dr. Harald Grimsehl hatte der Vater nach der vernichtenden Niederlage in der Schlacht um Stalingrad im Kreise von Kollegen des Gemeinderats den Krieg für verloren erklärt, eine Aussage, die eine Verhaftung und Verbringung nach Nienburg und dann den Parteiausschluss und Versetzung an die Schule in Klosterseelte zur Folge hatte. Ihm wurde öffentliches Redeverbot auferlegt. Auf Drängen der Klosterseelter Bevölkerung, aber erst nach Zustimmung durch den Ortsgruppenleiter der Partei, hielt er einen heimatgeschichtlichen Vortrag. Die Kreisleitung der Partei verfügte daraufhin seine Versetzung nach Donstorf, wo er bis Kriegsende den Schuldienst versah.

Im Januar 1946 nahm Grimsehl die Lehrertätigkeit in Harpstedt wieder auf, nachdem der Schulbetrieb im Oktober 1945 allmählich wieder in Gang gekommen war. Schulrat Alfred Fricke in Syke zog ihn zu regelmäßigen Beratungen über Erneuerung der Unterrichtsformen und Lerninhalte zur Überwindung der durch die Doktrin der NSDAP geprägten Schulen der Nazizeit hinzu. Harpstedt wurde so zu einer der Reformschulen, die ausersehen waren, die Erneuerung des Schulwesens voranzutreiben und beispielgebend auf die umliegenden Dorfschulen zu wirken.

Kraft schöpfte Grimsehl aus der Liebe zur Musik, die seine Frau Käthe teilte. Schon 1911 hatte er die Leitung des Gemischten Chors übernommen. Später wurde er auch Dirigent der Liedertafel und ihr Vorsitzender. Schule und Chöre waren für ihn ein Potenzial, das er immer wieder zur Gestaltung des kulturellen Lebens im Flecken einsetzte, für Konzerte, für Theateraufführungen, auch von ihm selbst geschriebener Stücke. Das kulturelle Leben wurde von ihm nach dem Kriege über 15 Jahre lang geprägt.

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